15.10.2018 14:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Barbara Schwarzwald
Ausbildung
Der Europameister
Der Europameister und der Weltmeister der Landmaschinenmechaniker haben ihre Ausbildung in derselben Werkstätte gemacht: bei Studers in Lyssach. Wir haben mit dem frischgebackenen Europameister gesprochen.

Dass die EuroSkills in Budapest vom 26. bis 28. September 2018 wegen der grossen Medienpräsenz der SwissSkills, die 14 Tage vorher in Bern stattgefunden hatten, leicht ins Hintertreffen gerieten, haben sie nicht verdient – vor allem nicht die acht Teilnehmenden aus der Schweiz, die äusserst erfolgreich abgeschnitten haben. Die jungen Berufsleute erreichten vier Mal Gold, zwei Mal Bronze und zwei vierte Plätze. 

In Botschaft eingeladen

Mit einer Goldmedaille ausgezeichnet wurde auch der Berner Simon Rüedi. Vor rund einem Jahr erhielt er, als ehemaliger Zweitplatzierter an den SwissSkills und nach diversen Gesprächen, den Zuschlag, die Schweiz an den EuroSkills 2018 vertreten zu dürfen. Die Berufseuropameisterschaften finden alle zwei Jahre statt, diesmal war es erstmals in einem osteuropäischen Land. 

519 Teilnehmende aus über 30 Nationen waren angetreten. 40 Berufsrichtungen wurden im spannenden Wettkampf geprüft. Die Schweizer Delegation weilte eine Woche in Budapest. Am Ankunftstag stand eine Stadtbesichtigung auf dem Programm. Am Abend war die Gruppe in der Botschaft eingeladen. Am Dienstag ging die Eröffnungsfeier über die Bühne. Und an den drei Folgetagen fanden die Wettkämpfe statt. 

Aus dem gleichem Haus

Simon Rüedi ist 22-jährig, aufgewachsen als Bauernsohn in Niederösch BE, Gemeinde Ersigen BE, und wohnhaft seit April dieses Jahres in Koppigen BE. Dass er seine vierjährige Berufslehre als Landmaschinenmechaniker bei der Studer AG, Land- und Umwelttechnik, in Lyssach absolvierte, kommt nicht von ungefähr. Der Name Studer ist weit über die Region hinaus ein Begriff. 

Die meisten erinnern sich sicher noch: Vor ziemlich genau einem Jahr wurde Adrian Krähenbühl, ebenfalls von Niederösch, zum Weltmeister gekürt. Auch er hatte seine Ausbildung zum Landmaschinenmechaniker bei der Studer AG, Lyssach und Kerzers, absolviert. Ist das Unternehmen eine Meisterschmiede? Jörg Studer gibt sich bescheiden. Sie würden bei der Lehrlingsauswahl ihre eigene Methode anwenden. Diese beinhalte unter anderem ein dreitägiges Schnuppern bei verschiedenen Betriebsmechanikern, sodass ein vielfältiges Bild über den oder die Interessierte/n entstehe.

Die richtigen Skills

«Simon hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe», so Jörg Studer zu den Erfolgsfaktoren des ehemaligen Lernenden. Und er ergänzte: «Sein analytisches Denken ist äusserst ausgeprägt.» Auf die Frage an Simon, ob er an den EuroSkills nervös gewesen sei, erwiderte dieser: «Am ersten Prüfungstag während der ersten 15 Minuten war ich aufgeregt. Nachher hat sich das gelegt.» 

Der junge Mann hatte fünf Prüfungsposten zu je 3 Stunden zu absolvieren; je zwei am Mittwoch und Donnerstag sowie einen am Freitagvormittag. Die Aufgaben waren in die Themenbereiche Motoren (Einstellung Montagearbeiten), Elektro (Fehlersuche), Hydraulik (ebenfalls Fehlersuche), Getriebe (Vorderachse auseinandernehmen, etwas ersetzen, wieder montieren und einstellen) sowie Druckluftbremsanlagen und Klimaanlagen (verschiedene Messungen vornehmen und Fehler beheben) aufgeteilt. 

Welt- und Europameister aus gleichem Dorf


Dass Simon Rüedi aus dem gleichen kleinen Dorf wie Weltmeister Adrian Krähenbühl stammt, dass sie sich von Kindsbeinen an kennen, beide Söhne von Landwirten sind, beide eventuell noch eine Zweitausbildung als Landwirt ins Auge fassen und beide jetzt die zweijährige Weiterbildung zum Diagnosetechniker in Langenthal gemeinsam absolvieren, sei eigentlich Zufall. 

Genauso wie die Feststellung, dass Simon Rüedi, wäre er ein Jahr älter, wahrscheinlich Weltmeister und Adrian Krähenbühl, wäre er ein Jahr jünger, Europameister geworden wäre. Beide sind glücklich über ihre Titel. Simon wird weiterhin bei Studers arbeiten, während Adrian bereits vor einem Jahr eine neue Arbeitsstelle gefunden hat. 

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