7.04.2014 16:09
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
«Dählhölzli»: Beide Jungbären tot
Der zweite Jungbär im Berner Tierpark Dählhölzli ist tot. Ein Tierarzt hat das Jungtier am Montag eingeschläfert, um es vor weiterem Stress und Leiden zu bewahren. Bärenvater «Misha» ging mit dem Kleinen rabiat um und Bärenmutter «Masha» vernachlässigte ihre Mutterrolle.

Zwölf Wochen lebte die Bärenfamilie mit ihrem Nachwuchs im Berner Tierpark Dählhölzli zusammen in der Bärenanlage. Obschon Bärenmännchen ihrem Nachwuchs gefährlich werden können, entschied sich die Tierparkleitung, die Bärenfamilie nicht zu trennen.

Trennung nicht verkraftet

Die beiden, von Hand aufgezogenen Elterntiere hätten eine Trennung nicht verkraftet, begründete die Tierparkleitung den Entscheid. Das Wohl der erwachsenen Bären stehe an erster Stelle, bekräftigte der Tierpark am Montag in seiner Mitteilung.

Der Tierpark wollte den beiden handaufgezogenen Bären «Misha» und «Masha» die Möglichkeit geben, richtiges Bärenverhalten zu erlernen. Dazu gehört nach Ansicht der Tierpark-Leitung auch das Austragen und Aufziehen von Jungen. «Der Verlust von Jungtieren ist nach biologischen Grundsätzen, wie auch nach Tierschutzkriterien, weniger gravierend als ein dauerhaft verhaltensauffälliger, erwachsener Bär», betont die Tierparkleitung.

«Masha» stark auf «Misha» geprägt

Die Bärenfamilie lebte rund zwölf Wochen zusammen. Bei Mutter «Masha» hätten sich gewisse Mutterinstinkte eingestellt, sagte der stellvertretende Tierparkdirektor Jürg Hadorn am Montag auf Anfrage. Anfangs habe sie sich sehr unbeholfen angestellt und beispielsweise versucht, die Jungen rückwärts in den Stall zu bugsieren. Dann habe sie entdeckt, dass man die Jungtiere im Nacken packen und tragen könne.

«Masha» habe kurzzeitig Fortschritte gemacht. Doch das Weibchen sei stark auf Bärenmännchen »Misha« geprägt. Und dieser Instinkt habe zunehmend den Mutterinstinkt überlagert.

Aufmerksamkeit erwecken

Um Aufmerksamkeit zu erregen habe »Misha« ein Jungtier aus dem Stall geholt und im Spiel rabiat traktiert. Wenn er sich die Aufmerksamkeit der Bärendame gesichert hatte, habe er meist von seinem Spiel abgelassen, wie Hadorn erzählte. Am 2. April kam das erste Jungtier bei dem rabiaten Spiel ums Leben. Danach kehrte etwas Ruhe ein, doch dann wurden »Mishas« Interaktionen wieder heftiger. »Masha« habe seither noch stärker ihre Mutterrolle vernachlässigt, führte Hadorn aus.

Ablenkungsversuche und das zeitweise Wegsperren der Elterntiere habe nur kurze Entspannungsphasen ermöglicht. Die versuchsweise Trennung der Elterntiere habe diese stark gestresst. Eine Einzelhaltung von Bär »Misha« sei auf Zeit keine Option gewesen.

Überforderte Bäreneltern

Die Tierparkleitung habe selbstverständlich alle möglichen Szenarien durch diskutiert, sagte Hadorn. Der Entscheid, den zweiten Jungbären einzuschläfern, sei dann aber am Montagmorgen situativ gefallen, nachdem »Misha« den Kleinen wieder aus dem Stall geholt habe.

Weshalb »Misha« und »Masha« mit ihrer Elternrolle überfordert waren, ist unklar. Ganz unabhängig davon, habe auch der Tod des zweiten Jungtieres die Mitarbeitenden des Tierparks mitgenommen und betroffen gemacht, heisst es in der Mitteilung weiter. Auch die Bevölkerung nimmt regen Anteil am Schicksal der beiden Jungbären. Im Internet wird das Thema breit und emotional diskutiert.

Kein Nachwuchs mehr

Bärennachwuchs von »Misha« und »Masha« wird es keinen mehr geben. Das Männchen wird in den nächsten Wochen sterilisiert, wie schon seit dem Tod des ersten Jungbären bekannt ist.

»Misha« und »Masha« kamen 2009 nach Bern - als Geschenk der damaligen russischen Präsidentengattin Swetlana Medwedewa. Der Berner Tierpark baute für die beiden nicht miteinander verwandten, von Hand aufgezogenen Bärenwaisen extra ein neues Gehege, den im März 2012 eingeweihten »BärenWald«.

In der Stadt Bern gibt es noch eine zweite Anlage für das Wappentier: den Bärenpark. Dort leben die Bären »Finn«, »Björk« und »Ursina«. Diese Bärenfamilie hatte der Tierpark für die Aufzucht der Jungen vorübergehend getrennt und 2012 wieder zusammengeführt. Ursinas Geschwister, »Berna«, stritt sich aber ständig mit der Mutter und musste deshalb an einen anderen Tierpark verlassen. Sie lebt in einem Park in Bulgarien. Auch »Finn« ist sterilisiert.

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