26.02.2020 20:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Gesundheit
Coronavirus: Schweiz verstärkt Massnahmen
Die Schweiz bereitet sich weiter auf die mögliche Ausbreitung des Coronavirus vor: Die Kapazitäten für Tests in den Spitälern wurden erhöht. Und der Kanton Tessin hat alle künftigen Fasnachtsveranstaltungen abgesagt.

Inzwischen könnten in zehn Labors insgesamt tausend Tests pro Tag durchgeführt werden, sagte Berset am Mittwoch vor den Bundeshausmedien. Ärzte und Spitäler seien angewiesen worden, Verdachtsfälle vermehrt auf das Coronavirus zu testen, zum Beispiel bei schwer erkrankten Personen mit respiratorischen Problemen.

Bundesrat wirft Vorwürfe zurück

Vorwürfe, ungenügend über die Entwicklung zu informieren, wies Berset zurück. Er verwies auf die Telefon-Hotline des Bundesamts für Gesundheit (BAG), die 1400 Anrufe pro Tag entgegennimmt. Nach Angaben der Hotline-Betreiberin Medgate erkundigen sich die Anrufenden am häufigsten über Reiseempfehlungen und Hygienemassnahmen.

Ab Donnerstag soll die Bevölkerung zudem mit einer Kampagne auf Hygienemassnahmen aufmerksam gemacht werden. Geplant sind neben Plakaten und Flyern Informationen für Reisende an den Bahnhöfen und Grenzübergängen.

Ausgangssperre für Rekruten

Der Kanton Tessin, wo am Dienstag der erste bestätigte Coronavirus-Fall auftrat, ergriff weitere konkrete Massnahmen: So wurden alle künftigen Fasnachtsveranstaltungen abgesagt und zwei geplante Hockeyspiele am kommenden Wochenende solle ohne Zuschauer stattfinden.

Am Montag wird der Schulunterricht nach den regulären Fasnachtsferien im Kanton regulär wieder aufgenommen. Jedoch dürfen bis Ende März keine Schulreisen ins Ausland unternommen werden. Ausserdem wurden alle Rekruten mit einer Ausgangssperre belegt.

Positiver Ersttest im Aargau

Der Kanton Aargau gab bekannt, dass in einem Fall mit noch nicht erhärtetem Befund vertiefte Abklärungen getroffen werden müssten. Es bestehe die erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass eine Infizierung mit dem Coronavirus vorliegen könnte, hiess es. Ein erster Test verlief laut Angaben des Kantons positiv. Das Ergebnis eines zweiten Tests in einem Referenzlabor stand aber zunächst aus.

Im Kanton Neuenburg suchten mehrere Personen, die in die Gegend von Mailand gereist waren, wegen Atemwegsproblemen die Spital-Notaufnahme auf. Unter den Verdachtsfällen waren auch drei Kinder.

Taskforces eingerichtet

Andere Kantone trafen zusätzliche Vorkehrungen, um für einen allfälligen Ausbruch des Coronavirus gewappnet zu sein. So richteten der Kanton Uri, der Kanton Glarus und das Fürstentum Liechtenstein spezielle Task Forces ein. Und der Kanton Bern bereitet in einem ehemaligen und leerstehenden Jugendheim von Prêles zwei Wohnungen für Quarantäne-Plätze vor.

Das Schweizer Aussenministerium EDA bestätigte am Mittwoch ausserdem, dass sich in dem unter Quarantäne gestellten Hotel auf Teneriffa unter den mehr als 1000 Menschen auch mehrere Schweizer befinden. Sie seien aber wohlauf und befolgten die Anordnungen der verantwortlichen Behörden.

Keine Rückübernahmen nach Italien mehr

Das mit Abstand am meisten vom Coronavirus betroffene Land in Europa ist Italien. Mittlerweile seien 374 Menschen infiziert, davon seien 12 gestorben, teilte der Zivilschutz mit. Das hat nun auch Auswirkungen auf das Asylwesen: Denn das Land teilte mit, bis auf weiteres keine Asylsuchende mehr zurückzunehmen, wie das Staatssekretariat für Migration (SEM) am Mittwoch mitteilte.

In den nächsten Tagen waren SEM-Angaben zufolge Flüge für zehn Personen ins südliche Nachbarland gebucht. Die Betroffenen bleiben vorerst in den Asylzentren des Bundes oder in kantonalen Einrichtungen. Nicht nur die Schweiz ist demnach von dem Rückübernahmestopp betroffen, sondern alle Staaten, die im Rahmen des Dublin-Abkommens Asylsuchende an Italien als Ersteinreiseland zurückschicken.

Die folgenden Informationen stammen vom Bundesamt für Gesundheit (BAG)

Wie wird das Virus übertragen?
Die Übertragung des neuen Coronavirus geschieht vor allem durch Tröpfcheninfektion: Beim Niesen oder Husten gelangen Viren von einem Menschen entweder direkt auf die Schleimhäute von Nase, Mund und Augen eines anderen Menschen. Oder die ausgeschiedenen Viren überleben einige Stunden in winzigen Tröpfchen auf Händen oder Oberflächen (Türklinken, Knöpfe etc.), die dann durch Berührungen im Gesicht auf die eigenen Schleimhäute von Nase, Mund und Augen gelangen. In aller Regel ist jedoch ein enger Kontakt (< 2 Meter über > 15 Minuten) mit einer infektiösen Person erforderlich.

Zurzeit noch unklar ist, wie rasch sich das neue Coronavirus von Mensch zu Mensch verbreitet. Die Übertragungsrate (= die sogenannte «Reproduktionszahl» R0) gibt an, wie viele weitere Menschen eine infizierte Person anstecken kann. Gemäss aktuellen Schätzungen liegt R beim 2019-nCoV zwischen 1,5 und 4. Das heisst, eine bereits infizierte Person kann im Durchschnitt 1,5 bis maximal 4 noch nicht Infizierte anstecken. (Zum Vergleich: bei der saisonalen Grippe liegt R (im Winter) bei rund 1,2–1,4 bei Masern liegt R bei rund 18 und bei SARS lag sie nur knapp über 1,0).

Personen jeden Alters können sich anstecken. Das Alter der laborbestätigten Erkrankungsfälle in China reicht von 8 Monaten bis 90 Jahren. Inkubationszeit: Nach einer Infektion mit dem neuen Coronavirus dauert es in der Regel 4 bis 7 Tage (Spannweite 1 bis 14 Tage) bis zu den ersten Krankheitszeichen (= Symptomen).

Welche Symptome treten auf?

Zu Beginn (d.h. nach der Inkubationszeit) tritt oft ähnlich wie bei einer Grippe ein unspezifisches Unwohlsein, Müdigkeit und Fieber auf. Es folgen meist Atemwegssymptome, typisch ist ein trockener Husten. Weniger häufige Symptome sind: Kopfschmerzen, selten Muskelschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Nur sehr selten wurden Schnupfen und Halsschmerzen beobachtet (dies spricht eher für eine «gewöhnliche Erkältung»).

In vielen milderen Fällen bleiben die erwähnten Symptome über einige Tage bestehen, bevor man wieder gesund wird. Im Fall eines schweren Erkrankungsverlaufs kann es nach rund einer Woche zu Kurzatmigkeit sowie im schlimmsten Fall zu einer Lungenentzündung (= Pneumonie) mit Atemnot und Befall weiterer Organsysteme kommen.

Häufiger von einem schweren Erkrankungsverlauf betroffen sind vorwiegend ältere Menschen und Menschen mit einer chronischen Vorerkrankung (insbesondere Bluthochdruck, Herz- und Lungenerkrankungen, Diabetes oder Erkrankungen, die das Immunsystem beeinträchtigen). Einzelne schwere Fälle betrafen auch jüngere, zuvor gesunde Personen.

Es ist zurzeit noch unklar, wie häufig solche schweren Verlaufsformen bei einer Infektion durch das neue Coronavirus auftreten, die Mehrzahl zeigt jedoch einen milden Verlauf. Mindestens 10 Prozent der Erkrankten haben kein Fieber, und bei einigen tritt kein Husten auf. Bei mehreren Personen wurde eine Infektion mit dem neuen Coronavirus nachgewiesen, die gar keine Symptome zeigten.

Wie wird eine Erkrankung behandelt?
Zum heutigen Zeitpunkt steht keine spezifische Behandlung von Erkrankungen mit Coronaviren zur Verfügung. Die therapeutischen Möglichkeiten beschränken sich gegenwärtig auf die Behandlung und Linderung der vorliegenden Symptome.

Falls eine Erkrankung mit dem neuen Coronavirus vorliegt, muss die Patientin oder der Patient isoliert werden. Die Ärztin/der Arzt hilft mit, abhängig von den Symptomen und dem Alter und Gesundheitszustand der erkrankten Person zu entscheiden, ob eine (vorübergehende) Isolation und Pflege zu Hause oder im Spital sinnvoller ist.

Bei milden Erkrankungen, die weniger als sieben Tage andauern, genügt eine Behandlung wie bei einer unkompliziert verlaufenden Grippe: sich Ruhe gönnen, ausreichend trinken, gegebenenfalls Fieber senken.  

Bei schwerer Erkrankung ist oft eine intensiv-medizinische Behandlung – unter Umständen mit künstlicher Beatmung – erforderlich. Aktuell werden bei schwer erkrankten Personen auf der Suche nach einer spezifisch wirksamen Behandlung u.a. verschiedene antivirale Medikamente angewendet.

Ursprung des Coronavirus
Der örtliche Ursprung der Coronavirus-Epidemie in China ist wahrscheinlich ein Markt der zentralchinesischen Stadt Wuhan. Dort wurden nebst Fisch auch Fledermäuse, Schlangen und weitere Wildtiere gehandelt. Das Virus wurde von Tieren auf den Menschen übertragen. Seither wird das Virus von Mensch zu Mensch übertragen. Die chinesischen Behörden haben den Markt geschlossen.

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