3.07.2020 11:45
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Corona
Brasilien macht Vorgaben in Schlachthöfen
Mindestabstand von 1 Meter einhalten - Auf Hygiene achten - Quarantäne für Erkrankte - Arbeitnehmervertreter kritisieren die Vorgaben als „inadäquat“ - Selbstgesetzte Vorgaben einiger Unternehmen ambitionierter - Schlachthöfe auch in Brasilien Hotspots von Covid-19-Ausbrüchen.

Schlachthöfe sind auch in Brasilien Hotspots von Covid-19-Ausbrüchen; deshalb hat die Staatsregierung jetzt spezielle Vorsorgemassnahmen getroffen. Um die Arbeitssicherheit zu gewährleisten und damit auch die Fleischversorgung der Bevölkerung zu garantieren, müssen Schlachtunternehmen laut einem kürzlich in Kraft getretenen staatlichen Erlass jetzt dafür Sorge tragen, dass Mitarbeiter untereinander einen Mindestabstand von 1 m einhalten.

So ist zum Beispiel beim Betreten und Verlassen der Betriebe Gedränge zu unterbinden. Wo der Mindestabstand nicht einzuhalten ist, müssen Masken getragen und Trennwände eingerichtet werden. Zudem ist darauf zu achten, dass die Mitarbeiter regelmässig ihre Hände waschen, und die Arbeitsplätze häufiger gereinigt werden, heisst es im Erlass.

14 Tage in Quarantäne

Arbeitsplätze sind regelmässig zu lüften, und bei der Nutzung von Klimaanlagen darf es keine Luftzirkulation geben. Ausserdem müssen Mitarbeiter bei ersten Anzeichen einer Infektion medizinisch untersucht werden. Infizierte müssen für 14 Tage in Quarantäne gehen. Dasselbe gilt für diejenigen, die Kontakt zu Erkrankten hatten. Sie können die Quarantäne aber durch einen negativen Corona-Test umgehen.

Arbeitnehmervertreter werteten die Massnahmen laut heimischen Medienberichten als „inadäquat“. Notwendig seien ein Mindestabstand von 1,5 m zwischen den Mitarbeitern sowie Massentests. In der Tat bleiben die vom Staat vorgeschriebenen Massnahmen hinter den selbst gesetzten Vorgaben von Fleischunternehmen zurück. So führte zum Beispiel Marfrig unter seinen Mitarbeitern bereits Massentests auf das Coronavirus durch. Ausserdem wird laut Unternehmensangaben unter anderem darauf geachtet, dass die Mitarbeiter sogar einen Mindestabstand von 1,5 m einhalten.

Jeder vierte Infizierte

Wie in den zurückliegenden Monaten zu beobachten war, tragen Schlachthöfe in Brasilien massiv zur Verbreitung des Coronavirus bei. Zum Teil kam es zu vorübergehenden Betriebsschliessungen wegen zu hoher Infektionszahlen. Im Bundesstaat Rio Grande do Sul, einem der Produktionsschwerpunkte für Fleisch in Brasilien, wurden laut Angaben der Regionalregierung bis Dienstag vergangener Woche bei insgesamt 4957 Schlachthofbeschäftigten Corona-Infektionen nachgewiesen. Damit entfiel jede vierte in der Region nachgewiesene Infektion auf einen Schlachthofmitarbeiter.

In  den Betrieben beschäftigt sind in Rio Grande do Sul zusammen rund 65 000 Personen. Brasilianische Experten führen das Krankheitsgeschehen in den Einrichtungen auf die Enge und die niedrige Temperatur in den Anlagen zurück. Zum Teil gibt es auch Betriebsunterkünfte, in denen die von entfernteren Gegenden angereisten Arbeiter unter der Woche wohnen.

Unterdessen unterzeichneten die brasilianischen Fleischkonzerne JBS, Marfrig und Minerva Foods die vom wichtigen Abnehmer China geforderten Erklärungen, dass ihre Waren frei vom Coronavirus sind. Brasilien gehört aktuell zu den weltweit am stärksten von der Pandemie betroffenen Ländern. Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge gibt es in Brasilien bisher rund 1,1 Millionen bestätigte Infektionsfälle und etwas mehr als 51 000 Tote.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE