29.03.2020 06:04
Quelle: schweizerbauer.ch - Ruedi Roth
St. Gallen
Besamer finden Infos auf Stallbänkli
Die Tiere in der Landwirtschaft wissen wohl nicht so genau, womit die Gesellschaft derzeit massiv konfrontiert wird. Die Betreuenden geben sich aber Mühe, den neuen Anforderungen möglichst schonend gerecht zu werden.

Sandra Baumann (22) steht im Dienst der Besamungsregion Bütschwil von Swissgenetics. Die ersten Meldungen über einen unbekannten Virus handelte sie, wie viele andere Menschen auch, als eher belanglos ab. «Das wird eine Grippe sein, welche sich in China aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte so schnell verbreitet, war meine erste Vermutung», gibt die Toggenburgerin zu.

Wie die meisten ihrer Kunden auf den Bauernhöfen, befasste sie sich erst so richtig mit dem Phänomen Corona, als dieses in Italien Unheil anrichtete. Plötzlich wurden in der Schweiz Veranstaltungen abgesagt. Restaurants mussten  schliessen, was dann doch allgemein aufhorchen liess. «Die Bauernbevölkerung reagierte unterschiedlich. Manche sahen alles für übertrieben an, andere warnten vor einem riesigen Weltproblem», fasst Sandra Baumann zusammen.

Mitteilung ab Band

Als dann die ersten Kunden zur Besamungsmithilfe im Stall mit Mundschutz erschienen, handelte die Station Bütschwil. Jetzt war auf dem Sprechband zu hören, dass die Besamenden ihren Dienst möglichst allein verrichten wollten. «Das funktioniert gut. Die Informationen werden jetzt notiert und auf dem Stallbänkli hinterlegt», fasst die Baumann ihre ersten Erfahrungen zusammen.

Ihr Arbeitsplatz gilt als einer, welcher für die Verbreitung vom Coronavirus gute Möglichkeiten bietet. Auf den Bauernhöfen sind zudem oft auch ältere Menschen anwesend. Einen Handschlag führt Sandra Baumann nicht mehr aus und die Hände werden noch intensiver gewaschen im Berufsalltag. «Ein Grossteil der landwirtschaftlichen Bevölkerung hat die Gefahr erkannt und hilft optimal mit bei der Vorbeugung», freut sich die junge Toggenburgerin. Sie ist der Meinung, dass die Massnahmen des Bundes wohl noch verlängert werden bis Ende Mai. «Das Positive daran ist, dass die Bevölkerung der Landwirtschaft wieder mehr Beachtung erteilt. Die Leute werden den einheimischen Produkten hoffentlich wieder mehr Wertschätzung schenken!»

Verursacht Kälberdurchfall

Vermutlich stammt das neue Corona-Virus von Tieren ab. Eine Übertragung  vom Menschen auf das Tier ist bisher jedoch nicht bekannt. Es gibt aber infektiöse Erkrankungen, die eine mögliche Ansteckungsgefahr vom Menschen auf das Tier aufweisen wie zum Beispiel die Tuberkulose. Weit häufiger sind Krankheiten, deren Erreger vom Tier auf den Menschen übergehen; sie werden Zoonosen genannt. «Bei Kälbern sind Coronaviren eine mögliche Ursache von Durchfallerkrankungen in den ersten zwei Lebenswochen.

Der beste Schutz gegen diese Erkrankung ist eine genügende Antikörperaufnahme über das Kolostrum», berichtet Sabine Sprenger, Grosstierärztin aus Nesslau. Bei adulten Rindern kann das bovine Corona-Virus ebenfalls hochansteckenden Durchfall verursachen, einhergehend mit Fieber und meistens mit massivem Milchrückgang (Winderdysenterie). Durch Personen- oder Tierverkehr kann diese Erkrankung von Stall zu Stall verbreitet werden.

Waren deponieren

«In der Grosstierpraxis erbringen wir trotz neuem Coronavirus weiterhin die gewohnten Dienstleistungen. Wir haben allerdings einige Richtlinien aufgestellt, um uns und die von uns besuchten Kunden wenn möglich, zu schützen. Zum Beispiel wird auf eine Begrüssung per Handschlag verzichtet. Medikamente können deponiert oder nach Hause geliefert werden und unsere Leute arbeiten nur, wenn sie gesund sind», fasst Sabine Sprenger die momentane Situation zusammen.

Im Allgemeinen hat sich die Bauernschaft ihrer Meinung nach gut mit der neuen Lage arrangiert. Mancherorts sei die Rücksichtnahme grösser geworden. Aber da das Wetter der Landwirtschaft momentan in die Karten spiele und es viel zu tun gebe, denke man eher wenig an die ausserordentliche Lage. «Möglicherweise wird die nichtbäuerliche Bevölkerung wieder zu regionalem Denken finden und lokalen Produkten vermehrt den Vorrang geben», kommentiert Sabine Sprenger die Lage.

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