17.02.2018 19:46
Quelle: schweizerbauer.ch - jgr
Bern
Bauern, Bahnen und weisse Pisten
Mit dem Einzug der «Montreux Oberland Bernois»-Eisenbahn 1911 kamen auch die Touristen ins Saanenland. So wurden von Landwirten viele Hotels gegründet. Der Betrieb wurde für sie zum wertvollen Zusatzverdienst.

Die Marke Gstaad steht heute weltweit für schicken Charme und diskreten Luxus, den Gäste aus Königshäusern, Film, Kunst, Sport und Wirtschaft zu schätzen wissen. Aber trotz Stil und Klasse: Gstaad sei echt alpin und bodenständig geblieben, ist auf der Internetseite von Gstaad Tourismus nachzulesen. 

Man sei stolz auf seine Tradition und lebe sie. 200 Landwirtschaftsbetriebe, 80 noch bestossene Alpen gäbe es in der Region, zu der 10 Chaletdörfer gehören. «Das Saanenland hat so viele Kühe wie Einwohner», weiss Andrea Sprenger-von Siebenthal. In Zahlen ausgedrückt sind dies 7650.  

Eine Bauerntochter

Um ein Vielfaches höher indessen ist jedoch die Zahl der Touristen. Die Region verzeichnet rund 1 Million Logiernächte pro Jahr. «Angekurbelt wurde der Tourismus im Saanenland vor über 100 Jahren mit dem Einzug der ‹Montreux Oberland Bernois›-Eisenbahn», erklärt Andrea Sprenger, die in Saanenmöser aufgewachsen ist. 

Und mit der Mobilität der Leute stieg auch die Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten. So hätten viele Bauern und Viehzüchter Hotels gegründet. Der Hotelbetrieb sei zu einem wertvollen Zusatzverdienst geworden. Nicht selten seien es die Frauen gewesen, welche die Gäste bewirtet haben, sagt Andrea Sprenger, die vor acht Jahren mit ihrem Ehemann Markus das Golfhotel Les Hauts de Gstaad & Spa in Saanenmöser operativ von ihren Eltern Heidi und Walter von Siebenthal übernommen hat. 

Und auch die Familie von Siebenthal ist seit vielen Generationen in der Landwirtschaft tätig. 1972, nach dem Tod des Grossvaters von Andrea Sprenger, übernahmen ihre Eltern,  die damals   ein Hotel in Gstaad führten, den familieneigenen Bauernbetrieb. So war es für Andrea Sprenger und ihren Bruder Adrian, der heute als Helikopterpilot bei der Rega arbeitet, eine Selbstverständlichkeit, beim Heuen und Emden mitzuhelfen.

Hof verpachtet

Fast 50  Jahre lang führten von Siebenthals den Bauernhof selbst.  Damals waren rund 20 Simmentaler Kühe eingestallt.  Im Sommer wurden die Tiere während rund acht Wochen auf die Alp Gumm und später auf Turnels gebracht. Den Rest des Sommers verbrachten sie in der Bumeisteri.

Der Arbeitsaufwand war gross, zudem Heidi und Walter von Siebenthal zwischenzeitlich das Golfhotel in Saanenmöser gekauft hatten.  «So stellte mein Vater einen landwirtschaftlichen Mitarbeiter an. Leider ist er vor drei Jahren gestorben», erzählt Andrea Sprenger. Nach dessen Tod wurden die 20 Hektaren Land und die Ländereien in Saanenmöser und Saanen an einen ortsansässigen Bio-Bauern verpachtet.

«Doch ganz von den Kühen konnte sich mein Vater nicht trennen, und so stehen immer noch sechs Kühe von uns beim Pächter im Stall.» Und diese nimmt der Landwirt im Sommer jeweils mit auf die Alp Isenau in Les Diablerets. «Jährlich werden dort von der Milch unserer Kühe  zwei Tonnen Käse hergestellt», erklärt Andrea Sprenger.

Ein Stück vom «Isenauer» bekommen die Gäste jeweils ab drei Nächten bei ihrer Abreise geschenkt. Zudem können sich die Gäste täglich beim Frühstücksbuffet ein Stück davon abschneiden. Auch sonst legt die Hotelierfamilie grossen Wert auf Regionalität.  Nebst Brot vom Dorfbeck gibt es auch Käse und Joghurt von der Molkerei Schönried, die in Zweisimmen eine Filiale hat.  

60 Tonnen Joghurt

In der Molkerei veredelt und verkauft Betriebsleiter Reto Siegrist mit 24 Angestellten jährlich rund 1,8 Millionen kg Kuh- und 100000 kg Ziegenmilch zu hochwertigen Produkten. Dazu gehören auch 60 Tonnen Joghurt in verschiedenen Geschmacksrichtungen. 

«Insgesamt 58 Mitglieder zählt unsere Genossenschaft»,  erklärt Siegrist. Die Molkerei befindet sich mitten im Dorfzentrum von Schönried. Das Gebäude verfügt  über drei Reifekeller und einen alten Militärstollen in Saanenmöser. Gelagert werden  dort unter anderem Berner Alpkäse AOP, Berner Hobelkäse AOP  wie auch der bekannte Halbhartkäse Hornberger Mutschli.  Doch längst nicht nur die Einheimischen und Feriengäste kommen in den Genuss der Spezialitäten; die Molkerei betreibt auch einen Online-Shop. 

www.golfhotel.ch  und bergmolkerei.ch

Die Geschichte: Mit der «Montreux Oberland Bernois»-Eisenbahn kam 1905 der Fremdenverkehr im Saanenland auf. 1911 öffnete das Kurhaus  (heutiges Golfhotel) auf Saanenmöser seine Tore und spielte schnell eine wichtige Rolle in der Region. Seit 1996 ist es im Besitz von Heidi und Walter von Siebenthal. Er ist zusammen mit seinen drei Geschwistern Peter, Werner und Ruth in Saanenmöser aufgewachsen. Der Vater war Landwirt, und die Mutter führte die Pension Hornberg. Sohn Walter wuchs in der Landwirtschaft wie auch im Hotel auf. Nach der Hotelfachschule in Lausanne arbeitete er auf den Bahamas, bevor er 1969 Heidi Spozio heiratete und mit ihr zusammen in Gstaad die Direktion des Sportmotels Rütti übernahm.  Als Vater Werner 1972 starb, entschlossen sich Walter und Heidi, den Bauernbetrieb in Saanenmöser zu übernehmen.  In den Siebzigerjahren  schmiedete Walter von Siebenthal zusammen mit einem Freund Pläne, gründete eine Aktiengesellschaft und baute die Gondelbahn Saanersloch. Nur wenige Jahre später wurde   das Skigebiet Saanenmöser – St.Stephan erschlossen und der Funi durch die 3er-Sesselbahn auf den Hornberg ersetzt. «Innovativ sein»,  ist für die  Hotelierfamilie nach wie vor wichtig:  Darum  plant sie in den nächsten drei bis vier Jahren in Saanenmöser ein weiteres Hotel zu eröffen. jgr

 

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