7.03.2017 06:38
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Strassenverkehr
Autofarbe könnte Unfallrisiko beeinflussen
Viele Autounfälle ereignen sich, weil ein Fahrer einen anderen übersieht. Zwar spielt Ablenkung am Steuerrad dabei eine grosse Rolle, allerdings könnte auch die Lackfarbe des Fahrzeugs einen gewissen Einfluss haben, zeigt eine Studie aus Singapur.

Gelbe Taxis sind seltener in Unfälle verwickelt als blaue. Die helle Farbe falle besser auf, so dass die Taxis im Verkehr besser wahrgenommen werden, schreiben Forscher im Fachblatt «PNAS» nach einer Untersuchung in Singapur. Berücksichtige man die Farbe bei den öffentlichen Verkehrsmitteln, liessen sich viele Leben retten und viel Geld sparen. Andere Unfallforscher sind aber skeptisch, was einen Zusammenhang zwischen Autofarbe und Unfallhäufigkeit angeht.

16'700 Taxis analysiert

Teck-Hua Ho von der National University of Singapore hatte mit seinen Mitarbeitern Unfallstatistiken eines Taxiunternehmens ausgewertet, das eine Flotte von 16'700 gelben und blauen Taxis betreibt - etwa 60 Prozent aller Taxis in Singapur. Blaue Taxis sind in dem Unternehmen etwa drei Mal häufiger als gelbe vertreten.

Die Wissenschaftler analysierten die Zahl der Unfälle, die in drei Jahren stattgefunden hatten und brachten sie in Zusammenhang mit der Autofarbe und verschiedenen Eigenschaften des Fahrers.

Gelbe Taxis seltener in Unfall verwickelt

Das Ergebnis: Obwohl sie genauso häufig eingesetzt wurden, die gleiche Strecke zurücklegten und mit der gleichen Geschwindigkeit unterwegs waren wie die blauen, gab es mit den gelben Taxis deutlich weniger Unfälle. Pro Monat waren es bezogen auf tausend Taxis gut 6 Unfälle weniger. Der Unterschied sei statistisch bedeutsam und entspreche einer Minderung der Unfallwahrscheinlichkeit von 9 Prozent, berichten die Forscher.

Sie schliessen aus, dass der beobachtete Zusammenhang zustande kommt, weil etwa sicherere Fahrer die Farbe gelb bevorzugen. Die Fahrer wurden den Taxis nämlich zufällig zugeteilt. Auch hinsichtlich anderer Faktoren wie Alter, Bildung oder Arbeitszeit fanden die Wissenschaftler keinen Unterschied zwischen Fahrern gelber und blauer Taxis. 

Umlackieren für mehr Sicherheit?

Sie folgern: Die bessere Sichtbarkeit der gelben Taxis habe zur Folge, dass andere Verkehrsteilnehmer die Wagen besser wahrnehmen und Unfälle einfacher vermeiden können. Tatsächlich waren gelbe Taxis bei einfachen Auffahrunfällen seltener in der vorderen Position als blaue.

Gelb sei seit 1907 eine beliebte Taxifarbe, schreiben die Forscher in ihrem Artikel. Damals habe eine Erhebung in Chicago ergeben, dass gelb die auffälligste Farbe sei. Die meisten anderen Wagen waren zu der Zeit schwarz - potenzielle Taxikunden sollten ein Taxi schnell erkennen können. Würden heute alle andersfarbigen Taxis gelb umlackiert, würde das die Zahl der Unfälle erheblich reduzieren.

Mensch entscheidender für Unfallrisiko

Wissenschaftliche Studien zu dem Thema kommen indes zu unterschiedlichen Schlüssen. Während spanische und australische Wissenschaftler ebenfalls weisse - also helle - Autos als sicherer identifizierten, fanden neuseeländische Forscher, dass silberne Autos erheblich seltener in schwere Unfälle verwickelt waren als weisse. Eine Fahrt in einem braunen Wagen war dieser Studie zufolge am gefährlichsten.

Walter Niewöhner, Unfallforscher bei der deutschen Prüfgesellschaft Dekra, hält die pauschale Festlegung einer «sicheren Autofarbe» für gewagt. Ihm seien Einzelfälle bekannt, bei denen schwache Kontraste - etwa ein grünes Auto vor einer grünen Wiese - die Wahrnehmung eines Fahrzeugs beeinträchtigt und dies zu einem Unfall geführt habe. Der Mensch selber sei aber wohl entscheidender für das Unfallrisiko als die Lackfarbe. Als Unfallursache nehme Ablenkung im Auto, etwa durch das Smartphone, seit einiger Zeit zu.

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