18.07.2019 07:01
Quelle: schweizerbauer.ch - Esther Schneiter
Blog
«Auf Alp hat Zeit andere Bedeutung»
Nach den Blogs aus Neuseeland, von der Alp Meienfall im Diemtigtal und der Alp Pfidertschegg im Eriz, bloggt Esther Schneiter wieder auf www.schweizerbauer.ch. Nun aus ihrem Leben als Lehrerin und Landwirtin.

Die baumnussgrossen Hagelkörner vom 3. Juli haben das Gras kleingehackt.

Erste Kühe galt

Es erholt sich nur langsam. So haben wir bezüglich Grasmenge nicht mehr viel zum Prahlen. Zum Glück ist das Wetter momentan wieder feucht und warm. Und wächst das Gras wieder.

Zudem haben wir die ersten sechs Kühe trockengestellt. Die Erste wird bereits am 16. August neun Monate trächtig sein. Die Galtkühe grasen nun in weniger «guten» Weiden, so dass für die laktierenden Kühe mehr Futter übrig bleibt.

Unkraut, Unkraut und Unkraut

Bei der Futterkonservierung läuft momentan nicht viel. Deshalb wenden wir uns vor allem dem Unkraut zu. Ich schätze an dieser Arbeit, dass man nicht unter Zeitdruck ist. Die Alp hat rund 50 Hektar Weide. In Fahrni ist etwas mehr als die Hälfte so viel landwirtschaftliche Nutzfläche, da wird uns bestimmt nie langweilig.

Zudem gehen wir meist als Gruppe «uchrute», was Gespräche ermöglicht. Und wenn man Lust hat, kann man auch in seinen Gedanken «hängen bleiben». Für Vielseitigkeit ist ebenfalls garantiert; Blacken stechen, Disteln aushacken und Farn mähen - für jedes Unkraut ist eine andere Taktik vonnöten.

Vorbereitungen für die Gesamtschule

Zudem gönne ich mir Zeit, um mich auf das neue Schuljahr vorzubereiten. An einer Gesamtschule werde ich nach den Sommerferien ein kleines Pensum antreten. Ich werde die gestalterischen Fächer unterrichten, worauf ich mir sehr freue.

Während des Unterrichts am Inforama habe ich festgestellt, dass mir vor allem «das Basteln», wie man so böse sagt, fehlt. Das kreative Handeln, wo es nicht um Buchstaben und Zahlen geht und es kaum ein Richtig oder ein Falsch gibt, sagt mir zu. Ich bin gespannt, wie es wird, wenn ich 17 Schülerinnen und Schüler, von der ersten bis zur neunten Klasse, im bildnerischen Gestalten unterrichte - alle gleichzeitig und im selben Zimmer.

Schnupperi – ausgebucht bis Juli 2023


Ein weiterer Schnupper-Lehrling weilt momentan auf unserem Betrieb. Er hat entschieden, dass er gerne ein Lehrjahr bei uns absolvieren möchte. Er kommt nun in die neunte Klasse. Auf unserem Betrieb würde er das dritte Lehrjahr (2022/23) machen.

Dies bedeutet, dass wir, falls sich nichts mehr ändert, für die nächsten vier Jahre ausgebucht sind. Dies ist ein langer Zeitraum. Für die Zeit danach wollen wir uns noch nicht festlegen. In den kommenden Jahren werden vier Jugendliche bei uns sein. Vier völlig unterschiedliche und spannende Charaktere, ich freue mich!

Akku leer

Der derzeitige «Schnupperi» ist ein aufgeweckter, interessierter junger Mann mit vielen Fragen. So hat er beispielsweise Töbu gefragt, ob er über Nacht das Natel in unserer «Grümpuchammere» laden darf. Im Schlafzimmer auf der Alp gibt es nämlich keine Steckdose.

Natürlich kann er dies tun. Jedoch wird das Natel erst beim Melken geladen, wenn der Notstrom-Generator in Betrieb ist. Für uns ist es wie normal, dass man eben nicht immer Strom zur Verfügung hat. Aber ich geniesse das auch. Gleichzeitig bringt es uns dann zum Lachen, wenn andere dies nicht realisieren.

Vor- und Nachteile des Älplerlebens

Ich glaube, man könnte stundenlang über die Vor- und Nachteile des Älplerlebens diskutieren. Die fehlende Waschmaschine oder der ständige Aufwand für Warmwasser sind nicht gerade das, auf was ich mich im Frühjahr am meisten freue.

Dafür hat die Zeit wie einen andere Bedeutung. In Fahrni wollen die Büezer für die neue Heizung um Punkt zwölf das Mittagessen. Auch fährt der Milchlastwagen auf die Minute genau auf den Hof und der Lohnunternehmer wird auf Zeit bestellt. Oben auf der Alp spielt dies wie keine Rolle. Das Nachtessen wird nach dem Stallen gegessen. Ob dies nun eine Viertelstunde früher oder später ist, ist total egal.

Unser Betrieb

Auf unserem Hof leben im Sommer zirka 25 Kühe (im Winter zirka 40 Kühe), 30 Rinder und 15 Kälber. Der Talbetrieb liegt im Bach, Gemeinde Fahrni BE. Hier produzieren wir auch das Futter für den Winter. Den Sommer, rund 100 Tage, verbringen wir auf der Alp Fiedersegg im Eriz. Die Tiere grasen nachts auf der Weide. Tagsüber sind sie im Stall, wo sie sich ausruhen können und vor Insekten und der Hitze geschützt sind.

Hier gehts zur Website

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE