22.05.2019 14:36
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Als Bauer auf Facebook beleidigt?
Die sozialen Medien bieten den Bauern viele Chancen. Doch es gibt auch Schattenseiten. Landwirte sind auf Facebook und Co. verbalen Attacken ausgesetzt. Wurden Sie auf sozialen Medien auch bereits beschimpft oder gar bedroht? Und wenn ja, wie reagieren Sie? Abstimmen und mitdiskutieren.

schweizerbauer.ch hat auch bereits darüber berichtet, dass soziale Medien eine Chance für Landwirtinnen und Landwirte ermöglichen. «Bauern ihre Sicht der Dinge selber darstellen – und zwar ungefiltert. In den Medien hingegen dominiert die Sicht von Journalisten, welche die Informationen oftmals von Verbandsvertretern beziehen», sagte Jutta Zeisset, die das Buch «Social Media für Landwirte – Facebook, Snapchat & Co.» mitverfasste, zum Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID).

«Mörder, Idiot, Krimineller»

Bauern können die Leute an ihrem Alltag teilhaben lassen, direkt aus dem Stall oder vom Feld berichten und sagen, was gerade so läuft. Dadurch schaffen Landwirte Transparenz, Akzeptanz und Vertrauen.

Doch es tun sich auch Abgründe in den sozialen Medien auf. «Gift-Spritzer, Mörder, Idiot, Krimineller, Tierquäler»- das sind nur einige der verbalen Attacken, die Bauern über sich ergehen lassen müssen, wenn sie auf Facebook aktiv sind. Die Vetmed-Universität Wien hat dazu Anfang Mai eine Studie veröffentlicht. Es wurden Bauern im deutschsprachigen Raum befragt. Landwirte gaben darin an, dass die Kritik, die sie auf Facebook erhalten, ziemlich radikal ausfallen kann.

Drohungen gegen Kinder

Die Kritik geht gemäss der Studie auch ins Persönliche. Landwirtinnen gaben beispielsweise an: «Mir wurde vorgeworfen, empathielos und eine schlechte Mutter zu sein, weil ich Kühe habe und ihnen die 'Babys' wegnehme.» Auch «Holocaust-Vergleiche» werden angestellt. Doch einige Hater (Hasser) gehen noch viel weiter, wie die Studienautor Christian Dürnberger herausfand. Es kommt gar zu Drohungen gegenüber den Kindern der Bauernfamilien. Das tönt dann so: «Deine Kinder sollen auch gebraten werden» oder «Deine Kinder sollen an Krebs verrecken».

«Die Studie zeigt, dass nutztierhaltende Landwirtinnen und Landwirte, die ihre Arbeit in sozialen Netzwerken präsentieren, aufgrund ihres Berufes häufig mit 'Hate Speech' konfrontiert sind», fasst Dürnberger zusammen. Gemäss dem Ethiker sind besonders Schweinehalter oft in der Kritik. Die Studie hat nicht untersucht, wer die «Hate speaker» sind.

Dickes Fell zulegen

Dürnberger hat auch gefragt, wie sich die Bauern auf die Hasskommentare reagieren. User werden gesperrt, oder Posts, die bestimmte Wörter enthalten, werden gelöscht. Wichtiger sei aber der psychologische Umgang. Einige lassen die Beschimpfungen nicht an sich heran und lege sich ein dickes Fell. Wiederum andere laden die Hater zu sich auf den Hof ein, wie Dürnberger zu biorama.eu sagt.

Der Wissenschaftler hat auch eruiert, weshalb sich die Bauern auf Facebook präsentieren. Ihnen geht es primär um Information und einen Dialog über Landwirtschaft und Nutztierhaltung. Auf diesem Weg soll die Deutungshoheit in agrarischen Diskursen zurückgewonnen und das Wissen über landwirtschaftliche Praxis allgemein gesteigert werden.

Begriff Dialog von Bauern anders gedeutet

Doch der Begriff Dialog wird von den Bauern anders gedeutet als vom Gegenüber. Es handele sich nicht unbedingt um einen Austausch auf Augenhöhe, sondern um ein Belehren von Laien durch Experten, so Dürnberger. «Es ist fraglich, inwieweit ein solches Dialogverständnis ausreichend ist, um in sozialen Netzwerken gerade mit kritischen Anfragen adäquat umzugehen», hält der Forscher fest.

Dürnberger kritisiert auch die Politik: «Die Studie zeigt, dass es nicht genügt, wenn etwa die Politik von Landwirten fordert, verstärkt den direkten Dialog mit Konsumenten zu führen. Dass sich die Akzeptanz der Nutztierhaltung erhöht, wenn der Bauern mehr kommunizieren, wird sich aus meiner Sicht nicht erfüllen.»

Dialog auf Augenhöhe

Wenn dieser direkte Kontakt gesellschaftlich erwünscht sei, dann müsse auch analysiert werden, wie dieser Dialog tatsächlich ablaufe. «Und es muss gefragt werden, inwieweit dieser Dialog konstruktiver gestaltet werden kann», so sein Fazit. Bei in den sozialen Netzwerken aktiven Bäuerinnen und Bauern ortet der Forscher noch Verbesserungspotenzial.

Für einen Dialog brauche es Offenheit, man muss also dem Anderen zuhören. «Auch wenn der durchschnittliche Konsument wenig Ahnung davon hat, wie Landwirtschaft zurzeit stattfindet, prägen seine Erwartungen das landwirtschaftliche Berufsbild der Zukunft», macht Dürnberger klar.

Sind Sie auf sozialen Medien wie Facebook aktiv? Und wenn ja, wurden Sie bereits beleidigt oder beschimpft? Und wie reagieren Sie darauf?

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