6.01.2020 20:32
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Bern
Ärger wegen Gülle im Quellwasser
Im Kanton Bern wurden private Trinkwasserquellen durch Güllerückstände verschmutzt. Mehrere Personen wurden krank. Für den Unterhalt dieser Quellen ist aber der Eigentümer verantwortlich.

In Wattenwil im Berner Gürbetal wurden plötzlich mehrere Personen, darunter auch ein Kleinkind, krank. Die Bewohner klagten über Übelkeit, Fieberschübe, Durchfall und geschwollene Lymphdrüsen. Auch die Haustiere erkrankten. Die Betroffen von zwei Liegenschaften schickten deshalb eine Wasserprobe ins Labor. 

Quellfassung im Hanggebiet

Gemäss der Analyse lagen die Werte für Kolibakterien und Enterokokken weit über den Grenzwerten. «Man hat uns innert kurzer Zeit zurückgerufen und gesagt: Trinken Sie um Himmels Willen dieses Wasser nicht mehr», sagt eine Anwohnerin gegenüber dem Radiomagazin «Espresso» auf SRF. Gemäss dem Labor weisen die Verschmutzungen auf Gülle oder Mist hin. 

Die Quellfassungen liegen im Hanggebiet auf Landwirtschaftsland am Rand des Dorfes. Ein Landwirt aus einem Nachbardorf bringt auf dem Feld Gülle aus und lässt zeitweise das Vieh weiden. Gemäss SRF suchten die Anwohner das Gespräch mit dem Bauern, doch dieser will sich beim Güllen nicht einschränken. «Der Bauer sagte uns, es tue ihm leid. Doch er müsse auch vom Land leben können und es deshalb bewirtschaften», sagt ein Anwohner zu SRF.

Eigentümer sind verantwortlich

Damit sie das Wasser trotzdem trinken können, hat die junge Familie einen Filter in der Küche einbauen lassen – auf eigene Kosten. Sie fühlen sich von der Gemeinde im Stich gelassen. Im Gegensatz zu öffentlichen Trinkwasserfassungen gibt es bei privaten Trinkwasserquellen aber keine Schutzzonen. 

Die Eigentümer sind also selber verantwortlich für den Unterhalt der Infrastruktur, und sie tragen das Risiko einer Verschmutzung. Quellenbesitzer müssen also Leitungen oder Deckel der Trinkwasserfassungen kontrollieren und allenfalls wechseln.

Kleinstwasserversorgungen von Einzelliegenschaften unterstehen in der Regel weder der Gewässerschutz noch der Lebensmittelgesetzgebung. Es besteht daher kein öffentlich-rechtlicher Quellschutz, auch wird das entsprechende Trinkwasser nicht von Amtes wegen überprüft. Der private Eigentümer muss eigenverantwortlich dafür sorgen, dass die erforderliche Trinkwasserqualität dauernd sichergestellt ist. Bei Beeinträchtigungen durch Dritte kommen die diesbezüglichen Bestimmungen des eidgenössischen Zivilgesetzbuches (Art. 704 ff.) zur Anwendung. Quelle: Amt für Umwelt Appenzell Ausserrhoden

Landwirt zeigt sich gesprächsbereit

Die Landwirte können aber nicht einfach «drauflos» güllen, sondern sie müssen sich an Regeln und Gesetze halten. Wer vorsätzlich Trinkwasser verschmutzt, dem drohen Bussen, Kürzungen der Direktzahlungen und im Extremfalls Gefängnis. Die Gemeinde und der Kanton Bern empfehlen auf Anfrage von «Espresso» den Betroffenen, das Gespräch mit dem Landwirt zu suchen. So sollen Regeln vereinbart werden, wo der Landwirt Güllen darf und wo nicht. Sollte er nicht einlenken, könne der Landwirt angezeigt werden.

Der Landwirt, der das Quellwasser mutmasslich verschmutzt hat, zeigt sich jedenfalls gesprächsbereit. Man können mit ihm über eine Lösung diskutieren, sagte er zu «SRF».

Güllen zu Unzeiten 

Pflanzen werden durch das Austragen von Gülle und Mist zur richtigen Zeit und am richtigen Standort mit der nötigen Düngermenge versorgt. Bei ungünstigen Boden- und Witterungsverhältnissen darf hingegen nicht gedüngt werden. Sonst kann der Dünger ins Gewässer abgeschwemmt oder ins Grundwasser ausgewaschen werden. 

Grosse Regenmengen oder Schneeschmelze im Winter und Frühling sowie Gewitterregen im Sommer führen zur Abschwemmung von ausgebrachten Düngern in Gewässer.

Auch im Winter gibt es klar definierte Regeln. Als Vegetationsruhe gilt im Allgemeinen derjenige Jahresabschnitt, in welchem die Tagesmitteltemperatur unter 5° Celsius liegt. Während der Vegetationsruhe nehmen die Pflanzen keine Nährstoffe auf. Daher darf während dieser Zeit nicht gedüngt werden. Beim Austragen von Gülle und Mist über schneebedecktem, gefrorenem oder wassergesättigtem Boden werden die Gewässer gefährdet; ein Düngen ist verboten. Quelle: Amt für Umwelt Kanton St. Gallen

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