5.08.2020 12:53
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Obwalden
Absturz von Kühen bleibt ungeklärt
Mitte Juni sind auf der Alp Bettebnet oberhalb Kerns OW acht Rinder in den Tod gestürzt. Nach Angaben des Kantons Obwalden gibt es weiterhin keine Anzeichen dafür, dass ein Wolf die Tiere in den Tod getrieben haben könnte. Die Ursache der Panik wurde durch die letzten Genprobe nicht geklärt. Der Bauernverband kritisiert den Kanton.

Mitte Juni fanden acht Rinder bei einem Sturz in die Tiefe den Tod. Der Vorfall ereignete sich tagsüber, die Älpler haben in der Folge die Wildhut informiert. 

Kadaver wurden ausgeflogen

Die Tiere sind am Ende eines Fahrwegs steiles Gelände hinuntergestürzt. Gefunden wurde die toten Tiere in einem Bach sowie in einem steilen Waldgelände. Ihre Kadaver mussten ausgeflogen werden. 

Bei den Tieren wurden DNA-Proben (Kot-, Speichel- und Haarproben) entnommen. Diese wurden ausgewertet. Mitte Juli teilte der Kanton mit: «Die Ursache, die am 17. Juni 2020 im Gebiet Schild, Melchtal, bei einer Rinderherde Panik auslöste und in der Folge zum Absturz von Rindern führte, konnte bisher nicht geklärt werden.»

Kanton schliesst Wolf aus

Nun wurde die letzte Haarprobe ausgewertet. Das Resultat wurde am Mittwoch kommuniziert. «Die genetische Analyse der letzten vorhandenen Haarprobe durch das Laboratoire de Biologie de la Conservation der Universität Lausanne hat 'Paarhufer' ergeben. Somit ist klar, das Haar stammt nicht von einem Wolf», hält der Kanton Obwalden fest. Zu den Paarhufern gehören etwa Rinder oder Hirsche.

Nicht alle Proben konnten indes labortechnisch ausgewertet werden, so eine Speichelprobe aus einer Wunde eines abgestürzten Tiers. In den vergangenen drei Wochen seien im Melchtal aber keine Anzeichen festgestellt worden, die auf eine Wolfspräsenz hindeuteten, hiess es in der Mitteilung. Somit bleibe die Ursache für die Panik der Rinder nach wie vor ungeklärt, so der Kanton.

Kühe rennen nicht grundlos davon

Der Absturz bleibt ein Rätsel. Kurz nach dem Absturz zeigten sich die Bauern aufgewühlt. «Die Kühe haben mehrere Kilometer zurückgelegt und sind in Panik herumgerannt», sagte Roland Bucher zu «Luzerner Zeitung». Sie hätten versucht, die Herde zu stoppen. Zusammen mit dem Besitzer der Tiere war er bei der Absturzstelle. Es sei ein schlimmer Anblick gewesen.

«Wir konnten nichts mehr machen, die Kühe sind einfach grundlos weiter gerannt», erzählte der Landwirt weiter. Die Tiere waren zwischen zwei und elf Jahre alt. Drei der Kühe waren trächtig und sollten im Juli abkalben. Der Landwirt aus St. Niklausen bei Kerns OW sagte zu Tele 1: «Wegen einem Reh würden die Tiere nie so reagieren. Das muss was 'Gröberes' gewesen sein.» Zudem hat er am Vorabend aus dem Tenn ein unbekanntes Tiere wegrennen gehört. Eine Kuh trug Kratzer davon. «Die Kuh ist verstört. Sie ist nicht mehr diesselbe Kuh, wie sie gewesen», sagte Bucher zum TV-Sender.

Bauernverband kritisiert Kanton

Harsch kritisiert wird der Kanton auch Obwaldner Bauernverband. «Die Wolfspräsenz in unserem Kanton wird von der Jagdverwaltung zwar bestätigt, aber gleichzeitig verharmlost. Es ist bekannt, dass ein Wolf innert kurzer Zeit weite Strecken zurücklegen kann. Nur weil keine Beobachtungen im Melchtal mit den vielen möglichen Rückzugsorten gemacht werden konnten, kann das Tier trotzdem in unserer nächsten Umgebung anwesend sein», schreibt der Vorstand des Bauernverbandes Obwalden in einem Leserbrief.

Es sei in jüngster Zeit es zu genügend Sichtungen und bestätigten Rissen eines Wolfes im Sarneraatal und den angrenzenden Gebieten gekommen. «Das sind nicht «keine Hinweise», sondern vielmehr gewichtige Indizien für den Vorfall im Melchtal», stellt der Bauernverband klar. Die Anwesenheit des Wolfs sei für die Land- und Alpwirtschaft ein immer grösserers Problem. «Langfristig schlimm sind die Befindlichkeiten der überlebenden Herdentiere: Aufgrund des durchgemachten Überlebenskampfes sind diese Tiere in ihrem Wesen stark verändert, wirken sehr misstrauisch und unruhig. Das zeigt sich etwa mit Angriffen auf Menschen bei Wanderungen durch Alpweiden», warnt der Bauernverband.

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