20.12.2016 07:34
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Russland
49 Tote wegen illegalem Spiritus
In der sibirischen Stadt Irkutsk sind 49 Menschen gestorben, weil sie auf der Suche nach billigem Alkohol parfümierten Badezusatz getrunken haben. Nach Behördeangaben vom Montag liessen sich am Wochenende insgesamt 54 Menschen ärztlich behandeln, nachdem sie die mit giftigem Methylalkohol versetzte Flüssigkeit getrunken hatten.

Laut Ermittlern weist ein Etikett das Mittel «Bojaryschnik» («Weissdorn») als Kosmetikprodukt aus und warnt vor dem Trinken der Flüssigkeit. Unklar war, ob die Opfer wussten, dass das Mittel nicht die normalerweise in alkoholischen Getränken enthaltene Substanz Ethanol, sondern das giftige Methanol enthielt. Nach offiziellen Angaben vom Montag stammten sie alle aus demselben Teil der sibirischen Stadt, die rund 5000 Kilometer östlich von Moskau in der Nähe des Baikalsees liegt.

Notstand ausgerufen

Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow bezeichnete den Vorfall als «schreckliche Tragödie». Der Irkutsker Bürgermeister Dmitri Berdnikow rief den Notstand aus und verhängte ein vorläufiges Verkaufsverbot für das kosmetische Produkt. Ermittler gehen dem Verdacht der fahrlässigen Tötung nach.

Am Montag wurden verschiedene Märkte durchsucht, auf denen der alkoholhaltige Badezusatz vermutlich erworben wurde. Dabei seien bisher rund 2000 Liter Spiritus beschlagnahmt worden, die illegal im Umlauf waren. Laut den Nachrichtenagenturen Tass und Interfax wurden mehrere Verdächtige festgenommen sowie eine Werkstatt entdeckt, in der die Substanz ohne Genehmigung hergestellt worden sein soll.

In Russland kommt es immer wieder zu tödlichen Unglücken nach dem Konsum von illegalem Alkohol. Experten schätzen, dass mindestens 10 Millionen von den 143 Millionen Menschen im Land regelmässig so genannte «Ersatzalkohole» zu sich nehmen, weil sie sich alkoholische Getränke nicht leisten können. Dazu zählen selbstgebrannter Wodka (im Russischen Samogon), Parfüme oder medizinischer Spiritus.

Schwarzmarkthandel ausgeweitet

Seit einer Preiserhöhung bei alkoholischen Getränken im vergangenen Jahr, mit der die Behörden den Alkoholismus eindämmen wollen, hat sich der Schwarzmarkthandel ausgeweitet. Viele der dort angebotenen Getränke sind gepanscht. Gerade in einer Grossstadt wie Irkutsk sind so viele Todesopfer auf einmal dennoch eine Seltenheit.

Entsprechend entsetzt reagierten am Montag viele russische Medien: «Das ist ein Alptraum, anders kann man es nicht ausdrücken», schrieb etwa die Tageszeitung «Komsomolskaja Prawda». Andere sprachen von einer «Katastrophe». Staatsanwalt Stanislaw Subowski schloss nicht aus, bei der Durchsuchung von Wohnungen potenzieller Konsumenten auf weitere Opfer zu stossen.

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