21.12.2019 18:00
Quelle: schweizerbauer.ch - Willi Wenger
Basel
3925 Mäuse-Schwänze sind ein Rekord
Der 87-jährige Max Tschopp-Stohler hat als Mäusefänger einen Baselbieter «Kantonalrekord» aufgestellt. In der heurigen Saison fing er 3925 Feldmäuse, was gemäss seinen Aussagen eine Bestleistung darstellt.

Max Tschopp-Stohler, einst Schlosser, Spezialschweisser und später gegen vier Jahrzehnte Kantonspolizist, bezeichnet das Mausen als seine heutige Leidenschaft. «Ich betreibe dieses Steckenpferd seit zwölf Jahren intensiv, seit meine Frau Doris gestorben ist.» Er habe in diesen Jahren viel lernen müssen, sagt Tschopp. «Das Mausen ist eine Wissenschaft.»  Man lerne immer wieder dazu, sei es in Bezug auf das Material oder das Verhalten der Mäuse. Diese seien schlau, sagt der Ur-Ziefner, der stolzer Grossvater dreier Enkelkinder ist.

Arbeitet in Schichten

Der Tagesablauf des 87-Jährigen  aus dem basellandschaftlichen Fünflibertal ist geregelt, um nicht zu sagen generalstabsmässig organisiert. Im Sommer sei er bereits um 6.30 Uhr unterwegs. Diese «Schicht» dauere bis gegen 9.30 Uhr. «Die zweite startet dann am späten Nachmittag.» Und der Erfolg hänge dabei unter anderem stark von der Witterung ab. «Vor einem Gewitter ist immer gut», sagt Tschopp, der ergänzt, dass die Temperatur und der Stand der Sonne ebenfalls von Bedeutung seien. «Ich habe jahrelang geprobt und jetzt kann ich sagen, dass ich alles im Griff habe», so der Oberbaselbieter. Das Pröbeln habe sich letztlich ausbezahlt.

Mit 3925 Mäusen – Tschopp führt genauestens Buch – hat der Ziefner gemäss seiner Aussage einen Baselbieter Kantonalrekord aufgestellt. «Ich glaube jedenfalls, dass das so ist», lacht der Mäusefang-Profi, der in Ziefen dieses Steckenpferd als einziger noch betreibt. «Früher waren wir mindestens vier Mauser im Dorf», blickt er auf diese «Blütezeit» zurück. Er sagt in diesem Sinne, dass er überzeugt sei, dass nach ihm niemand mehr als Mäusefanger tätig sein wird. «Leider», gibt er zu bedenken. Diese Tradition werde aussterben.

Je nach Tag fängt Tschopp mit seinen 22 Fallen zwischen 40 und 50 Mäuse. «Wenn ich Pech habe, aber nur deren 10 bis 12». In einer guten Woche komme er so auf etwa 200 bis 250 Mäuse, deren Schwänze er auf der Gemeinde abgebe. «Für einen Franken pro Schwanz.» Die Gemeinde schätze sein Engagement, ebenso wie erwähnt die Bauern, deren junge Bäume und Bepflanzungen respektive deren Wurzeln dadurch weniger stark gefährdet seien.

Auch Füchse profitieren 

Die gefangenen Mäuse sind letztlich auch ein Leckerbissen für viele Tiere. Nach gegen fünf Stunden Arbeit pro Tag bringt Tschopp in der Regel zirka 40 Mäuse zu Fuchsbauten oder er legt sie Vögeln, sehr oft Milane oder Mäusebussarde, zum Fressen vor.  «Ich habe ein Milan-Paar, zu dem sich über die Jahre fast so etwas wie eine Freundschaft entwickelt hat.» Das freut den Pensionisten, der einst in seiner Freizeit als leidenschaftlicher Turner und später als ambitionierter Schütze tätig war.

Heute unternehme er gelegentlich Reisen. «Wenn ich Zeit habe», schmunzelt der Mann, der als Polizist und Mitglied der kantonalen Polizei-Hundestaffel unter anderem in Birsfelden, Hölstein und Liestal über lange Jahre dem Kanton Basel-Landschaft gedient hat. Dabei habe er mehrere Kommandanten erlebt. «Gute», wie er sagt. Diese Zeit sei «super schön» und bereichernd gewesen. «Nicht zuletzt wegen der Kontakte zur Bevölkerung.» Max Tschopp hat zurzeit Winterpause. Ab etwa Ende März steigt er wieder «in den Ring», wieder täglich. Darauf freut er sich mächtig.

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