26.07.2014 18:46
Quelle: schweizerbauer.ch - Rudolf Haudenschild
Russland
10 Jahre Schweizer Milch in Russland - Mit Eigenmitteln und Krediten in die Zukunft
Am 26. April 2004 wanderten Hanspeter Michel, Sepp Lussi und Jakob Bänninger nach Kaluga aus. Der Betrieb Schweizer Milch ist heute viermal grösser. Verstärkung brachten Marcel Bucher und Florian Reichlin.

«Herzlich willkommen auf dem Betrieb Schweizer Milch», begrüsste Hanspeter Michel Ende Juni über 30 Leserinnen und Leser des «Schweizer Bauer» vor laufenden Kameras der Staatssender Schweizer Fernsehen SRF1 und Russland 1 voller Stolz auf die 10-jährige Geschichte «Schweizer Milch» in Russland. «Heute melken wir statt 84 schon  320 Kühe und verkaufen über 2 Millionen Liter  Milch. Diese wird auf dem Hof pasteurisiert und abgepackt und in Kaluga und jetzt  auch in Moskau an eine Fine-Food-Kette verkauft», schildert Michel die aktuelle Situation.

Der Produzentenpreis ist  höher als in der Schweiz. Verpackt kostet  Milch über Fr. 1.20, offene Milch gilt 1 Franken. Die Löhne lägen bei rund  600 Franken pro Monat. Die Winterfütterungszeit betrage  aber 220 Tage und  die Zinsen seien bei 22%. Präsident Wladimir Putin habe  für die Landwirtschaft günstige Agrarkredite für  8% eingeführt.

Eigenes Geld investiert

Nach dem Stallneubau 2005 mit 320 Liegeboxen, dem Kauf der Hofparzelle, der Installation eines neuen Pasteurisators und einer Verpackungsmaschine sowie der küzlichen Inbetriebnahme des neuen Melkhauses mit einem 2×2-Fischgrätenmelkstand von DeLaval  (4Melkerinnen pro Schicht), schreibe der Betrieb bei gleich viel Angestellten wie vor zehn Jahren (42) mit der Vervierfachung der Produktion im 2. Jahr tiefschwarze Zahlen, erklärte  Michel.

In zehn Jahren seien auf dem Betrieb «Schweizer Milch» bereits selber erarbeitete Mittel von 2,5 Millionen Franken investiert worden. Nun stehe ein weiterer grosser Brocken an. Geplant werde ein zweiter  Stall für  weitere 200 Kühe. Deshalb werde fast nur noch gesextes Sperma von besten amerikanischen Stieren eingesetzt, welches vom Staat zu 100% subventioniert wird. Der Verkauf von 80 trächtigen Rindern zum Preis von fast 3000 Franken soll einen schönen Batzen an den Ausbau beisteuern.

Personelle Änderungen

Josef Lussi, welcher seit  Anfang den Kuhstall leitete und  2005 den Stallneubau massgeblich begleitete, ist inzwischen ausgestiegen und wieder in der Schweiz. Dafür ist Marcel Bucher 2005 als Käser nach Russland gekommen und leitet nach Aufgabe des Käseprojektes nun die Viehwirtschaft. Für den grösser gewordenen  Maschinenpark  für  inzwischen 750 Hektaren ist  Florian Reichlin verantwortlich. Beide sind heute auch Mitinhaber des Betriebes «Schweizer Milch». Jakob Bänninger, welcher sich auch beim Bau des Gästehauses hervortat, ist heute als Teilhaber nicht mehr direkt für den Betrieb «Schweizer Milch» tätig und lebt von Beratermandaten für privatisierte Kolchosen.

Agrofirma Tichy Don

Im Schwarzerdegebiet liegt am Fluss Don beim Dorf Skornakowo die ehemalige Kolchose Tichy Don (Stiller Don). Die Reisegruppe wurde von den Frauen der Angestellten freundlich und reichlich bewirtet. Investor Georg Zelerin, ein erfolgreicher Landtechnikimporteur (Case, Merlo, Kverneland, Grimme, Holmer) hat die über 5000 Hektar bestes Ackerland und rund 250 Simmentaler Kühen aufgekauft und Jakob Bänninger als Berater für Anbau und Kulturführung angestellt. Die Weizenfelder präsentieren sich eindrücklich. Ein Versuch von Pioneer mit Körnermais und Sonnenblumen zeigt  auf, was im Schwarzerdegebiet möglich ist, wenn westliche Anbautechnik, Sorten, Düngung und Pflege aufeinandertreffen.

EkoNiva setzt Massstäbe

Was  mit viel Kapital und Westtechnik auf dem Acker und im Stall möglich ist, präsentierte Ramon Schenk. Der 27-jährige Herrliberger ist Chef von über 20000 Milchkühen an 6 Standorten in Russland  von EkoNiva, einer Agrarunternehmung   des Deutschen Stefan Dürr auf inzwischen 196000 Hektaren. In Planung ist ein Neubau in Kaluga für 2000 Kühe mit 36 Melkrobotern. Die Regierung zahlt pro importiertes Rind  1500 Euro. Mit Importkühen werden   30 Liter pro Tag und Kuh gemolken.

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