5.01.2015 16:53
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Österreich
007 beschert Bauern Einnahmen
Drei Orte in Österreich haben das grosse Los gezogen. James Bond alias Daniel Craig kommt zu Dreharbeiten nach Sölden, Altaussee und in die Mini-Gemeinde Obertilliach. Vor dem Auftauchen des Top-Agenten gilt Diskretion.

Wer für den Geheimdienst Ihrer Majestät arbeitet, kann schweigen wie ein Grab. Egal, ob Spion mit der Lizenz zum Töten oder Wachmann mit der Lizenz zum Kettenrauchen. «Ich habe berufsbedingt Alzheimer.» Der so von Vergesslichkeit Geplagte trägt eine weithin gelb leuchtende Jacke mit der Aufschrift «Security» und beschützt mit zwei Kollegen einen alten Tiroler Stadl.

«Wo ist das James-Bond-Haus?»

Die Frage lautete schlicht: «Wo ist das James-Bond-Haus?» Die Filmcrew hat vor den Dreharbeiten zum nächsten 007-Abenteuer mit dem Titel «Spectre» in Obertilliach in Osttirol zwar viele Spuren gelegt. Grosse Zelte dienen als Lagerhallen, Container als Büros, zwei Hubschrauberlandeplätze sind angelegt. Aber das monatelange Schweigegelübde zeigt in dem 700-Seelen-Dorf immer noch Wirkung. Weitere Drehorte in Österreich sind Sölden und Altaussee.

«Die geheimdienstliche Diskretion schwebt über allem», schmunzelt der 67-jährige Josef Lugger aus Obertilliach. Der Bauer, Wirt, Seilbahner und Musikant gehörte zu den fünf Leuten, die im März vom Interesse der 007-Produzenten aus England erfuhren. Obertilliach als Kulisse für wesentliche Szenen in einem globalen Blockbuster?

Einmalige Chance

«So eine Chance lässt man sich nicht entgehen», sagt Bürgermeister Matthias Scherer. Der Politiker und das Mini-Komitee sondierten die Stimmung im Dorf. Denn der PR-Coup bedeutet in der etwa dreiwöchigen heissen Drehphase ab Mitte Januar auch Einschränkungen für Bewohner und Urlauber. Einige Tage ist unter anderem die Ski-Piste wegen des Top-Agenten gesperrt.

Doch die Vorteile scheinen alle überzeugt zu haben. «In der Region bleiben ungefähr vier Millionen Euro», sagt Scherer über das unerwartete Konjunkturprogramm. Handwerker und Bauern freuen sich über Zusatzaufträge und über zum Dreh verpachtete Grundstücke, die Hoteliers über eine hier 350 Mann starke Crew, die essen und schlafen will. Insgesamt seien in Österreich vom grossen Filmteam - insgesamt 500 Leute - 30'000 Übernachtungen gebucht, sagt der Chef der Filmförder-Agentur Location Austria, Arie Bohrer.

Waltz dreht nicht in seiner Heimat

Die Zimmerleute aus Obertilliach und Region haben ganze Arbeit geleistet. Schon im August haben sie auf einer Wiese am Rande des Dorfes mit dem Bau eines auf alt getrimmten Tiroler Stadls und mehrerer kleiner Heuhütten begonnen. Der Stadl, dessen Holz von einem alten Bauernhof in der Steiermark stammt, gilt als «James-Bond-Haus».

«Hier wird es eine Verfolgungsjagd geben», erzählt Nachbar Emil Figl. Von der nahen Skipiste aus werde Bond wohl vor seinen Verfolgern in die Hütte fliehen, meint der 76-Jährige. In den engen Gassen des Dorfes werde das Katz-und-Maus-Spiel weitergehen.

«James Bond»-Produzenten hatten auch die Schweiz im Visier

Am Montag sollten in Österreich die Dreharbeiten zum neuen James-Bond-Film «Spectre» starten. Im Rennen um die Winterszenen waren auch die Schweiz und Italien, wie der Chef der Location Austria, Arie Bohrer, in einem Interview erzählte.

Allerdings konnten auf Anfrage weder das Bundesamt für Kultur noch Schweiz Tourismus oder Swiss Films eine entsprechende Anfrage bestätigen.
Die drei Drehorte in Österreich hätten das beste Gesamtpaket geboten, erzählte Bohrer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Dazu zählten aus seiner Sicht spektakuläre Orte wie das neue Restaurant im Gletschergebiet von Sölden, die Infrastruktur für die zwei Film-Crews von zusammen 500 Mitarbeitern sowie Geld aus dem Fördertopf.

Angesichts eines Jahresbudgets der österreichischen Filmförderung von 1,5 Millionen Euro sei der gezahlte Betrag für eine Produktion, die auf Gesamtkosten von 300 Millionen Euro geschätzt wird, zwar auf den ersten Blick kaum nennenswert. «Aber der entscheidende Punkt ist, dass man überhaupt etwas anbieten kann.»

Die Schweiz kam in Sachen «Agent 007» schon 1969 zu Ehren: Damals wurde ein grosser Teil der Szenen aus «Im Geheimdienst Ihrer Majestät» auf dem Schilthorn im Berner Oberland gedreht. Agent James Bond war der Australier George Lazenby, der nur in diesem einen James-Bond-Streifen mitwirkte. sda

Doch alles rund um die Handlung soll top secret sein. An - angeblich schon wieder veraltete - Details sind zum Leidwesen der Produzenten einige Hacker herangekommen. Superstar Craig wird wohl für vier, fünf Tage zum Dreh in Osttirol sein. Schlafen wird der 46-Jährige woanders, heisst es. Der Österreicher Christoph Waltz, Bösewicht im neuen Bond, wird bei den Dreharbeiten in seiner Heimat gar nicht auftauchen, verriet er der «KronenZeitung».

Auch Sölden freut sich

Dass sich die Location-Scouts aus England für Obertilliach entschieden haben, ist für die Offiziellen gar nicht so überraschend. Der Ort sei schon öfter Kulisse für TV und Film gewesen, meint Scherer. «Wir sind ein sehr seltenes Landschafts-Möbel», erklärt Lugger. Der Ort sei als altes Wehrdorf noch ganz kompakt, habe viele alte Holzhäuser, kaum eine Bausünde geschweige denn einen Hotelturm.

Auch in der Tourismus-Hochburg Sölden im Ötztal reibt man sich die Hände. «Das ist wie ein Lotto-Sechser», ist sich der Chef der Bergbahnen Sölden, Jakob Falkner, sicher. Auf dem Gletscher, der Gletscherstrasse und im neuen Ice-Q-Restaurant am Gaislachkogl mit spektakulärer Sicht werde im Januar und Februar tageweise gedreht, erzählt Falkner im Sender «Sölden-TV».

Er wehrt sich gegen die Sorge, der Spass im Skigebiet könnte für den Urlauber durch die Filmarbeiten getrübt werden. Im Ort selber mit seinen 15'000 Hotelbetten fallen vor allem die englischen Autos und die Lastwagen auf.

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