17.10.2018 09:53
Quelle: schweizerbauer.ch - Reto Blunier
Agropreis
Landwirtschaft auf neue Stufe heben
Mit der Transformation des Betriebes zu Permakultur will die Genossenschaft «La Clef des Champs» im Kanton Jura noch nachhaltiger produzieren. Ziel ist es zudem, die Flächenproduktivität zu erhöhen.

Der nördliche Teil des Kantons Jura gehört zu den dünnbesiedeldsten und ländlichsten Regionen der Schweiz. Dank der Autobahn ist die Ajoie näher an die übrige Schweiz herangerückt. Für Ruhesuchende gilt die Gegend als prädestiniert.

Vertragslandwirtschaft 

Das Gebiet eignet sich dank den fruchtbaren Böden auch hervorragend für die Landwirtschaft. Doch  Mitte August sind die Felder und Wiese durch die wochenlange Trockenheit sichtlich gezeichnet. Die Kooperative «La Clef des Champs» in Courgenay hat sich mit ihrem Projekt «Permakultur» auch zum Ziel gesetzt, der zunehmenden Niederschlagsarmut zu entgegnen.

Ihren Ursprung hat die Genossenschaft in den frühen 1980er-Jahren. Damals kam Hansjörg Ernst aus Basel in das jurassische Dorf. Zusammen mit Freundinnen und Freunden gründete er 1982 die Genossenschaft. «Von Beginn an haben wir nach biologischen Kriterien produziert», erklärt der 67-Jährige. Gestartet wurde die dezentrale Vertragslandwirtschaft im Jahr 1983. Nachhaltigkeit, Fairness, Regionalität und Saisonalität sind und waren für die Gründer der Genossenschaft die wichtigsten Kriterien. 

220 Mitglieder

Bereits wenige Monaten nach dem Start umfasste die Genossenschaft 17 Mitglieder. Dies sei nicht selbstverständlich, fährt Ernst fort. Denn die Ajoie sei sehr ländlich. Ähnliche Projekte, die zur selben Zeit in Genf und Basel starteten, hatten aufgrund der Nähe zur städtischen Bevölkerung einen Standortvorteil. «Dank unseren enthusiastischen Mitgliedern haben wir uns auch sehr gut entwickelt», erklärt Ernst den Erfolg. 

Heute umfasst die Kooperative rund 220 Mitglieder. Diese zahlen einen Jahresbeitrag von 920 Franken und arbeiten sechs Halbtage im Garten oder im Büro mit. Dafür erhalten die Genossenschafter einen Anteil an der Ernte in Form von 35 Gemüsekörben pro Jahr. Ausgeliefert werden diese in neun Depots im ganzen Kanton Jura. «Unsere Mitglieder sind vor allem in der Mittelschicht anzusiedeln», sagt Hansjörg Ernst.

40 verschiedene Kulturen

Ein Meilenstein in der Entwicklung der Kooperative war der Erwerb des Grundstücks im Jahr 2016. Mit Geld von den Mitgliedern konnte die Genossenschaft die 3,5 ha Landwirtschaftsland, auch dank der Mithilfe des Kantons, erwerben. Die finanziellen Mittel reichten ausserdem dazu aus, um ein neues Treibhaus und eine bessere Infrastruktur zu erstellen.

Derzeit werden rund 40 verschiedene Gemüse und Kräuter sowie Kartoffeln, Himbeeren und Blumen produziert. Die Erntemenge beträgt rund 40 bis 50 Tonnen. Besonders: Alle Setzlinge werden selbst herangezogen. Bewirtschaftet und geführt wird der Betrieb vom Agronomen Denis Anselmo und vom Gemüsegärtner Yann Meury. Unterstützung erhalten sie auch von Praktikanten. 

Bodenfruchtbarkeit steigern

In den kommenden Jahren will die Kooperative den Betrieb weiterentwickeln. Die Genossenschafter und die Produzenten haben beschlossen, bis 2026 den Betrieb auf Permakultur umzustellen. «Wir wollen unseren Betrieb noch nachhaltiger führen», erklärt Ernst. Die Kombination Vertragslandwirtschaft, langjährige biologische Produktion und Permakultur sei neu für die Schweiz, sagt Ernst. 

Die in der Deutschschweiz noch eher unbekannte Landnutzungsform hat zum Ziel, die Lebensgrundlagen der Menschen dauerhaft zu sichern. Systeme werden so geplant, umgesetzt, erhalten und weiterentwickelt, um möglichst viele menschliche Grundbedürfnisse wie Nahrung, Energie und Lebensraum zu erfüllen. Eine verbesserte Bodenfruchtbarkeit sowie eine Steigerung der Artenvielfalt sind weitere Ziele. 

Lebensraumgestaltung

Entwickelt wurde das Konzept durch Bill Mollison und David Holmgren in den 1970er-Jahren. Sie suchten mit wissenschaftlichen Mitteln nach Ansätzen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Aus ihren Beobachtungen entstand ein Konzept, die Landwirtschaft nach dem Vorbild natürlicher Ökosysteme zu gestalten. 

Es handelt sich aber nicht nur um eine Anbaumethode, sondern auch um eine ökologische Lebensraumgestaltung. Die Prinzipien finden Anwendung in der Landschaftsgestaltung, der Architektur bis hin zum Aufbau von dauerhaften menschlichen Gemeinschaften. Die Permakultur basiert auf den ethischen Prinzipien «Kümmere dich um die Erde», «Sorge für den Menschen» und «Beschränke den Konsum».

Selbsterhaltendes System

«Die Erhöhung der Flächenproduktivität ist unser erklärtes Ziel», hält Ernst fest. Erreicht werden soll dies mit einer kleinräumigen Landnutzung, unterschiedlich intensiv bewirtschafteten Zonen sowie geschlossenen Kreisläufen. Dazu werden dauerhafte Lösungen mit Gartenbeeten bevorzugt. Multifunktionalität von Elementen und Mischkulturen, die sich gegenseitig begünstigen und sich so vor Schädlingen schützen, sind zentral. 

«Mit der Erweiterung von  Bioproduktion zu Permakultur wollen wir ein selbsterhaltendes System schaffen», nennt Ernst einen weiteren Grund für die Transformation des Betriebes. Dazu wurden dazu bereits Hecken und Obstbäume gepflanzt.  Der Einsatz von fossilen Energieträgern wie Treibstoffen soll minimiert werden.

Neues Wassermanagenment

Der 67-Jährige zeigt auch die ausgetrockneten Felder rund um Courgenay. «Mit dem Anlegen von Teichen und dem Sammeln von Wasser implementieren wir ein neues Wassermanagement, das uns in solchen Situationen helfen soll», erklärt Ernst. Auch die Verminderung von Erosion und Verdunstung durch konsequente Bodenbedeckung mit Mulch sind erklärte Ziele. 

Die Genossenschaft bietet auch eine national und international anerkannte Ausbildung in Permakultur-Design an «Der Kurs kann als Modell bezeichnet werden und sichert der Kooperative Einkommen», fährt er fort. Das Wissen bringt Yann Meury ein, der in Frankreich mit Permakultur gearbeitet hat. Die Betriebsleiter stehen in Kontakt mit anderen Betrieben. Sollten sie den Agropreis gewinnen, entscheiden die Mitglieder über die Verwendung des Preisgeldes. «So handhaben wir das in unserer Genossenschaft immer», sagt Ernst lächelnd.

Hier gehts zur Website von La Clef des Champs

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE