12.10.2017 09:23
Quelle: schweizerbauer.ch - Martin Raaflaub
Agropreis
Kindertagesstätte als neues Standbein etabliert
Sandra Schmid Koch hat ein professionelles Kinderbetreuungs-KMU aufgebaut, das sich dank der Einbettung in den Bauernhof von anderen Angeboten abhebt. Mit Erfolg: Die Bauernhofkita ist ausgebucht.

Eine fröhliche Kinderschar füttert Zwergziegen, mistet den Pferden, holt die Eier im Hühnerstall, kocht und backt mit den Produkten vom Hof, klettert auf dem Spielplatz in das echte Feuerwehrauto: Nicht nur den Kindern gefallen die Umgebung und die gebotene Abwechslung auf der Bauernhof-Kita in Uezwil AG.

Kinder statt Fläche

Auch die Eltern schätzen es, wenn die Krippe ihren Kindern einen direkten Bezug zur Natur, Tieren, zur Herkunft unseres Essens mitgeben kann. Sie schätzen auch das familiäre Umfeld des Bauernbetriebs. Dies zeigt der Erfolg der Krippe Hüehnernäscht: Obwohl die Eltern die gesamten Kosten tragen müssen, ist sie voll besetzt. Es gibt sogar eine Warteliste.

Der Betrieb «Bergschniders», ein gemischter Betrieb von gut 14 Hektaren mit Ackerbau, Milchwirtschaft und Pouletmast, bot der jungen Familie keine genügende Lebensgrundlage. Das war Sandra Schmid Koch und ihrem Mann Peter Koch schon bei der Betriebsübernahme im Jahr 2000 klar. Die Schmid Kochs beschlossen, nicht das Wachstum in der Landwirtschaft zu forcieren, sondern auf die Kompetenzen von Sandra Schmid Koch zu setzen. Sie ist, nebst ihrem Abschluss als Bäuerin, ausgebildete Kindergärtnerin.

12 Plätze für Kinder ab 14 Wochen bis zur Schulreife


2005 starteten Sandra Schmid Koch und ihre Schwiegermutter mit drei betreuten Kindern während drei Tagen in der Woche im Dachstock des Bauernhauses. Seither ist die Kita Hüehnernäscht stetig gewachsen. Der Landwirtschaftsbetrieb hat, wo es sinnvoll war, Platz gemacht. Die Umstellung von Milchkühen auf Rinderaufzucht und Mastkälber spielte Arbeitszeit und terminliche Flexibilität frei.

Der Abbruch des alten, nicht mehr benutzten Schweinestalls erlaubte die Errichtung eines Gebäudes mit eigenen Räumlichkeiten für die Kita. Heute bietet die Kita an fünf Tagen in der Woche 12 Plätze für Kinder ab 14 Wochen bis zur Schulreife an. Nebst Sandra Schmid Koch arbeiten zwei Kinderbetreuerinnen sowie eine Haushaltsangestellte mit. Seit 2008 bildet der Betrieb zudem eine Lernende aus.

Grösster Arbeitgeber

«Jetzt ist die definitive Grösse der Kita erreicht. Nun stimmt alles», stellt Sandra Schmid Koch befriedigt fest. «Zwölf Kinder sind eine überschaubare Gruppengrösse und erlauben eine angenehme Atmosphäre. Dazu kommt: Kantonale Vorschriften schreiben sechs Quadratmeter Spielfläche pro Kind vor, die Raumplanung erlaubt uns 100 m2 Fläche für den nichtlandwirtschaftlichen Nebenerwerb. Wir haben das Potenzial damit ausgeschöpft.»

Allerdings: Der Begriff Nebenerwerb trifft auf die Kita Hüehnernäscht kaum mehr zu. Mit 290 Stellenprozenten für Angestellte ist sie mittlerweile zum grössten Arbeitgeber in Uezwil geworden. Professionalität und Sicherheit werden gross geschrieben. Alle Kinder sind dauernd unter Aufsicht. Welche Hofflächen für landwirtschaftliche Arbeiten beansprucht werden und welche der Kita zur Verfügung stehen, wird laufend festgelegt.

Umgang mit der Natur

Der Bauernhof diene allerdings nicht nur als Erlebnisraum und attraktive Kulisse für die Kinder, betont Sandra Schmid Koch: «Wir versuchen, den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen nahezubringen: So beispielsweise Essen sparsam zu schöpfen und bei Bedarf nachzuschöpfen. Sie lernen auch, Tellerreste zu vermeiden. Rüstabfälle, Fruchtschalen und Fruchtsteine gehen auf den Kompost und landen nicht im Abfall. Wir bringen den Kindern auch bei, wie man mit Wasser gezielt und sparsam umgeht.»

Die Kinder stammen aus einem Umkreis von 15 Kilometern um Uezwil. Ihre Eltern sind hauptsächlich durch Mund-Werbung auf die Bauernhof-Kita aufmerksam geworden. Auch Zeitungsberichte haben der Kita Bekanntheit in der Region verschafft. Für den Entscheid, ein Kind der Kita Hüehnernäscht anzuvertrauen, ist immer eine Empfehlung der Eltern eines schon dort betreuten Kindes ausschlaggebend. Deren Zufriedenheit ist entscheidend für den Erfolg der Kita.

Führung ist Verkaufsgespräch


«Die Angestellten leiten kritische Aussagen von Eltern sofort an mich weiter, damit ich das Gespräch mit den betreffenden Eltern suchen kann», erklärt Sandra Schmid Koch. Auch die Homepage und in Arztpraxen oder bei Krabbelgruppen aufliegende Flyer unterstützen die Kundenakquisition. «Ich würde gerne von einem Kameraprofi einen Film über den Tagesablauf in der Krippe drehen lassen. Das Preisgeld aus dem Agropreis-Wettbewerb könnte in dieses Projekt fliessen», schildert Sandra Schmid Koch ihre weiteren Pläne.

Das entscheidende Moment ist die Führung durch die Krippe mit den interessierten Eltern. «Die Führung ist zugleich das Verkaufsgespräch. Ich erfrage die Bedürfnisse der Eltern, alle offenen Fragen werden beantwortet.. Offenbar mit Erfolg, denn acht von zehn Besuchen führen zu neuen Kunden – sofern Platz verfügbar ist.

www.kinderkrippe-uezwil.ch

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