9.11.2019 16:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Hasler
Agropreis
Kein Lärm während der Melkzeit
30 Kühe verbringen jeden Sommer auf der Alp Honegg im Eriz BE. Bis vor drei Jahren war Bernhard Aeschlimann zur Melkzeit auf einen lauten Stromgenerator angewiesen. Auf der Suche nach einer Alternative kam er auf den Solarstrom. Dies bracht ihm nun den Spezialpreis des Schweizer Landmaschinen-Verbandes ein, der anlässlich des Agropreises verliehen wurde.

Die Beschreibung «romantisch» für den wunderbaren Morgen auf der Alp Honegg im Eriz BE ist beinahe untertrieben. Die Familie Aeschlimann käst seit sieben Generationen hier oben und geniesst im Sommer während der harten Arbeit die Ruhe von der Zivilisation im Tal. «Mir ist es wohl hier oben», erklärt sogleich Vater Bernhard Aeschlimann. Rund 30 Tiere, alles eigene Simmentaler-Kühe, verbringen den Sommer auf der Alp Honegg.

Alp ohne «Pfuus»

Bis vor wenigen Jahren trübte der Stromgenerator noch die idyllische Stimmung auf der Alp zu den Melkzeiten − Bernhard Aeschlimann ein Dorn im Auge. Wie auf vielen anderen Betrieben musste eine Lösung her, da die Swisscom der analogen Telefonie den Lebensdraht abschnitt und für den Telefonkontakt Strom in den Alpgebäuden installiert werden musste.

Er suchte deshalb lange nach einer sauberen Lösung für die Stromversorgung auf der Alp. Denn rund 1000 Liter Diesel auf die Alp karren und die Morgenstimmung durch das Brummen des Generators durchkreuzen zu lassen, waren für Aeschlimanns keine Option mehr. Ein  Windrad wurde zwar als Projekt überprüft, wäre aber zu teuer geworden und der Transport eine zu grosse Herausforderung gewesen. Dazu kommt, dass die Gebäude und das umliegende Land in einer Hochmoorschutzzone liegen, was beinahe alle Bauprojekte verunmöglicht.

Strom-Insel gesucht

Da kam ein Inserat in einer Zeitschrift gerade recht, in dem ein Alpbetrieb ohne Stromzufuhr von aussen gesucht wurde, der sich für die Installation einer speziellen Photovoltaikanlage im Inselbetrieb zur Verfügung stellte. Aeschlimann meldete sich noch am gleichen Tag auf die Anzeige. So stand auch Max Ursin, Batteriespeicher-Pionier und Gründer des Start-ups Innovenergy GmbH, gleich nach wenigen Tagen auf dem Hof. Beide arbeiteten damals am selben Problem: Strom aus erneuerbaren Quellen im Inselbetrieb, also ohne öffentliches Stromnetz, herzustellen, zu speichern und bei Bedarf abzugeben.

Mobile Anlage

Es wurde gewerkelt und getüftelt. Und nun fliesst seit mehreren Jahren Solarstrom auf der Alp Honegg. Die 40 Quadratmeter Photovoltaikmodule waren aber doch etwas zu teuer nur für einen temporären Betrieb von ein paar Monaten auf der Alp. Für Aeschlimann lag die Lösung auf der Hand: «Wir mussten  die Photovoltaik-Anlage mobil machen.» Denn nur wenn er die Anlage während dem Rest des Jahres auch auf dem Talbetrieb in Schwarzenegg laufen lassen konnte, machte diese Investition Sinn.

Schweizer Batterie

Die verbauten Solarpanels leisten 6kW, damit wird die umweltfreundliche, langlebige 28-kWh-Salzbatterie aus Schweizer Produktion gespiesen. Mit der 9-kW-Wechselrichterleistung wird die AC-Spannung von 400V erreicht. Der Strom ist also 230V einphasig und 400V 3-phasig verfügbar. Batterie und Wechselrichter sind in einem Autoanhänger ebenfalls mobil. «Zwei Stunden dauert der Auf- oder Abbau», sagt Aeschlimann.   Im Schnitt produziert nun die Sonne 80 Prozent des Stroms auf der Alp Honegg. Es setzen bereits mehrere andere Alpen auf die Entwicklung aus dem Eriz BE.

An der Agropreis-Verleihung in Bern wurde auch heuer wieder der Spezialpreis des Schweizerischen Landmaschinen-Verbandes SLV vergeben. Der mit 5000 Franken dotierte Preis ging an die Familie Bernhard Aeschlimann aus Eriz BE von der Alp Honegg. Aeschlimann entwickelte zusammen mit Max Ursin, Batteriespeicher-Pionier und Gründer des Start-ups Innovenergy GmbH, eine mobile Solaranlage für eine nachhaltige Stromproduktion auf Alpwirtschaften. 

Für die SLV-Jury waren die folgenden fünf Kriterien für die Preisauszeichnung entscheidend:

  • Die im Artikel gezeigte und am Agropreis prämierte Anlage ist seit 2016 im täglichen, störungsfreien Betrieb.
  • Innovatives und nachhaltiges Konzept da die Anlage 12 Monate pro Jahr im Einsatz ist (4 Mte. Alp und 8 Mte. im Talbetrieb mit Netzeinspeisung).
  • Die Anlage produziert AC-Spannung von 230 V und 400 V für die vielfältigen Aufgaben auf der Alp.
  • Speicherung in umweltfreundlicher Salzbatterie mit 28kW/h Kapazität.
  • Bereits zahlreiche Anlagen im Einsatz oder in Planung. Auch andere Betriebe profitieren von der Entwicklung. pd

 

 

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