10.07.2014 14:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Zürich
«Zürcher» Wolf stammte aus Calanda-Rudel
Der junge Wolf, der im Juni in Schlieren ZH von einem Zug angefahren und getötet worden ist, stammt aus dem Rudel am Calanda bei Chur. Auf seinem Weg ins Zürcher Limmattal hat er mehrere Schafe gerissen.

Genetische Analysen eines Labors der Universität Lausanne haben die Abstammung des Tiers geklärt, wie die Kommunikationsabteilung des Zürcher Regierungsrates am Donnerstag mitteilte. Es handelt sich um M43, der letztes Jahr am Calanda geboren wurde. Gleichzeitig weiss man nun auch, dass der junge Wolf auf seiner Wanderung in den Kantonen Glarus und Schwyz mehrere Schafe angegriffen hat.

8 Schafe getötet

Am 1. Juni habe M43 bei Näfels drei Schafe getötet, sagte Fridolin Luchsinger von der Abteilung Jagd und Fischerei des Kantons Glarus zur Nachrichtenagentur sda. Zwei habe er so schwer verletzt, dass man sie nachträglich habe töten müssen.

Im Gebiet Nuoler Ried SZ habe der Wolf am 7. Juni dann etwa 14 Schafe gerissen und verletzt, sagte der Leiter des Schwyzer Amts für Natur, Jagd und Fischerei, Thomas Fuchs. Zwei bis drei davon habe er getötet, etwa gleich viele habe man im Nachhinein «metzgen» müssen. Einige seien mit Verletzungen davongekommen.

«Auf Vorrat töten»

Dass ein Wolf mehrere Schafe hintereinander tötet, entspricht laut dem WWF-Wolfsexperten Gabor von Bethlenfalvy durchaus natürlichem Verhalten. Der Fachausdruck dafür laute «Surplus Killing» - was etwa bedeute «auf Vorrat töten».

In der Natur könne ein Wolf nicht damit rechnen, jeden Tag Beute machen zu können. Biete sich ihm also für einmal die Gelegenheit, gleich mehrere Tiere zu reissen, werde er diesen Vorteil wahrnehmen. So könne er mit dem Rudel immer wieder zu den Kadavern zurückkommen und habe damit Vorrat für einige Tage.

Die Schafe in Schwyz und Glarus seien nicht geschützt gewesen, und als gezüchteten Tieren fehle ihnen der Instinkt zu flüchten, wie es etwa Gemsen tun würden. Dass gute Schutzvorkehrungen aber wirkten, zeige die Situation im Calandagebiet, wo das bisher einzige Schweizer Wolfsrudel lebe: Dort gebe es fast keine Risse.

Hohe Risiken aus Unkenntnis

Von den fünf letztjährigen Welpen des Calandarudels sind zwei tot. Der Bruder des verunglückten M43 war «gefrevelt worden», wie der Graubündner Jagd- und Fischereivorsteher Georg Brosi sagte. Wo die drei Schwestern sich aufhielten, sei nicht klar. Normalerweise entfernten sich Weibchen weniger weit vom Rudel als Männchen.

Männliche Jungwölfe dagegen machten «verrückte Touren» bis ins Siedlungsgebiet hinein, so Brosi. In Europa sei die Verlustrate unter Jungwölfen denn auch sehr hoch. Sie «kennen sich nicht aus und gehen deshalb unheimliche Risiken ein». Und dann würden sie eben beispielsweise überfahren wie M43. Bereits im Juni 2013 war im Tessin ein Calanda-Jungwolf, M36, von einem Zug getötet worden.

Dass man den in Schlieren verunglückten Wolf für die Nachwelt erhalten kann, schliesst der Zürcher Jagd- und Fischereiverwalter Urs J. Philipp aus. Zwar sei das Foto, das man nach dem Unfall veröffentlichte «einigermassen öffentlichkeitsverträglich» gewesen. Tatsächlich weise das Tier aber so schwere Verletzungen auf, dass man es unmöglich präparieren könne.

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