27.01.2020 08:43
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Deutschland
Wolfstötung hat Nachspiel
Im Fall des Jägers, der vor etwa einem Jahr im deutschen Bundesland Brandenburg seinem Hund durch den gezielten Abschuss eines angreifenden Wolfes vermutlich das Leben gerettet hat, soll nun wegen Verstosses gegen das Bundesnaturschutzgesetz ermittelt werden.

Das hat die Staatsanwaltschaft in Potsdam laut Medienberichten vom vergangenen Mittwoch bestätigt. Der Deutsche Jagdverband (DJV) zeigte sich entsetzt.

Eigentumsrecht geschützt

In einem Telefonat mit dem Verteidiger des betroffenen Jägers habe der zuständige Staatsanwalt mitgeteilt, dass seiner Rechtsauffassung zufolge der Jäger ungeachtet der Notstandslage in keinem Fall hätte schiessen dürfen, berichtete der DJV. Nach Ansicht des Verteidigers sei dies „absurd“. Dieser hatte den Abschuss in einer früheren Stellungnahme als „eindeutig gerechtfertigt“ gewertet.

Der Schütze habe nach dem Notstandsparagrafen eine Rechtsgüterabwägung vollzogen, die „richtige Abwägung zugunsten des Hundes vorgenommen“ und das „Eigentumsrecht am wertvollen, ausgebildeten Jagdhund geschützt“. Für den DJV macht das aktuelle Vorgehen der Staatsanwaltschaft in dem Fall klar, dass jetzt der Gesetzgeber gefragt ist.

Jagdhunde unabdingbar


Dieser „muss jetzt handeln und klare Regeln für einen derartigen Notstand entwickeln“, unterstrich DJV-Vizepräsident Helmut Dammann-Tamke. Ohne qualifizierte Jagdhunde seien effektive Stöberjagden insbesondere auf Wildschweine und Nachsuchen nicht möglich. Ausserdem schreibe das Gesetz den Einsatz von Jagdhunden vor. Es sei deshalb inakzeptabel, dass sie im Einsatz nicht geschützt werden könnten.

Als vorbildlich erachten der DJV und auch der Jagdgebrauchshundeverband (JGHV) die Rechtslage in Schweden. Dort könnten Jäger einen Wolf bereits töten, wenn er im Begriff sei, Hunde oder Nutztiere zu attackieren. Zuvor müsse allerdings versucht werden, den Wolf durch Rufen und Warnschüsse zu vertreiben. Beides sei im Brandenburger Fall gegeben gewesen. Das sei auch durch Zeugen bestätigt worden.

Hunde überleben Angriff oft nicht

Den Jägern rieten die Verbände, bei einem Durchsetzen der nun von der Staatsanwaltschaft in Potsdam vertretenen Rechtsansicht wegen der strafrechtlichen Risiken künftig keine Jagdhunde mehr für Stöberjagden und Nachsuchen in Wolfsgebieten einzusetzen. Aber nicht nur Jäger, auch andere Hundebesitzer würden durch das drohende Urteil kriminalisiert. An Jäger und andere Hundebesitzer appellierten beide Verbände, bei vermeintlichen Wolfsattacken umgehend einen Tierarzt einzuschalten und eine genetische Probe sichern zu lassen.

Dass Hunde Wolfsangriffe in der Mehrzahl der Fälle nicht überleben, zeigen laut DJV Zahlen aus Skandinavien. Dort seien von insgesamt 600 in den Jahren 1995 bis 2018 verzeichneten Wolfsangriffen auf Hunde gemäss einer Statistik des Norwegian Institute for Nature 400 für den jeweils attackierten Hund tödlich verlaufen. Der DJV geht davon aus, dass auch in Deutschland die Zahl der Übergriffe auf Hunde zunehmen wird.

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