17.01.2018 13:21
Quelle: schweizerbauer.ch - Daniel Salzmann
Wolf
«Wolf muss man wieder ausrotten»
Bergbauer Thomas Knutti ist vehementer Gegner der Grossraubtiere. Er will die Schafsömmerung sichern, die der Wolf in seinen Augen bedroht. Nun will er einen bernisch-kantonalen Verein für die Ausrottung des Wolfs gründen.

«Schweizer Bauer»: Sie engagieren sich für die Nutztiere und gegen die Grossraubtiere. Warum?
Thomas Knutti: Schon als ich frisch im Grossen Rat des Kantons Bern war, habe ich einen Vorstoss gemacht. Im vergangenen Sommer habe ich festgestellt, dass bei den Grossraubtieren die rote Linie definitiv überschritten worden ist. Der Kanton Bern ist besonders stark betroffen. Deshalb fordere ich im Rahmen eines neuen Vorstosses, dass endlich rigoros durchgegriffen wird. Sonst wird es in den nächsten Jahren nicht gut kommen im Kanton Bern, aber auch in der ganzen Schweiz. 

Auf wen zielen Sie im Moment stärker, auf den Wolf oder auf den Luchs?
Problematisch sind derzeit beide. Aber das grössere Problem ist und wird der Wolf sein. Das sagen auch die Schafzüchter. Ich bin überzeugt, dass der Wolf ausgesetzt wird. Ich glaube nicht mehr daran, dass diese Wölfe einfach so einwandern. Die lebten vielleicht sogar in Zoos oder sonst in Gehegen, sodass sie einen Bezug zum Menschen haben. Ich erinnere daran, dass im vergangenen Herbst zum Beispiel in Bayerischen Wald Wölfe aus einem Gehege freigelassen worden sind. Anfang Oktober hat in Oberwil im Simmental BE ein Bauer zwei Schafe verloren, die direkt neben dem Bauernhof eingezäunt waren. Das zeigt, dass wir jetzt schon so weit sind, dass die Wölfe sich nicht mehr scheuen, direkt zu den Wohnhäusern zu kommen. Es kann nicht sein, dass einfach zugeschaut wird. 

Sie wollen einen kantonalen Verein gegen die Grossraubtiere gründen. Wie weit ist das?
Das ist so. Wir wollen einen Verein zum Schutz vor Grossraubtieren gründen. Im vergangenen Sommer sind wir vom  Verein für eine produzierende Landwirtschaft (VPL) mit  sämtlichen involvierten Organisationen zusammengesessen: Schäfeler, Berufsschäfeler, Fleckviehzüchter, Alpwirtschaftsverband und Ziegenhalter. Am 27. November machten wir eine öffentliche Veranstaltung in Thun BE. Da kamen 500 Leute. Das zeigt, dass ein solcher Verein ein grosses Anliegen ist. Am 22. Januar werden wir uns erneut treffen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. Für mich ist aber ganz klar, auch im Kanton Bern braucht es eine Organisation, welche sich dafür einsetzt, dass der Wolf wieder verschwindet in unseren Alpungsgebieten. Die Gründung einer Vereinigung ist für Anfang April vorgesehen, und wir hoffen auf viele Mitglieder.

Haben Sie eine Übersicht über Schafe, die der Wolf gerissen hat?
Nein. Und das zeigt schon, dass man etwas vertuschen will. Über vieles andere führen die Behörden detailliert Buch. Das muss sich ändern. Jeder Fall muss veröffentlicht werden. 

Bei den Grossraubtieren spielt der Bund eine wichtige Rolle.
Dass der Ständerat die Standesinitiative aus dem Kanton Wallis gegen den Schutz des Wolfes via die Berner Konvention abgelehnt hat, hat mich schwer enttäuscht. Nun steht die Revision des Jagdgesetzes an. Die kommt ins Parlament. Ich bin der Meinung, dass ein Wolf geschossen werden darf, sobald er ein Schaf getötet hat. Heute müssen es 25 Schafe sein. Das ist viel zu viel. Nun sollen die Kantone die Kompetenz erhalten, Zonen zu schaffen, in denen der Wolf sein dürfte. 

Aber auch sensible Zonen, oder?
Ja, schon. Im Detail vorgesehen sind: Zone 1 (sensibel), Zone 2 (wenig sensibel) und Zone 3 (offen für Wolf). In Zone 3 sollen z.B. gut schützbare Alpen und weitläufige Gebiete mit wenig Freizeit- und Tourismusaktivitäten kommen. An diesem System habe ich keine Freude. Das löst zuerst einmal eine grosse Bürokratie aus. Ob es dann funktioniert, ist überhaupt nicht klar. Das Ziel der Behörden ist sicher, dass am Ende alles in die Zone 3 kommt. Für mich ist das ganze Wolfskonzept des Bundes gescheitert. Die Wölfe kosten uns sehr viel, und gebracht haben sie uns nichts. Ich bin nach wie vor dafür, dass man dieses Tier wieder ausrottet, dass es wieder ausgerottet werden darf.

Sie verweisen auf die rückläufige Schafhaltung. Haben Sie dazu Zahlen? 
Im Berner Oberland wurden im Jahr 2006 noch 20'600 Schafe gesömmert. Im Jahr 2016 waren es nur noch 16'530. Es ist doch klar: Wenn der Wolf dermassen wüten darf, werden die Bauern die Alpen nicht mehr mit Schafen bestossen. Wenn sie so viele Tiere verlieren, werden sie das dafür nötige Herzblut nicht mehr aufbringen. Was mich enttäuscht in diesem Zusammenhang, ist, dass sich die Schäfeler nicht einig sind. Die Entschädigungen für gerissene Schafe schaffen auch Anreize, und keine guten.

Wie meinen Sie das?
Es gibt tatsächlich Schafbauern, die sagen: Mir ist es egal, wenn der Wolf ein Schaf nimmt, denn das wird ja vergütet. Wenn wir dem Wolf gegenüber wieder Herr und Meister werden wollen, ist das eine schlechte Entwicklung. Dafür müssen wir geschlossen auftreten. Das Wolfskonzept schafft auch mit den Entschädigungen fürs Züchten von Herdenschutzhunden problematische Anreize. Es gibt heute Schafbauern, die solche Hunde züchten und deshalb für den Wolf sind.

Laut einer Umfrage, die Pro Natura in Auftrag gegeben hat, will eine Mehrheit der Schweizer Bevölkerung den Wolf, auch wenn er Probleme macht. Was sagen Sie dazu?
Ja, das ist leider heute so. Die Leute, die den Wolf befürworten, haben noch nicht erkannt, welche grosse Problematik die vielen Wölfe für die Landwirtschaft bedeuten. Das sind nicht Direktbetroffene. Und es sind auch ein bisschen Fantasten. Das wird sich ändern, wenn irgendwann mal etwas Schwerwiegendes passiert. Wenn ein Kalb drankommt oder das Ausmass noch grösser wird. Wer das Tier nur aus der Zeitung kennt, dem kann es ja noch sympathisch sein. Dann denken die Leute, Wölfe und Schafe könnten in den Bergen zusammenleben. Diese Einstellung ist eine grosse Gefahr für unsere Landwirtschaft. 

Zur Person

Thomas Knutti (45) aus Weissenburg BE im Berner Oberland hat 1998 den elterlichen 12-Hektaren-Landwirtschaftsbetrieb übernommen. Er macht Rinderaufzucht. Ebenfalls seit diesem Jahr ist Knutti im Nebenerwerb als Berufsfahrer in der Unternehmung seines Bruders tätig. Er ist Vizepräsident des Vereins für eine produzierende Landwirtschaft (VPL). Seit 2010 sitzt er für die SVP im Grossen Rat des Kantons Bern. sal

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