19.06.2014 20:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wolf
«Wolf ist keine Gefahr für Menschen»
Auch nach dem Auftauchen eines Wolfs in der Agglomeration Zürich besteht für Menschen keinerlei Gefahr. Dies sagte der Leiter der Fischerei- und Jagdverwaltung des Kantons Zürich, Urs J. Philipp, am Donnerstag vor den Medien. Natürlich gelte es, Abstand zu halten und die Tiere dürften keinesfalls gefüttert werden.

Bei dem Wolf, der am frühen Mittwochmorgen in Schlieren von einem Zug überfahren worden ist, handelt es sich laut Philipp um einen kräftigen jungen Rüden aus dem letzten Jahr. Ob er aus dem bündnerischen Calanda-Rudel stammt, ist unklar. Die Herkunft des Tiers wird zur Zeit in Bern abgeklärt. Eine Meldung, dass irgendwo - etwa im Wildnispark Zürich - ein Wolf entwischt sei, gebe es nicht.

Dass im Kanton Zürich ein Wolf aufgetaucht ist, erstaunt Philipp nicht. Er habe den ersten zwar erst etwa im kommenden Herbst erwartet, sagte er. Am Dienstagvormittag sei dann aber die Meldung gekommen, eine Frau in Birmensdorf, nicht weit von Schlieren, habe «ein sonderbares Tier» beobachtet. Aufgrund der Beschreibung konnte man einen Wolf vermuten.

Beinahe verbrannt

Am Mittwoch meldete ein Lokführer - wie dies in solchen Fällen üblich ist - er habe ein Tier überfahren, das man bergen sollte. Der vermeintliche Hund war bereits bei der Kadaververbrennung, als ein Zürcher Wildhüter ihn sicherheitshalber nochmals zu sehen verlangte. Er kannte die Meldung aus Birmensdorf und identifizierte das Tier als Wolf. Der Kadaver wurde daraufhin sofort sichergestellt.

Das Jungtier habe bei der Kollision derart schwere Verletzungen erlitten, dass es mit grosser Wahrscheinlichkeit sofort tot war, sagte Philipp. Abgesehen davon habe es aber einen gesunden Eindruck gemacht.

Philipp vermutet, dass das Tier über die Albiskette einwanderte. Aus anderen Ländern - etwa Italien oder Rumänien - wisse man, dass sich Wölfe durchaus in städtischen Gebieten einrichten können. Dennoch: «Ich hätte ihn zuerst im Oberland erwartet», sagte Philipp. Gemäss Bundesamt für Umwelt (BAFU) ist es das erste Mal, dass sich ein Wolf in der Schweiz so weit in städtisches Gebiet vorwagte.

Nicht in Hektik verfallen

Da der Wolf im Kanton Zürich schon erwartet wurde, ist bereits ein Handlungsleitfaden erarbeitet worden, sagte Phililpp. Dieser sei zur Zeit in der Vernehmlassung bei diversen interessierten Organisationen - etwa beim Naturschutz oder beim Bauernverband. Mit Sicherheit müsse jetzt «nicht die absolute Hektik ausbrechen» - Jungwölfe marschierten nun einmal «in der Gegend umher».

Ob der junge Wolf allein unterwegs war, ist nicht klar. Es sei nicht auszuschliessen, dass er mit einem anderen Jungtier unterwegs gewesen sei. Diese wandern in einem gewissen Alter aus ihrem Rudel ab. Dabei können sie laut Philipp durchaus bis zu 60 Kilometer in einer Nacht zurücklegen.
Dass sich nun im Kanton ein Rudel bildet, nimmt Philipp nicht an: So etwas brauche viele Jahre, in denen zuerst immer wieder Einzeltiere einwanderten.

Angepasstes Verhalten nötig

Für Menschen besteht laut dem obersten Zürcher Jäger keine Gefahr. Auch Kinder könnten sich weiterhin im Wald tummeln. «Der Mensch gehört nicht ins Beuteschema des Wolfs». Natürlich sei angepasstes Verhalten nötig: Es gelte, Abstand zu halten, sich dem Tier nicht zu nähern und es keinesfalls zu füttern. Zudem soll man umgehend melden, wenn man vermutet, einen Wolf gesehen zu haben.

Auch für Tierhalter gebe es bereits gute Empfehlungen - Zürich sei immerhin «der 17. Kanton», in dem Wölfe gesichtet wurden. Kleine Schafherden etwa sollten über Nacht in den Stall, wenn Wölfe in der Nähe sind.

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