21.12.2015 09:35
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Graubünden/St. Gallen
Wölfe dürfen geschossen werden
Zwei Jungwölfe aus dem Calanda-Rudel dürfen geschossen werden. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat dem Gesuch der Kantone St. Gallen und Graubünden um Abschussbewilligung zugestimmt.

Ende November 2015 hatten die Kantone St. Gallen und Graubünden beim BAFU Gesuche eingereicht für eine Regulierung der Wölfe des Rudels am Calanda. Als Grund wurden die abnehmende Scheu sowie das Auftauchen bei Siedlungen, so auch bei Ställen, genannt.

Mangelnde Scheu

Das erste Wolfsrudel der Schweiz, das seit 2012 im Gebiet des Calanda-Ringelspitz-Massivs lebt, verhalte sich «zunehmend problematisch», teilten die beiden Kantone Ende November mit. Sie betonten, dass das Potenzial zur Gefährdung von Menschen ansteige. Mit dem Abschuss soll eine Verhaltensänderung herbeigeführt werden. Nur wenn die Wölfe wieder scheuer werden, wird ein Zusammenleben dieser Grossraubtiere in der Kulturlandschaft Schweiz auch in Zukunft möglich sein, hielten die beiden Kantone fest.

Nach Prüfung hat das BAFU dem Gesuch auf der Basis der revidierten Jagdverordnung zugestimmt. Daraufhin haben St. Gallen und Graubünden am 21. Dezember 2015 eine Abschussverfügung erlassen. Sie muss bis längstens am 31. März 2016 befristet sein. 

Wölfe nicht gleichzeitig töten

Damit die Massnahme wirkt, hat das BAFU Empfehlungen zur Umsetzung erlassen. Es empfiehlt den Kantonen, nicht zwei Wölfe gleichzeitig zu schiessen, sondern jeweils nur einen Wolf. Getötet werden sollen die Wölfe dann, wenn die anderen Rudeltiere dabei sind. Zudem soll der Abschuss in Siedlungsnähe und «während der Aktivitätszeit der Menschen» erfolgen. Nach dem Abschuss des ersten Wolfes soll das Verhalten des Rudels verstärkt beobachtet und dokumentiert werden.

Gemäss dem Leiter des Amts für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St. Gallen, Dominik Thiel, besteht das Calanda-Rudel derzeit aus etwa zehn Wölfen. Es seien ein Elternpaar mit vier Jungen sowie drei bis fünf Jungtiere vom letzten Jahr. Der geplante Abschuss von zwei Tieren habe nichts mit Rissen von Nutztieren zu tun, erklärte der Amtsleiter. Laut Thiel haben die Calanda-Wölfe in diesem Jahr sieben Ziegen und ein Kalb gerissen.

Wildtiere nicht füttern

Das BAFU erinnert ferner daran, dass Wildtiere grundsätzlich nicht gefüttert werden sollten. Im Streifgebiet des Calandarudels hatte das BAFU bereits 2013 mit den Kantonen St. Gallen und Graubünden vereinbart, dass sie alle Anfütterungsstellen für die Fuchsjagd - so genannte Luderplätze - überprüfen und jene in der Nähe von Siedlungen verbieten oder verlegen.

Ebenso müsse verhindert werden, dass Wölfe durch Abfälle, etwa auf Kompost- oder Misthaufen, in Siedlungen gelockt würden, schreibt das BAFU. Für die Umsetzung und Überwachung dieser Massnahmen sowie für die Information und Sensibilisierung der Bevölkerung seien die Kantone zuständig.

Wurden Wölfe angelockt?

Der Abschuss findet bei den Umweltschutzorganisationen WWF und Pro Natura keine Anklang. Sie kritisieren die Abschüsse von Jungwölfen. Dies sei «keine Lösung». Dass Wölfe, ähnlich wie Füchse und Rehe, nahe an Siedlungen kommen, sei nicht ungewöhnlich und müsse nicht unbedingt problematisch sein.

Einwohner von Vättis SG hatten Ende November auf Grund eigener Beobachtungen den Verdacht geäussert, Wölfe würden mit Schlachtabfällen in die Nähe des Dorfs gelockt. Auf diese Weise sollten Vorfälle mit Nutztieren provoziert und die Grundlage für Abschüsse geschaffen werden.

Dominik Thiel, widersprach damals diesen Behauptungen. Der Kanton habe bereits 2014 in der Nähe von Vättis zwei Luderplätze verboten - so werden jene Stellen genannt, an denen Jäger mit entsprechender Bewilligung Füchse anlocken dürfen

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