3.05.2018 17:14
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
St. Gallen
Wölfe beunruhigen Dorf
In der Nacht auf Dienstag haben Wölfe in Vättis SG oberhalb von Bad Ragaz eine trächtige Hirschkuh in der Dorfmitte gerissen. Die Bewohner sind verunsichert und fordern den Abschuss der Raubtiere. Der Kanton winkt ab. -> Mit Video

«Am 1. Mai wurde eine Hirschkuh mitten im Dorf Vättis, am Zaun der Schule, gerissen. Das ungeborene Kalb ist im aufgerissenen Mutterleib eingegangen», schreibt die Vereinigung zum Schutz der Weidetierhaltung (VWL) am Mittwoch.

Bewohner haben Angst

Die Bevölkerung in Vättis ist besorgt. Die Wölfe des Calandarudels haben in den vergangenen Jahren bereits mehrmals Tiere gerissen, aber noch nie im Dorfzentrum. Josef Kohler, Obmann der Jagdgesellschaft Calanda-Vättis, wehrt sich bereits seit Jahren gegen den Wolf. «Wir haben fast kein Rotwild mehr in unserer Gegend. Als ich das Kadaver entdeckt habe, bin ich erschrocken. Denn die Wölfe haben im Dorf angegriffen, neben dem Schulhaus. Das ist nicht gut», sagt er gegenüber TV Ostschweiz.

Obwohl seit sechs Jahren Wölfe in der Gegend leben, wird es den Anwohnern nun mulmig. «Vor drei Jahren habe ich erstmals einen Wolf gesehen. Dieser war noch klein. Doch der zweite Wolf war ein grosses Tier. Zusammen mit dem Wolf leben geht einfach nicht», erklärt Rösli Jäger. Auch Jakob Bruderer hat ein ungutes Gefühl. Er sorgt sich um die Kinder im Dorf. Die Wölfe würden in der Nacht im Dorf herumstreunen. «Die Bevölkerung wagt sich nicht mehr vor die Tür», sagt Bruderer zu TV Ostschweiz.

Landwirte sorgen sich um Tiere

Landwirte sorgen sich auch um ihre Tiere. «Wir und unsere Tiere sind nicht mehr sicher», sagt ein Bauer zu 20 Minuten Online. Die Raubtiere würden sich immer näher an die Menschen herantrauen. Man wisse nie, ob sie bald jemanden angreifen. Neben der Angst schürt der Wolf auch Wut. «Ich gehe nur mit dem Messer auf die Strasse. Wenn ich dem Wolf begegne, steche ich ihn ab», so der Landwirt.

Auch Martin Mader hat genug vom Wolf. Man müsse die Tiere abschiessen. «Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir unsere Tiere nicht mehr auf die Weide lassen können», so Mader. Gemeindepräsident Axel Zimmermann sind die Hände aufgrund des Gesetzes gebunden. Für ihn ist jeder Wolf einer zu viel. Er kann sich nur beim Kanton beschweren. «Selber darf ich keinen Wolf abschiessen, obwohl ich es gerne täte», sagt der FDP-Politiker zu TV Ostschweiz.

Kanton: Bevölkerung muss nicht Angst haben

Der Kanton St. Gallen winkt bezüglich Abschuss ab. Es sei nicht aussergewöhnlich, dass Wölfe in der Gegend Wildtiere reissen würden.  Die Leute in Vättis seien längst an den Wolf gewöhnt, Dominik Thiel, Leiter des St. Galler Amtes für Natur, Jagd und Fischerei ANJF, gegenüber 20 Minuten. Die Bevölkerung müsse nicht Angst haben, der Mensch entspreche nicht dem Beuteschema des Wolfs. Mit der geplanten Revision des Jagdgesetzes könnten künftig jährliche Abschussquoten eingeführt werden, so Thiel. 

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