9.12.2013 13:13
Quelle: schweizerbauer.ch - Christof Hirtler
Uri
Was tun, wenn der Wolf wieder auftaucht?
Im 2008 schuf der Kanton mit dem «Wolfskonzept Uri» die Planungsgrundlagen für den Herdenschutz auf den Urner Alpen. Am 1. Januar 2014 ist fertig mit der Projektphase. Das Konzept muss vollzogen werden.

Über 16'000 Schafe werden auf 73 Alpen im Kanton Uri gesömmert. Der Kanton Uri zählt 58 Standweiden, 10 Umtriebsweiden und 5 ständige Hirtschaften. 219 Schafhalter wintern 9500 Tiere. Die Leidenschaft für Schafe, Zucht, Alpung und Traditionen sind in Uri tief verankert.

Für die getöteten Tiere wurden die betroffenen Besitzer von Bund und Kanton entschädigt, der Verlust trifft sie jedoch tief. Die Schafhalterin und Landrätin Frieda Steffen aus Andermatt forderte mit einer Motion von der Regierung eine Anpassung des Wolfskonzepts und eine Verbesserung der Informationspolitik.

Gemeinsam anpacken

Markus Baumann, Vorsteher des Amts für Landwirtschaft, zeigte Verständnis für die Wut und die Frustrationen der Schafhalter und verwies auf die kantonalen Präventionsmassnahmen in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Umwelt Bafu. Mit dem «Wolfskonzept Uri» schuf der Kanton 2008 die notwendigen Planungsgrundlagen für den Herdenschutz auf den Urner Alpen (Erfassen aller Bewirtschafter und Alpen, Weideformen). Nach den Wolfrissen muss Uri den Herdenschutz aktiv angehen, die Zeit drängt: Ab 1. Januar 2014 gilt nicht mehr die Projektphase, das Wolfskonzept muss ab diesem Zeitpunkt nach den rechtlichen Vorgaben vom Bund durch die Kantone vollzogen werden.

Für die nationale Koordination der Herdenschutzmassnahmen ist die Beratungsstelle Agridea zuständig. Dani Mettler, Vertreter von Agridea, betonte in seinem Fachreferat an dem Beratungsabend für Schafzüchter in Schattdorf: «Die Arbeit mit Tieren beruht auf praktischem Wissen. Darin haben die Schafzüchter jahrelange Erfahrung. Die Kantone müssen den Umgang mit dem Wolf lernen und Strategien beim Herdenschutz entwickeln. Wichtig ist, dass alle bereit sind, wenn der Wolf auftaucht.»

Herdenschutz mit Hunden oder Zäunen stösst an Grenzen

Ständige Behirtung und Umtriebsweiden mit Herdenschutzhund erweisen sich in der Praxis als optimale Lösung für grosse Schafherden. Wolfschutzzäune eignen sich für kleinere Weiden ebenso wie ein mobiler Herdenschutz (Pikettdienst zur Unterstützung von Kleinviehhaltern und Hirten bei Angriffen, Einführung von Herdenschutzmassnahmen).

Bei Frühlings- und Herbstweiden sind Zäune mit einer Höhe von 1,20 Meter oder Vergrämungsmassnahmen mit Licht oder Geräuschen empfehlenswert. Der Herdenschutz mit Hunden oder Zäunen stösst aber an Grenzen: Nur gut erschlossene Alpen mit homogenen Herden können wöchentlich zwei Mal kontrolliert werden. Für schwer zugängliche Schafalpen oder kleine Herden mit vielen Schafbesitzern könnte es schwierig werden.

Geld für Zaun und Hund


Bund und Kantone beteiligen sich am Kauf der Herdenschutzhunde (1500 bis 2000 Fr.) Im Perimeter I werden pro Jahr und Hund 1000 Franken bezahlt (max. drei Hunde pro Nutztierhalter). Um mit Herdenschutzhunden zu arbeiten, ist gemäss der Tierschutzverordnung 2009 ein Theoriekurs «Sachkundenachweis Herdenschutzhunde» Pflicht. Der Kauf von neuem Zaunmaterial wird unterstützt, die Sömmerungsbeiträge erhöht für Alpen mit aktivem Herdenschutz von 330 Franken auf 400 Franken NS. Umtriebsweiden erhalten Direktzahlungen von 320 Franken pro NS (bisher 250 Franken.) Standweiden, die nur gelegentlich kontrolliert werden, erhalten keine zusätzlichen finanzielle Anreize, sie werden wie bisher mit 120 Franken pro NS entschädigt.

«Landwirtschaftsgesetzgebung und Jagdgesetzgebung greifen ineinander», erklärt Josef Walker von der Kantonalen Jagdverwaltung Uri. Sie verfolge alle Hinweise, sammle Fotos und lasse DNA-Analysen erstellen. Nach einem Wolfsriss sei die sofortige Meldung an den Wildhüter wichtig. Nur so könnten weitere Massnahmen, wie die Warnung benachbarter Alpen oder die Identifizierung des Wolfes durch DNA-Analysen eingeleitet werden.

Individueller Schutz

Walker verweist darauf, dass in der Schweiz Wolf, Luchs und Bär durch die international geltende Berner Konvention und durch das Schweizerische Jagdgesetz, Art. 5 und 7, geschützt sind. Die Kantone können den Abschuss eines Wolfes bewilligen, wenn dieser erhebliche Schäden verursacht (Art. 12 Abs. 2 JSG). Bei 25 gerissenen Tieren in einem Monat oder 35 in vier Monaten kann die Interkantonale Kommission IKK eine Abschussbewilligung beim Bund einholen. Der Kanton entschädigt gegen Vorweisen des getöteten Tiers nach den Entschädigungsansätzen des Schweizerischen Schafzuchtverbandes.

Beim Herdenschutz setzen das Amt für Landwirtschaft, die kantonale Jagdverwaltung und Agridea auf Besprechungen und Beratungen. Markus Baumann bat die Schafbesitzer, sich beim Amt für Landwirtschaft bis zum 15. Dezember 2013 für ein Beratungsgespräch zu melden. Für jede Alp werden Beratungen organisiert, prioritär für die Alpen im Perimeter.

«Der Kanton will keine Pauschallösungen. In Zusammenarbeit mit den Schafbesitzern, den Hirteverwaltungen und den Korporationen Uri und Ursern will der Kanton für jede der betroffenen Alpen massgeschneiderte Schutzmassnahmen realisieren», betonte Baumann. St.Gallen könnte ein Vorbild sein: Der Kanton hat bereits 2012 alle Schafalpen geprüft und viele Herden zusammengelegt.

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