29.08.2013 08:53
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/sam
Wallis
Wallis gibt Wolf zum Abschuss frei
Der Walliser Staatsrat Jacques Melly hat einen Wolf zum Abschuss freigegeben. Das Tier hat in einem Monat auf Alpweiden im Goms mehr als 25 Schafe gerissen und erfüllt damit nach Auffassung des Kantons die Abschusskriterien. WWF und Pro Natura reagierten scharf. Mit Umfrage

Einer oder mehrere Wölfe hätten zwischen 21. Juli und 24. August insgesamt 39 Schafe getötet, teilten die Walliser Behörden am Donnerstagmorgen mit. Die Angriffe auf die Tiere seien auf Alpen erfolgt, auf denen zurzeit keine Herdenschutzmassnahmen ergriffen werden könnten. 

Bewilligung gilt 60 Tage 

Die Voraussetzungen für den Abschuss eines Wolfes im Perimeter der nicht schützbaren Alpen seien somit gemäss Konzept Wolf Schweiz und gestützt auf die eidgenössische Jagdgesetzgebung erfüllt. Die Abschussbewilligung gilt ab Freitag, 30. August, für 60 Tage und dies in der Zone der nicht schützbaren Alpen, wie Peter Scheibler, Chef der Walliser Jagdsektion, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda erklärte. Ausserdem dürfe der Wolf - unter gewissen Bedingungen - auch auf landwirtschaftlichen Nutzflächen abgeschossen werden, wo sich die Schafe nach der Alpsömmerung aufhielten. 

In diesen tiefer gelegenen Landwirtschaftszonen waren im letzten Frühjahr zwei Schafe von einem Wolf gerissen worden. Der Kanton Wallis stellte sich deshalb auf den Standpunkt, dass die Abschussbewilligung auch auf diese Zonen ausgeweitet werden muss. 

Uneinigkeit zwischen Bund und Kanton 

Die Abschussgenehmigung gilt laut Scheibler allerdings nur, wenn der Angriff auf eine mittels Elektrozaun geschützte Herde erfolgt ist. Die Nutztierhalter seien informiert worden, dass sie die Herden entsprechend schützen müssten. 

Über den Abschuss des Wolfes entscheidet Staatsrat Melly allein. Der Bund konnte im Vorfeld nur Empfehlungen abgeben. Die Interkantonale Kommission (IKK), in der neben Scheibler auch Reinhard Schnidrig, Chef der Sektion Jagd im Bundesamt für Umwelt (BAFU), Einsitz hatte, tagte am 23. August. Schnidrig sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda, dass es zwischen dem Bund und dem Kanton Wallis Differenzen gebe, was den Perimeter betreffe. 

«Nicht innerhalb des Bundesrechts» 

Einverstanden sei das BAFU mit dem zeitlich begrenzten Abschuss im Perimeter der nicht schützbaren Alpen. Wenn die Schafe nach der Alpsömmerung dann aber ins Tal zurückkehrten, könnten sie geschützt werden. «Da wäre es Zeit, Herdenschutz zu machen»,sagte Schnidrig. Deshalb sei der Bund nicht einverstanden mit dem Wolfabschuss im Tal. Das Tier zu töten, wäre laut Schnidrig in der Beurteilung des BAFU sogar «illegal und nicht innerhalb des Bundesrechtes». 

Schnidrig betonte weiter, dass es im Goms direkt neben den als nicht schützbar klassifizierten Alpen auch solche gebe, wo bereits Herdenschutz betrieben werde. Und dort sei es bisher zu keinen Schafrissen gekommen. Im Hinblick auf den nächsten Sommer «erwarten wir vom Kanton Wallis, dass er sich für Alpbetriebsumstellungen und anschliessend Herdenschutzmassnahmen engagiert», betonte Schnidrig. 

Umweltverbände prüfen Rekurs 

Der WWF und Pro Natura verurteilten den geplanten Abschuss in einer gemeinsamen Mitteilung scharf. Der Kanton Wallis habe gegen den Wolf das «Todesurteil» ausgesprochen. Der Entscheid sei kurzsichtig und das Problem grösstenteils «hausgemacht». Im Wallis sei der Herdenschutz auch 18 Jahre nach der Rückeinwanderung des ersten Wolfes kaum umgesetzt worden. 

Der Kanton Wallis unter Ägide von Staatsrat Melly sei aufgefordert, eine neue Wolfspolitik zu fördern. Sonst drohten die Fortschritte «von den Scharfmachern» zunichte gemacht zu werden. Mit der Flinte würden die Probleme im Goms nicht gelöst, sondern nur vertagt. Die Umweltverbände wollen nun die Fakten prüfen und dann entscheiden, ob sie Rekurs gegen die Abschussgenehmigung einlegen.

Insgesamt hat der Walliser Wolf im Zeitraum vom 21. Juli bis zum 24. August 39 Schafe getötet, teilten die Walliser Behörden am Donnerstagmorgen mit. Die Angriffe auf die Tiere seien auf Alpen erfolgt, auf denen zurzeit keine Herdenschutzmassnahmen ergriffen werden könnten. 

Die Voraussetzungen für den Abschuss eines Wolfes im Perimeter der nicht schützbaren Alpen seien somit gemäss Konzept Wolf Schweiz und gestützt auf die eidgenössische Jagdgesetzgebung erfüllt, hiess es in der Mitteilung weiter. Die Abschussbewilligung gilt 60 Tage und nur solange sich Schafe im entsprechenden Gebiet der nicht schützbaren Alpen aufhalten.

Die Gruppe Wolf Schweiz (GWS) hat «betrübt» zur Kenntnis genommen, dass im Goms ein Wolf abgeschossen werden soll. Sie lehnt den Abschuss entschieden ab, wie sie am Donnerstag mitteilte. Anstelle eines umfassenden Herdenschutzes habe der Kanton Wallis darauf gesetzt, die meisten Schafalpen als «nicht schützbar» zu klassieren, kritisiert die Gruppe Wolf Schweiz. Sie halte dies «für politisch motiviert».Denn mit den bewährten Herdenschutzmassnahmen liessen sich ganz unterschiedlich strukturierte Alpen schützen, auch diejenigen im Goms. Es zeuge von grosser Respektlosigkeit gegenüber den Schafen, diese ungeschützt in einem Wolfsgebiet zu sömmern, wird David Gerke, GWS-Präsident und Schafhirte, zitiert.

 

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