30.04.2016 11:27
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Vitamin verlängert Mäuse-Leben
Wissenschaftlern ist es gelungen, die Regenerationskraft von Organen alternder Mäuse anzukurbeln. Wie das Team unter Leitung der EPFL berichtet, lebten die Tiere im Laborversuch dadurch länger.

Ein auch als Nahrungsergänzungsmittel verwendeter Stoff namens Nicotinamid Ribosid (NR) scheint Stammzellen länger jung zu halten. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Johan Auwerx von der ETH Lausanne (EPFL). Im Laborversuch mit zwei Jahre alten Mäusen konnten sie so die Muskelregeneration der Tiere stimulieren.

Schub für Energielieferanten

Dass Organe wie Muskeln, Leber und Nieren mit dem Alter ihre Regenerationskraft verlieren, sei zu einem grossen Teil auf das Ermüden von Stammzellen zurückzuführen, so eine Mitteilung der EPFL vom Donnerstag. Die Forscher identifizierten Signalwege, die die «Kraftwerke» der Zelle, die Mitochondrien, regulieren, und untersuchten, wie sie sich mit dem Altern verändern.

Die Rolle der Mitochondrien für den Stoffwechsel ist seit langem bekannt. «Aber wir konnten erstmals zeigen, dass ihre Funktionsfähigkeit wichtig für Stammzellen ist», sagte Studienautor Hongbo Zhang gemäss der Mitteilung. NR ist eine dem Vitamin-B3 ähnliche Substanz, die als Vorläufer für ein zentrales Stoffwechselmolekül mit der Bezeichnung NAD+ dient. NAD+ spiele eine Schlüsselrolle für die Funktion von Mitochondrien, so Zhang.

Forscher mahnen zu Vorsicht

Mäuse mit altersbedingt geschwächten Muskeln, die NR mit ihrer Nahrung bekamen, hätten eine bessere Muskelregeneration gezeigt und länger gelebt als Kontrolltiere, die kein NR erhielten, erklärte der Forscher. Die Ergebnisse erscheinen im Fachjournal «Science».

Andere Studien zeigten bereits einen ähnlichen Effekt von NR auf Stammzellen des Gehirns und der Haut. Die Substanz ist als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich und wird mancherorts mit ihrer potenziell lebensverlängernden Wirkung beworben, obwohl wissenschaftliche Beweise dafür beim Menschen fehlen.

Die Forscher mahnen jedoch zu Vorsicht. Zwar seien keine negativen Nebenwirkungen nach der Einnahme von NR bekannt, jedoch kurbele es die Funktion aller Zellen an. Das bedeutet auch die von Tumorzellen. Weitere Forschung sei daher nötig.

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