15.05.2019 15:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Vögel
Umfrage:Sorgen Krähen für Probleme?
Sie sorgt immer wieder für rote Köpfe: Die Rabenkrähe. Der Vogel bedient sich in frisch gesäten Äckern. Besonders angetan ist er von Mais, Sonnenblumen, Getreide oder Soja. Ist Ihr Betrieb auch von Krähen betroffen? Und wenn ja, was unternehmen Sie dagegen? Abstimmen und mitdiskutieren.

Rabenvögel ernähren sich von pflanzlicher und tierischer Nahrung. Dabei bedienen sie sich unter anderem auch im offenen Landwirtschaftsland. Frisch ausgesätes Sommergetreide und Maiskörner, auflaufende Keimlinge, aber auch reifende Maiskolben sowie Salat und Gemüsesetzlinge sind bei Raben-, Nebel- und Saatkrähe beliebt, schreibt die Vogelwarte.

Bis 1% des Gesamtwerts

Sie sind aber auch Nützlinge, da die Vögel auch Schnecken und Mäuse verzehren. Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen durch Rabenvögel sind gemäss Vogelwarte in erster Linie auf Raben- und Nebelkrähen, lokal auch auf Saatkrähen zurückzuführen. Gemäss einer Studie der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) von 2006 belief sich der Schaden in Maiskulturen auf 0,6 bis 1 Prozent des Mais-Gesamtwerts. Gesamtwirtschaftlich sind diese Krähenschäden gering. Einzelne Betriebe kann es jedoch mit einigen Tausend Franken Schaden betreffen, schreibt das Landwirtschaftliche Zentrum Liebegg. 

Schwärme machen Schäden

Die Nahrungszusammensetzung der Rabenkrähe hängt mit der Bewirtschaftung der Felder zusammen. Je nach Region, Saison und Nahrungsangebot ist der Anteil an pflanzlicher und tierischer Nahrung unterschiedlich. In Gebieten mit intensiv betriebener Landwirtschaft nehmen Rabenkrähen vor allem pflanzliche, in extensiv bewirtschafteten Gebieten vorwiegend tierische Nahrung auf.

Schäden an Kulturen sind nicht auf Brutvögel (diese verzehren vor allem tierisches Eiweiss), sondern auf Nichtbrüterschwärme zurückzuzuführen. Die Schwärme finden sich gerne in Gegenden mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung und wenig Strukturen ein. Betroffen sind vor allem Mais-, Gemüse- und Getreidefelder. Die Schadenshöhe hängt gemäss der Studie davon ab, wie lange Saatgut und Schösslinge benötigen, um zu keimen und über eine kritische Höhe (beim Mais 10 bis 15 cm) hinauszuwachsen.

Massnahmen bei Aussaat

Um die Schäden zu verhindern, schlägt das Landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum Hohenrain (LBBZ) verschiedene Massnahme vor (vorbeugen): 

• kein Mais auf staunassen Feldern (Würmer an Oberfläche)
• idealer Saattermin ermöglicht schnelle Jugendentwicklung
• keine isolierten Saaten (Standort, Saattermin)
• Saubere Bedeckung der Saat, tiefere Saat, evtl. walzen
• Evtl. 1 - 2 Tage Pause zwischen Eggen und Säen (Würmer locken Krähen an)
• gemähte Wiesen mit Würmern als Ablenkfutter in der Nähe
• Siloballen vom Erntefeld wegtransportieren und ev. mit Blache decken (keine Netze)
• Ausgebrachte Hofdünger können Krähen anziehen, speziell, wenn sie nicht eingearbeitet werde

Abwehrmassnahmen

Es gibt auch Abwehrmassnahmen, um die Krähen zu vertreiben. (vertreiben)

• Krähenrupfungen: von einer toten Krähe werden die grossen Federn der Schwingen und des Schwanzes in einem Kreis in den Boden gesteckt.
• CD’s, Latex- oder Folienballone mit Helium aufhängen
• tote Krähen aufhängen (geringer bis guter Erfolg, nach Tierseuchengesetzgebung nicht erlaubt)
• akustisch-optisch kombinierte Vogelabwehrgeräte

Keinen Erfolg bringen Vogelscheuchen, Plastikbänder oder aufgehängte Säcke. Meisten lassen sich die Vögel von den oben genannten Massnahmen nicht lange von den Feldern abhalten. Gemäss der Vogelwarte sind Rabenvögel äusserst intelligente und anpassungsfähige Vögel. «Sollen sie wirksam von gefährdeten Kulturen vertrieben oder ferngehalten werden, ist Fantasie und Abwechslung gefragt», hält die Vogelwarte fest.

Machen Sie bei unserer zweistufigen Umfrage mit. Hier gehts zu Frage 2: Was unternehmen Sie gegen Rabenkrähen?

Abschuss

Eine weitere Methode, die Schäden durch Rabenkrähen zu reduzieren, ist der Abschuss. Gemäss der eidgenössischen Gesetzgebung (Jagdgesetz JSG, Stand 2008, und Jagdverordnung JSV, Stand 2012) sind Rabenkrähen jagdbar. Dabei hat die Rabenkrähe eine Schonzeit vom 16. Februar bis 31. Juli. Keine Schonzeit gilt gemäss dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) für im Schwarm und auf gefährdeten landwirtschaftlichen Kulturen auftretende Rabenkrähen. Zuständig für Jagd sind aber die Kantone. Sie regeln und planen die Jagd (Art. 3 Abs. 1 JSG), somit sind die Regelungen kantonal unterschiedlich.

Berner Bauernverband fordert Kanton zum Handeln auf

Von unzumutbaren Schäden durch Krähen in der Landwirtschaft spricht Hansjörg Rüegsegger, Präsident des Berner Bauernverbandes. «Die Berufskollegen, die mich kontaktieren, fühlen sich mit ihrem Problem allein gelassen. Fragt man den Wildhüter um Rat und Unterstützung, so hat dieser oft auch nicht viele Möglichkeiten oder noch öfter wird das Problem heruntergespielt», schreibt Rüegsegger im jüngsten Newsletter.

Er fordert die Berner Regierung auf, aktiv zu werden und nicht weiter auf Zeit zu spielen. «Im Unterschied zu anderen Problemtieren braucht es hierzu auch keine Anpassung der gesetzlichen Grundlagen, sondern nur ein entschlossenes Handeln der zuständigen Behörden», macht er klar.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Verursachen bei Ihnen Krähen Schäden und Ertragsausfälle? Und wenn ja, was unternehmen Sie gegen die Vögel?

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