23.01.2018 17:21
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Umfrage
Umfrage: Wolf ausrotten?
Der Wolf ist in der Schweiz höchst umstritten. Geniesst er vor allem bei der urbanen Bevölkerung viel Sympathie, sorgt Isegrim bei Landwirten wegen Rissen an Nutztieren für rote Köpfe. Der Berner Grossrat Thomas Knutti (SVP) fordert, den Wolf wieder auszurotten. Wie denken Sie darüber? Gehört der Wolf ausgerottet? Oder hat es Platz für das Raubtier? Diskutieren Sie mit und stimmen Sie ab.

Ende des 19. Jahrhunderts war der Wolf in der Schweiz und weiten Teilen Europas praktisch ausgerottet. Dies deshalb, weil durch Überjagung der Wildbestände die Wölfe auf Nutztiere auswichen. Dem Grossraubtier ging es danach an den Kragen.

1995: Rückkehr in die Schweiz

Kleine Populationen in Spanien, Italien und Ost- und Nordeuropa haben überlebt. Als der Wolf 1972 in Italien unter Schutz gestellt wurde, lebten nur noch etwa 100 Tiere im zentralen Apennin. Aus Mangel an natürlicher Beute ernährten sich die Wölfe von Nutztieren und sogar Abfall. Durch den Schutzstatus erholte sich der Bestand und breitete bis in die Alpen aus.

1995 wanderten die ersten Wölfe wieder in die Schweiz ein. Erst Männchen, später Weibchen. Derzeit leben zirka 30 bis 35 Wölfe in der Schweiz. Der erste gesicherte Nachweis eines Wolfrudels in der Schweiz wurde im September 2012 im Calanda erbracht. Mittlerweile gibt es ein Rudel bei Morobbia TI (2015) und bei Turtmann VS (2016).

2017: Mehrere Dutzend Nutztiere gerissen

Der Wolfsbestand in der Schweiz nimmt laufend zu. Und dies führt unweigerlich zu Problemen mit Nutztierhaltern. Der Wolf reisst anders als der Luchs in der Regel nicht ein einziges Tier und bewirtschaftet dieses, sondern gerät in einen regelrechten Blutrausch. Dies kann vielen Tieren aus einer einzigen Herde das Leben kosten.

Im vergangenen Jahr gab es mehrere Wolfsrisse im Kanton Bern. So wurden am Sigriswilergrat, in Gurzelen, Oberwil, Guttannen gegen 20 Schafe und Ziegen getötet. Auf einer Alp im Gemeindegebiet von Maienfeld GR hat ein Wolf 17 Schafe gerissen. In Einsiedeln SZ fielen Anfang Oktober 2017 vier Schafe dem Grossraubtier zum Opfer und in Engelberg OW im August 8 Schafe. Ende Januar 2017 wurden über 30 Schafe im Tessin und Südbünden vom Wolf getötet, im Februar 2017 sprang bei Trun GR ein Wolf gar in einen Stall.

«Wolf soll verschwinden»

Für den Grossrat und Landwirt Thomas Knutti (SVP) ist die rote Linie nun definitiv überschritten. Der Oberländer fordert, dass nun rigoros durchgegriffen wird. «Sonst wird es in den nächsten Jahren nicht gut kommen im Kanton Bern, aber auch in der ganzen Schweiz», sagt er kürzlich gegenüber «Schweizer Bauer». Er will einen Verein um Schutz vor Grossraubtieren gründen. Das Ziel ist unmissverständlich: Der Wolf soll wieder aus den Alpungsgebieten verschwinden.

«Ich bin der Meinung, dass ein Wolf geschossen werden darf, sobald er ein Schaf getötet hat. Heute müssen es 25 Schafe sein. Das ist viel zu viel», macht Knutti deutlich. Das Wolfkonzept des Bundes sei gescheitert. Die Raubtiere würden nur viel kosten und nichts bringen. «Ich bin nach wie vor dafür, dass man dieses Tier wieder ausrottet, dass es wieder ausgerottet werden darf», so sein Standpunkt. Werde gegen den Wolf nicht unternommen, würden immer weniger Bauern die Alpen bestossen, warnt der 45-Jährige. Die Folge wären eine Vergandung und Verwaldung.

25 Nutztiere in einem Monat

Der Wolf ist in der Schweiz streng geschützt. Ein Abschuss ist nur unter bestimmten Bedingungen möglich. Kantone können Abschussbewilligungen für einzelne Wölfe erteilen, wenn diese erheblichen Schaden an Nutztieren anrichten. Ein erheblicher Schaden durch einen einzelnen Wolf liegt vor, wenn er entweder 35 Nutztiere innerhalb von vier Monaten oder 25 Nutztiere innerhalb eines Monats oder mindestens 15 Nutztiere getötet hat, nachdem im Vorjahr bereits Schäden durch Wölfe zu verzeichnen waren.

Für die Verluste wird der Tierhalter nach einer Preisliste der Zuchtverbände vollständig entschädigt. Der Bund trägt 80 Prozent der Kosten, die restliche 20 Prozent die Kantone. Grundlagen zum Umgang mit Grossraubtieren sind das vom Parlament erlassene Jagdgesetz (JSG) und die vom Bundesrat erlassene Jagdverordnung (JSV).

Was meint Ihr, liebe Leserinnen und Leser? Soll man den Wolf wieder ausrotten? Oder ist ein Nebeneinander zwische Raubtier und Nutztier möglich? Mitdiskutieren und abstimmen.

Berner Konvention

In Bezug auf den Schutz von Grossraubtieren spielt die «Berner Konvention» von 1979 nach wie vor eine wichtige Rolle. Das Übereinkommen schützt rund 600 Pflanzenarten, 111 Säugetier-, 363 Vogel- und zahlreiche weitere Tierarten. In der «Berner Konvention» werden Wölfe und Bären als «streng geschützte Arten», der Luchs als «geschützte Art» aufgeführt.

Die Vertragsstaaten dürfen Arten, die in der Konvention als streng geschützt aufgelistet sind, zwar nicht jagdbar erklären, aber die Konvention sieht vor, dass einzelne Tiere zur Verhütung ernsterer Schäden, unter anderem an Viehbeständen (z.B. Wolf) oder im Interesse der öffentlichen Sicherheit (z.B. Bär) entfernt werden können solange keine andere befriedigende Lösung vorliegt. lid


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