27.09.2013 09:13
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Bern
Tote Rehkitze - Uniprojekt wird gestoppt
Nach dem aufsehenerregenden Tod von zwei Dutzend Rehkitzen zieht der Kanton Bern die Notbremse: Er hat ein Wildforschungsprojekt der Universität Zürich per sofort gestoppt. Die Tiere mussten wegen defekten Sender-Halsbändern sterben.

Insgesamt 30 Tiere im Simmental und Kandertal waren mit Sendern ausgerüstet worden. Die Bänder hätten sich mit der Zeit ausdehnen und so der wachsenden Halsgrösse anpassen sollen. Das klappte nur bei sechs Tieren. Zwei starben aus unbekannten Gründen. Den übrigen drohte der Erstickungstod, deshalb wurden sie von Wildhütern erlegt. 

Motion gegen Projekt eingereicht

Die Meldung hatte Anfang September landesweit für Aufsehen gesorgt und auch den Polit-Betrieb in Gang gesetzt. Im bernischen Grossen Rat reichten Politiker von SVP und SP gemeinsam eine Motion ein, «um das Rehfangprojekt der Uni Zürich zu stoppen». Der Vorstoss ist noch hängig. 

Doch die Behörden haben bereits reagiert: Der Kanton Bern habe dem Bund und der Uni Zürich mitgeteilt, dass die Versuche per sofort einzustellen seien, sagte Urs Zaugg vom kantonalen Amt für Landwirtschaft und Natur am Donnerstag im Regionaljournal von Radio SRF. «Eine neue Besenderung von Rehen ist nicht mehr möglich.» 

Grundlagen für Umgang mit Luchs 

Die Studie, die vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) mit mehreren hunderttausend Franken unterstützt wird, untersucht seit 2011 die Auswirkungen von Luchsen auf die Rehpopulation. Die Behörden erhoffen sich wertvolle Informationen für den künftigen Umgang mit dem Luchs. 

Für die Universität Zürich ist der Entscheid des Kantons Bern ein schwerer Schlag, wie Forschungsleiter Lukas Keller gegenüber Radio SRF deutlich machte. Er will das Gespräch mit dem Kanton suchen. Zwar sei das Versagen der Sender-Halsbänder auch für ihn ein Alptraum. Aber er könne sich «einfach nicht vorstellen, dass die Regierung des Kantons Bern kein Interesse an soliden wildbiologischen Studien hat». 

Empa kontrolliert Material

Zur Regulierung der Luchs-Bestände sei ja auch ein Vorstoss im bernischen Kantonsparlament hängig. Eine Antwort dazu sei nur möglich, wenn es wissenschaftlich fundierte Studienergebnisse gebe. «Nun müssen wir schauen, wo wir stehen und welche Aussagen mit den bereits vorliegenden Daten möglich sind», sagte Keller. 

Warum sich die Halsbänder nicht ausdehnten, wird von der Eidg. Materialprüfungsanstalt (EMPA) untersucht.

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