8.03.2016 06:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Wolf
Sind die richtigen Wölfe ausgestorben?
Der Wolf breitet sich in der Schweiz immer mehr aus. Doch sind es tatsächlich Wölfe? Nationalrat Roberto Schmidt (CSP, VS) vermutet, dass viele Wölfe Mischlinge sind. Er verlangt eine unabhängige Untersuchung.

Der Haushund (Canis lupus familiaris) stammt vom Wolf (Canis lupus lupus) ab. Hund und Wolf können sich paaren und Nachkommen haben. Das sind unbestrittene Tatsachen. Aber was bedeutet dies für die Schweizer Wolfspopulation? Nationalrat Roberto Schmidt äussert in einer Motion die Vermutung, dass viele Schweizer Wölfe ebensolche Produkte einer Vermischung sein könnten.

Er will deshalb durch unabhängige, international anerkannte Experten anhand der Morphologie (Erscheinungsbild) abklären lassen, ob es sich bei den Schweizer Wölfen um reine Wölfe oder um Wolfsmischlinge (Hybriden) handelt. Schmidt zielt vor allem auch darauf ab, dass die gängigen DNA-Untersuchungen ab einem bestimmten Einkreuzungsgrad nicht mehr ausreichen würden, um Mischlinge zu bestimmen.

Wolfsmischlinge

Georges Schnydrig, Co-Präsident des Vereins Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere (VRSoGRT), unterstützt die Motion. Er verweist auf Aussagen von Experten, wonach viele  Schweizer Wölfe eigentlich Wolfsmischlinge seien. Er leitet dies etwa auch vom häufig nicht wolfstypischen Verhalten der Schweizer Wölfe her.

«Vonseiten des Bundesamts für Umwelt (Bafu) hat es früher immer geheissen, der Wolf sei nicht sichtbar. Heute kommen aber die Wölfe bis in die Siedlungen. Warum sollen plötzlich so scheue Tiere, wie es der Wolf ist, ihr Verhalten in so kurzer Zeit total geändert haben?» Ein Blick ins Archiv zeigt, dass sich etwa Reinhard Schnidrig (nicht verwandt mit Georges Schnydrig), Leiter der Sektion Wildtiere beim Bafu, sich in früheren Interviews tatsächlich so geäussert hat. «Der Wolf lebt für den Menschen fast unsichtbar», sagte Schnidrig etwa am 12. März 2008 in einem Interview mit dem «Walliser Boten».

Viel Hundeblut

Das wolfsuntypische Verhalten ist aber für Georges Schnydrig nur ein Hinweis darauf, dass die Schweizer Wölfe Hundeblut in ihren Adern haben könnten. Er verweist wiederum auf Expertenaussagen, wonach man dies auch an vielen körperlichen Merkmalen von aktuellen Fotos und erlegten Tieren in ganz Westeuropa sehen könne: «Merkmale wie Pfoten, Krallen, Schwanz, Körperhaltung oder Kopfform können dazu dienen, echte von ‹falschen› Wölfen zu unterscheiden.» Das würden etwa die Untersuchungen des finnischen Forschers Kaj Granlund bestätigen.

Schnydrig verweist etwa auf ein Tier aus dem italienischen Trentino, das als Wolf ausgewiesen werde. «Dieser Kanide weist aber gemäss einer Studie des Schenkenberg-Institutes eindeutige Merkmale von Hybridisierung auf», fügt er an. Was ist aber, wenn solche Wolfsmischlinge als Basis für die genetische Bestimmung von Wölfen herangezogen werden? Denn wenn Wolfsmischlinge in der Datenbank als Wölfe deklariert seien, würden auch Wolfsmischlinge, welche mit der Datenbank abgeglichen würden, als Wölfe ausgewiesen.

Bundesrat will nichts von Wolfshybriden wissen

Schnydrigs Verein habe die in der Schweiz zuständige Uni Lausanne gebeten, ihre Referenzdatenbank für die Wolfs-DNA bekannt zu geben. Eine Antwort lasse weiterhin auf sich warten. «Solange diese Antwort nicht vorliegt und diese, wie in der Motion Schmidt gefordert, nicht von unabhängiger Seite geprüft wird, bleibt in diesem Bereich weiterhin viel Platz für Spekulationen», so Schnydrig.

Doch der Bundesrat will nichts von Wolfshybriden in der Schweiz wissen und lehnt die Motion Schmidt deshalb ab. «In der Schweiz gibt es keine frei lebende Hundepopulation. Deshalb dürfte sich auch in Zukunft kein Handlungsbedarf ergeben», heisst es in der Antwort. Für Schnydrig ist das überhaupt kein griffiges Argument: «Es kann stimmen, dass es in der Schweiz kaum wildernde Hunde gibt. Aber in Italien sehr wohl. Und genau von dort stammt unsere Wolfs- beziehungsweise Wolfsmischlingspopulation.»

Zweimal Wolf

Die Motion Schmidt ist zwar diese Session noch nicht auf dem Programm. Aber am nächsten Mittwoch beschäftigt sich der Ständerat mit zwei anderen Vorstössen zum Thema Wolf: 1. Den Wolf als jagdbare Tierart einstufen (Motion von Ständerat René Imoberdorf, CVP, VS) sowie mit der Standesinitiative «Wolf. Fertig lustig!» des Kantons Wallis. sam

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