12.06.2015 07:04
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Schnecken: Arten gleichen sich an
Die Eindringlinge kennen keine Grenzen. Manche kommen als blinde Passagiere ins Land. Andere siedeln Menschen absichtlich an. Die Verbreitung von Arten ändert sich grundlegend - und das Klima spielt dabei eine wichtige Rolle.

Zu den von Menschen bewusst ausgesetzten Arten gehören Kaninchen in Australien oder die pazifische Auster im Wattenmeer. Dadurch werden die vor Millionen von Jahren entstandenen Verbreitungsmuster ausser Kraft gesetzt, wie Forscher aus Deutschland, Portugal und Österreich im Fachmagazin «Science» berichten.

Mensch hat Grenzen eingerissen

Ozeane und hohe Gebirge können Tiere und Pflanzen kaum überwinden. Deshalb entwickelten sich auf weit voneinander entfernten Inseln und Kontinenten Arten, die nur dort vorkommen. Beispiele dafür sind der Kiwi in Neuseeland oder die Beuteltiere in Australien.

«Der Mensch hat diese Grenzen eingerissen», sagte der Umweltwissenschaftler Hanno Seebens von der Universität Oldenburg (Niedersachsen). Gemeinsam mit vier Kollegen hat er in einer Studie den Angaben zufolge erstmals nachgewiesen, dass Handel und Tourismus die weltweite Verbreitung von Arten grundlegend verändert haben.

Beispiel Landschnecke

Das Team untersuchte am Beispiel von 175 Landschnecken-Arten, wie sich diese in 56 Ländern und Regionen durch den Menschen verbreitet haben. Er und seine Kollegen wollten vor allem wissen, «wie sich die Ähnlichkeit zwischen den Artengemeinschaften verändert hat», so Henrique Miguel Pereira vom Deutschen Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung und der Universität Halle-Wittenberg.

«Das Ergebnis hat selbst uns überrascht», sagte Seebens. Die Verbreitung orientiere sich weltweit an zwei Regionen. «Innerhalb der tropischen Zonen sind sich die Artengemeinschaften sehr ähnlich geworden und innerhalb der gemässigten Zonen auch.» In ihrer Untersuchung haben die Wissenschaftler verglichen, welche Schneckenarten vor der Entdeckung Amerikas in den jeweiligen Gegenden vorkamen und welche dort heute existieren. «Man weiss nicht genau, wie der Status quo vor 1500 war», beschreibt Seebens einen generellen Knackpunkt in der Invasionsökologie.

Weitere Angleichung erwartet

«Wir sind in der Studie davon ausgegangen, dass Experten vor Ort wissen, welche Arten heimisch sind.» Zusätzlich haben die Forscher Datenbanken und Publikationen ausgewertet. Die Ergebnisse lassen sich nach Ansicht von Seebens und seinen Kollegen auch auf andere Organismen wie Pflanzen und Säugetiere übertragen. «Die neuen Verbreitungsmuster sind noch nicht bei allen Arten erkennbar, vermutlich weil sie bei ihnen weniger fortgeschritten sind.» Weitere Studien dazu sollen folgen.

Die Forscher erwarten, dass sich die Artengemeinschaften in Ländern mit einem ähnlichen Klima und intensiven Handelsbeziehungen stärker angleichen werden. In ihrer Studie warnen sie vor einem Verlust der Biodiversität und fordern einen besseren Artenschutz.

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