16.06.2016 09:05
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Australien
Rattenart wegen Klimawandel ausgestorben
Eine seltene Rattenart ist nach Überzeugung von Wissenschaftlern in Australien ausgestorben, und die Experten machen den Klimawandel dafür verantwortlich. Die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte (Melomys rubicola) kam nur auf einer 300 mal 100 Meter grossen Sandinsel vor.

Die Insel Bramble Cay liegt am nördlichsten Ende des Great Barrier Reef, des grössten Korallenriffs der Welt. Dort wurde laut Forschern seit 2009 keine Ratte mehr gesichtet.

Starke Wellen und Erosion

Dies sei der erste dokumentierte Fall eines Säugetieres, das aufgrund des vom Menschen verursachten Klimawandels ausgestorben sei, sagte Luke Leung von der Universität Queensland der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. Er ist Mitautor einer Studie über die Ratten mit dem langen Schwanz, die die Regierung des Bundesstaates Queensland soeben veröffentlicht hat.

«Hauptgrund für das Aussterben sind die hohen Wellen am Strand und die Sturmfluten, die die Insel regelmässig überschwemmen», sagte Leung. Durch Erosion sei die Insel deutlich geschrumpft. «Wir haben den Nachweis, dass das Meerwasser die Vegetation zerstört hat, die die Ratte als Nahrung und Zufluchtsort brauchte.» Die stärkeren Wellen seien auf den Klimawandel zurückzuführen.

Keine Exemplare in Zoos

«Wir sind uns sehr sicher, dass die Ratte ausgestorben ist», sagte Leung. Wissenschaftler seien seit 2009 mehrfach auf der Insel gewesen und hätten Kameras aufgestellt. «Sie wurden nie gesichtet. Wir haben keine Spuren und keinen Kot gefunden.» Die Naturschutzunion IUCN ging 2008 von noch 50 Exemplaren aus. «Ein Taxon (eine Gruppe von Lebewesen) ist ausgestorben, wenn kein begründeter Zweifel vorhanden ist, dass das letzte Individuum gestorben ist», heisst es dort.

Auch in Zoos oder Zuchtstationen gebe es keine überlebenden Exemplare, sagte Leung. Nach seinen Angaben hatten die Behörden einmal versucht, einige Tiere von der Insel zu holen und zu züchten. Langfristig habe dafür aber das Engagement gefehlt.

Im 19. Jahrhundert erstmals beschrieben


Die Ratten wurden Mitte des 19. Jahrhunderts erstmals beschrieben. Noch in den 70er Jahren hätten Hunderte auf der Insel gelebt, sagte Leung. Die Umweltstiftung WWF rief die Regierung auf, mehr zum Schutz gefährdeter Arten zu tun.

Sie verwies auf die verheerenden Folgen der Korallenbleiche, die das Great Barrier Reef in den vergangenen Monaten schwer geschädigt hat. «Das Great Barrier Reef ist jetzt das Gesicht des Klimawandels», meinte Darren Grover vom WWF.

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