25.03.2020 08:40
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forchung
Ratten können Hunger riechen
Eine Wanderratte duftet anders, wenn sie hungrig ist. Und diese Eigenschaft hilft ihr, schneller zu Futter zu kommen, wie Forschende der Universitäten Bern, Neuenburg und Potsdam herausgefunden haben.

Wanderratten sind sehr soziale Tiere: Sie teilen das Futter und putzen sich gegenseitig das Fell. Um an Futter zu kommen, «betteln» sie bei ihren Artgenossen mit Rufen und Gesten.

Diese Kommunikationsform macht aber eine Priorisierung schwierig: Wer benötigt wirklich dringend Futter, und wer täuscht den Hunger nur vor, um noch mehr Futter einzuheimsen?

Eine verlässliche Information ist in diesem Fall der Geruch der bettelnden Ratte. Denn hungrige Ratten riechen offenbar anders als satte Tiere. Diesen Schluss lässt die Studie zu, die im Fachjournal «Plos Biology» publiziert wurde.

Verschiedene Verbindungen

In einem Experiment versorgten die Forschenden Ratten mit Geruchssignalen entweder von hungrigen oder satten Artgenossen, die sich in einem anderen Raum befanden. Die Ratten konnten danach einer anderen anwesenden Ratte Hilfe leisten, schneller an Futter zu kommen, indem sie ein Tablett mit Futter zu dieser hinzogen.

«Wir stellten fest, dass die Ratten schneller Hilfe leisteten, wenn sie Geruchssignale von einer hungrigen Ratte erhielten als von einer satten Ratte», erklärt Karin Schneeberger von der Universität Bern.

Ihr Kollege Gregory Röder von der Universität Neuenburg analysierte anschliessend die Luft in der Umgebung der Ratten. Er konnte sieben verschiedene flüchtige organische Verbindungen identifizieren, die je nachdem entweder bei einer hungrigen oder einer satten Ratte häufiger vorkamen.

Diese Geruchssignale könnten direkt von kürzlich aufgenommenen Nahrungsquellen, von Stoffwechselprozessen bei der Verdauung, oder von einem mutmasslichen Pheromon stammen, das Hunger anzeigt.

«Im Gegensatz zu Rufen und Gestik ist es unwahrscheinlich, dass die Ratten diese Gerüche zu ihrem Vorteil steuern und somit die andern täuschen können», sagt Karin Schneeberger. «Damit stellen sie für die Artgenossen eine ,ehrliche Information' bereit, auf die sich diese verlassen können.»

 

 

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