2.11.2016 12:33
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Brasilien
Mit GV-Mücken gegen Mücken
Ihr Leben hat nur einen Zweck: Es soll Artgenossen den Tod bringen. Mit genetisch veränderten Mücken will eine britische Firma die Ausbreitung des Zika-Virus und anderer Tropenkrankheiten eindämmen.

Paaren sich die männlichen Moskitos aus dem Labor mit den Weibchen der Art Aedes aegypti, erbt der Nachwuchs einen Gendefekt, der ihn sterben lässt, bevor er Menschen gefährlich werden kann.

Zulassung fehlt

Auch die genetisch veränderten Männchen würden bald nach der Paarung sterben, wirbt das Unternehmen Oxitec für seine Methode. Sein Labor im brasilianischen Piracicaba kann Woche für Woche 60 Millionen genveränderte Mücken produzieren. «Das ist die erste und grösste Produktionsstätte ihrer Art», sagte Oxitec-Chef Hadyn Parry. Er plant, ganz Brasilien von Piracicaba aus mit den todbringenden Mücken zu versorgen.

Bislang hat Oxitec jedoch nur einen Abnehmer - die Stadt Piracicaba. Denn noch hat die brasilianische Gesundheitsbehörde Anvisa die Methode nicht zugelassen. Und noch fehlen Belege, dass die Zahl der Zika-Krankheitsfälle beim Menschen nach dem Freisetzen der manipulierten Mücken tatsächlich zurückgeht. Und Umweltschützer warnen.

Bei Feldversuchen getestet


Oxitec ist trotzdem von der Wirksamkeit seiner Methode überzeugt: Nach Feldversuchen 2011 und 2014 in Panama, auf den Kaiman-Inseln und im brasilianischen Bundesstaat Bahia sei die Population der Aedes aegypti um 90 Prozent zurückgegangen, erklärt das Unternehmen. Diese Mücken können neben Zika auch Denguefieber, Gelbfieber und Chikungunyafieber übertragen.

«Wir erwarten die Zulassung durch Anvisa 2017», ist Parry zuversichtlich. Der Stadtpräsident von Piracicaba hat schon jetzt einen Vierjahresvertrag mit Oxitec abgeschlossen. Jede Woche sollen demnach zehn Millionen Labormücken in der Stadt mit 360'000 Einwohnern freigesetzt werden.

Langfristige Folgen unbekannt

Umweltschützer warnen davor, die Gentech-Mücken in grossem Massstab einzusetzen, solange es keine Studien zu den langfristigen Folgen gibt. Karla Tepedino, die bei Oxitec als Biologin arbeitet, weist diese Einwände zurück. «Es gibt drei entscheidende Faktoren für die Übertragung der Krankheiten: die Mücken, das Virus und den Menschen», sagt sie. «Indem wir die Mücken, den Überträger, eliminieren, merzen wir die Krankheit aus.»

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