28.03.2017 06:37
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Forschung
Landwirtschaft hat Beziehung verändert
Sie kann dem Menschen ein geliebtes Haustier sein - oder ein Schreckgespenst: die Hausmaus. Forscher gehen nach neuen Analysen davon aus, dass die komplizierte Beziehung schon deutlich länger besteht als bisher gedacht.

Mäuse leben schon weit länger in menschlichen Gemeinschaften als bisher angenommen. Schon vor 15'000 Jahren habe es Hausmäuse (Mus musculus domesticus) im Gebiet des heutigen Israels gegeben, berichten Forscher im Fachblatt «PNAS».

Vorräte und Müll zogen Mäuse an

«Bisher hatten viele angenommen, dass Hausmäuse erstmals mit dem Menschen zusammengekommen sind, als die Landwirtschaft aufkam», sagt Lior Weissbrod von der Universität Haifa. Dies sei vor etwa 12'000 Jahren gewesen. Stattdessen seien die Tiere bereits im späten Pleistozän aufgetaucht, als sich die umherziehenden Jäger und Sammler niedergelassen hätten, erklären die Forscher um Weissbrod und Thomas Cucchi vom französischen Forschungszentrum CNRS in Paris.

Die Menschen hätten Essensvorräte angelegt, unter anderem mit wildem Getreide, das die Nager vermutlich anzog. Ausserdem warfen die Menschen Nahrungsreste weg. Der Müll liess bestimmte Pflanzen wachsen, die vermutlich ebenfalls für die Hausmäuse interessant waren, wie Weissbrod sagt.

Starker Einfluss des Menschen

Die Hausmaus habe dabei auch zeitweise die eng verwandte Art Mus macedonicus komplett verdrängt. Erstere habe einen längeren Schwanz, einen kürzeren Schädel und ein weisses Bauchfell.

Die Studie zeige, wie stark der Einfluss des Menschen auf seine natürliche Umgebung sei. «Es gab eine überraschend grosse Wirkung des Menschen auf seine Umwelt, bevor die Landwirtschaft aufkam», sagt Weissbrod. Viele Forscher gingen bisher davon aus, dass der Beginn der Landwirtschaft einen Wendepunkt in der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt bedeutet habe. «Nun sieht es danach aus, dass dies viel früher begonnen hat.»

Grosse Debatte der Archäologie

Das frühere Auftauchen der Hausmaus und die Verdrängung der wilden Maus seien zudem ein «starker Hinweis» darauf, dass Menschen Farmer wurden, weil sie sesshaft waren - und nicht anders herum. «Darüber gibt es grundsätzlich eine grosse Diskussion in der Archäologie», erklärt Weissbrod.

Manche Forscher argumentierten, dass die Menschen zwar Behausungen gebaut hätten, aber vielleicht trotzdem immer wieder weitergezogen seien. Dann hätte sich nach Ansicht von Weissbrod die Hausmaus aber nicht so etablieren können. Weissbrod und Cucchi hatten für ihre Studie Backenzähne von Mäusen aus fünf Fundstätten in Israel untersucht. Die Zähne waren zwischen 11'500 und 200'000 Jahre alt. An den Backenzähnen lässt sich die Art erkennen.

Schlechter Ruf kam erst mit der Zeit

Die ersten Hausmäuse hatten nach Ansicht der Forscher übrigens keinen so schlechten Ruf wie heute etwa in Europa. «Das Aufkommen der Landwirtschaft hat die Beziehung zwischen Mäusen und Menschen verändert», sagt Weissbrod. Zuvor hätten die Hausmäuse von den Menschen profitiert, sie aber nicht gestört.

Mit der Landwirtschaft kam die Sorge, dass die Nager das mühsam gezogene Getreide wegfressen. Die Menschen wollten die Mäusevermehrung daher eindämmen und stellten Fallen auf. «Die Maus wurde zur Plage und zur Konkurrenz in Bezug auf Nahrung.»

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