20.02.2013 09:38
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Graubünden
Kein Scheu vor Menschen - Braunbär M13 abgeschossen
Der Risikobär M13 ist am Dienstagmorgen im Puschlav abgeschossen worden, wie die Behörden am Mittwoch mitteilten. Die Behörden stuften ihn als Sicherheitsrisiko ein. Der WWF Schweiz ist über den Abschuss des Bären tief enttäuscht.

Der Bär hatte im Herbst und nun auch nach dem Winterschlaf seine Nahrung immer wieder in Siedlungen gesucht, war Menschen am Tag gefolgt und zeigte trotz wiederholter Vergrämungsaktionen überhaupt keine Scheu mehr.

Abschuss "unausweichlich"

M13 wurde erstmals im Oktober 2011 sowie im Juni 2012 mit einem Sender versehen. In den letzten Monaten war er regelmässig im Kanton Graubünden unterwegs, schreibt das Bundesamt für Umwelt (BAFU) in einem Communiqué. Nachdem der Braunbär seit Anfang Oktober 2012 vermehrt in geschlossene Wohngebiete eingedrungen war, wurde er als Problembär eingestuft.

Im Puschlav suchte er nach Nahrung, immer häufiger auch in Siedlungen. Nach dem Winterschlaf zeigte er überhaupt keine Scheu mehr vor Menschen. Wiederholte Vergrämungsaktionen blieben erfolglos, M13 änderte sein Verhalten nicht. 

Damit wurde er zum Sicherheitsrisiko gemäss Konzept Bär Schweiz, welches für diesen Fall den Abschuss des Tieres vorsieht. «Der  Abschuss wurde entsprechend dem Konzept Bär Schweiz unausweichlich»,  schreiben die Behörden. Behördenvertreter des Kantons Graubünden und des Bundesamts für Umwelt BAFU informieren über den Abschuss des Bären heute Nachmittag anlässlich einer Medienkonferenz in Chur.

Zweiter toter Bär

Der aus Italien eingewanderte M13 war am Ostersamstag letzten Jahres erstmals auf Bündner Boden gesichtet worden. Das nunmehr dreijährige Männchen legte in Graubünden sowie im Länderdreieck Schweiz/Österreich/Italien grössere Strecken zurück und wurde einmal von einer Lokomotive der Rhätischen Bahn angefahren. Im Juli kreuzte der Bär erstmals im Puschlav auf.

M13 ist der zweite Braunbär, der in Graubünden geschossen wurde, weil er zum Risiko für den Menschen geworden war. Das gleiche Schicksal ereilte Mitte April 2008 den ebenfalls aus Oberitalien eingwanderten Bären JJ3. JJ3 hatte den Winterschlaf in Graubünden verbracht und nach dem Erwachen zu oft Nahrung in bewohnten Gebieten gesucht.

WWF: Abschuss kam zu früh

Der WWF Schweiz ist über den Abschuss des Bären M13 in Graubünden tief enttäuscht. «Der Abschuss erfolgte eindeutig zu früh. Viel besser hätte man die Vergrämungsmassnahmen intensiviert und fortgeführt», sagte WWF-Bärenexpertin Joanna Schönenberger.

M13 sei im Gegensatz zu JJ3 sicher kein Problembär gewesen, heisst es in einer Medienmitteilung des WWF Schweiz. Dass er jetzt sterben musste, habe vor allem mit der tiefen Bären-Akzeptanz im Puschlav zu tun - und dies sei wiederum eine Folge mangelnder Information der Bevölkerung. Seit 2006 hätten bereits acht Bären die Schweiz besucht, und es würden auch in Zukunft wieder Jungbären aus dem italienischen Trentino ins Bündnerland einwandern.   

Langfristig führe kein Weg daran vorbei, dass sich die betroffenen Alpenregionen auf die natürliche Rückeinwanderung der Grossraubtiere vorbereiten. Dafür müsse im Puschlav mehr getan werden. Es brauche den Einsatz aller Akteure, vom Bund über den Kanton bis zu den Gemeinden, um gute Erfolge wie im Münstertal auszuweisen.

«Dazu braucht es Präventionsmassnahmen wie geschützte Herden, bärensichere Abfallcontainer und gesicherte Bienenhäuser», erklärte die WWF-Bärenexpertin. Noch wichtiger sei es jetzt jedoch, die Bevölkerung sachlich zu informieren. Denn ausschlaggebend für das Überleben des Braunbären in den Alpen sei die Akzeptanz der Leute, die in den Bärengebieten leben.

Tierschutz: Behörden haben versagt

Aus Sicht des Schweizer Tierschutzes STS haben die Behörden versagt. Einmal mehr hätten die Verantwortlichen den einfachen Weg gewählt: «Der Bär wurde zum Risikobären - mit tödlichen Folgen für das Tier.» Pro Natura fordert ein verstärktes Engagement des Kantons Graubünden, damit die Regionen auf weiteren Bärenbesuch vorbereitet sind.

Drei tote Bärenbrüder

Der im Puschlav erlegte M13 ist der letzte überlebende Braunbär aus einem Dreier-Wurf gewesen. Seine Brüder starben schon früher - durch Autounfälle. M12, M13 und M14 - die drei Brüder, die sich vom italienischen Trentino aufmachten, um die Welt zu erkunden, hatten auf ihrer Wanderschaft kein Glück.

Zuerst traf es M12. Der Jungbär wurde Anfang Juni letzten Jahres im Südtirol auf der Schnellstrasse zwischen Meran und Bozen von einem Auto totgefahren. Bereits im April hatte es M14 getroffen. Der Jungbär wurde auf der Brenner-Autobahn, nördlich von Bozen, von einem Personenwagen erfasst und tödlich verletzt.

Nach dem Abschuss von M13 im Puschlav lebt keiner der drei Bärenbrüder mehr. Andere Bären werden vermutlich ihren Spuren folgen, denn die Population im Trentino wächst stetig. Sie wird auf rund 30 Bären geschätzt. Die Tiere stammen hauptsächlich aus dem Wiederansiedlungsprojekt «Life Ursus» im Naturpark Adamello Brenta.

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