16.10.2018 13:20
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Tierarten
Fast ausgestorbene Alpschweine zurück
Sie waren fast ausgestorben und sind nun zurück in der Schweiz: Zwei Schwarze Alpschweine haben im Natur- und Tierparks Goldau ihr Revier bezogen. Die Allesfresser teilen sich ihre Anlage zusammen mit den Hausschweinen.

Nach etwas über zwei Monaten in der Quarantänestation zogen die Schwarzen Alpenschweine in den Haustierpark, wo sie am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Pfleger tauften die Tiere aus Österreich auf die Namen Vreni und Gusti.

Geschaffen für Bergweiden

Die Sau ist zweijährig, der Eber an ihrer Seite jährig, wie Parkdirektorin Anna Baumann gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. Wahrscheinlich im nächsten Frühling könne man mit Nachwuchs rechnen. Die Tiere mit ihren langen, kräftigen Beinen und dem kurzen Rumpf sind wie geschaffen für Bergweiden. Vor über hundert Jahren waren sie im Alpenraum denn auch in grosser Zahl anzutreffen.

Dank ihrer dunklen Färbung sind sie nicht sonnenbrandgefährdet und können im Gegensatz zu modernen Rassen ganztags draussen sein. Sie seien nicht nur ein Kulturgut, sondern auch ökologisch interessant, schreibt der Tierpark. Doch die urtümlichen Schweinerassen wurden im Verlauf der Zeit von fremden Leistungsrassen verdrängt.

Vor 40 Jahren verschwunden


Dabei sei das Fleisch der Alpenschweine besonders bekömmlich, schwärmte Baumann. Dies, wegen der Maserung des Fetts im Muskel drin und nicht um den Muskel herum. In erster Linie sei das Paar nun aber für die Zucht da. Bis vor rund vierzig Jahren überlebten am Splügen und am Lukmanier Reste der alten Bündner Schweine - als ProSpecieRara in den 80er-Jahren auf die Suche nach den Tieren ging, waren aber auch diese letzten Vertreter verschwunden und somit diese Rassen in der Schweiz ausgestorben.

Die Schweine wurden auf die für Kühe aus ernährungstechnischer Sicht wertlosen Lägerfluren aufgetrieben, wo sie die Pflanzen auf den Böden abweideten respektive durch ihre Grabungstätigkeit eine teilweise Verbesserung der Weidevegetation bewirkten, heisst es auf alpenschwein.org. So wurden unter anderem Blacken- respektive Ampfer-Felder für die Fütterung der Alpschwein genutzt. Die Schweine durften nach Belieben im Erdreich wühlen (Wurzeln, Mäuse, Käfer-Engerlinge). Damit wurde der Verkrautung entgegengewirkt und die durch Viehtritt verdichteten Böden gelockert.

Zufallsfund im Veltlin

Dass der Park um diese tierische Attraktion reicher ist, grenzt laut seinen Aussagen an ein Wunder. Denn 2013 wurde im Veltlin auf einem Lehrbauernhof noch einige Tiere entdeckt. Mit diesen allein hätte man wegen Inzucht nicht weiter züchten können, doch mit gezielter Nachsuche konnten zwei weitere Reliktpopulationen der schwarzen und gescheckten Alpenschweine gefunden werden, nämlich von den gescheckten Samolaco und den Südtiroler Schweinen.

Das alpine Netzwerk «Pro Patrimonio Montano» übernahm die Weiterzucht und baute einen Bestand von über 40 Zuchtgruppen auf. Nach langer Vorarbeit kommen nun erstmals wieder Zuchtgruppen der Schwarzen Alpenschweine in die Schweiz zurück - unter anderem in den Natur- und Tierpark Goldau, der eine der vier Zuchtgruppen in der Schweiz hält und so zum Erhalt der Alpenschweine beiträgt.

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