24.12.2017 16:30
Quelle: schweizerbauer.ch - lid
Wildtiere (2/9)
Der umstrittene Rückkehrer
1971 kam der Luchs zurück in die Schweiz, 1995 der Wolf und 2005 auch der Bär. Doch seit diese Grossraubtiere im 19. Jahrhundert ausgerottet wurden und durch eine unkontrollierte Übernutzung der Wälder auch keine Lebensgrundlage mehr fanden ist viel Zeit vergangen. Sie kehren zwar in eine wiederaufgeforstete Landschaft mit gesunden Wildbeständen zurück – doch sind Konflikte vorprogrammiert.

Wie der Luchs wurde auch der Wolf in der Schweiz und in weiten Teilen Europas Ende des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Die Wildbestände in den Wäldern waren durch Überbejagung knapp geworden. Wölfe wichen vermehrt auf Nutztiere aus, was die Konflikte mit Menschen verschärfte. Sie wurden systematisch erschossen, gefangen und vergiftet.

In Italien, Spanien, sowie Ost- und Nordeuropa haben kleine Bestände überlebt. Als der Wolf 1972 in Italien unter Schutz gestellt wurde, gab es dort nur noch etwa 100 Tiere im zentralen Apennin. Aus Mangel an natürlicher Beute ernährten sich die Wölfe von Nutztieren und sogar Abfall. Durch den Schutzstatus hat sich die Population wieder erholt und bis in die Alpen ausgebreitet. 1995 wanderten die ersten Wölfe aus Italien und Frankreich in die Schweiz ein. Erst wanderten junge Männchen ein, einige Zeit später folgten die ersten Weibchen.

30 bis 35 Wölfe

Von allen Wölfen die zwischen 1998 und 2016 in die Schweiz eingewandert sind, wurden 9 mit Bewilligung abgeschossen. Derzeit leben zirka 30 bis 35 Wölfe in der Schweiz, die oft auf der Durchreise sind und grosse Gebiete durchstreifen. Der erste gesicherte Nachweis eines Wolfrudels in der Schweiz wurde im September 2012 erbracht.

Die am Calanda lebenden Wölfe hatten Nachwuchs bekommen. Das Calanda-Rudel hat seither jedes Jahr erfolgreich Junge aufgezogen. Ein zweites Rudel siedelte sich 2015 in Morobbia östlich von Bellinzona im Kanton Tessin an. Im Sommer 2016 wurde ein drittes Rudel im Augstbordgebiet im Oberwallis nachgewiesen, im Jahr 2017 fehlt bis jetzt der Nachweis von Reproduktion.

Rudel- und Populationsbildung


Der Wolf verbreitet sich immer mehr. "Seine Bestände nehmen zu und er ist in immer mehr Kantonen vertreten", sagt von Arx. Das Rudel, das sich in der Gegend um Jaun und Schwarzsee zu bilden begann, ist der Wilderei zum Opfer gefallen. F13, die Partnerin von M64, ist im Juni 2017 vergiftet aufgefunden worden. Damit ist die Rudelbildung unterbunden worden.

"Allgemein lässt sich feststellen, dass die Rudel- und Populationsbildung in der Schweiz im Vergleich zu anderen Ländern wie Deutschland oder Frankreich nur langsam vorangeht", sagt von Arx.

Mensch und Wolf

Der Wolf ist normalerweise scheu und nur in Ausnahmesituationen gefährlich für den Menschen. Diese können entstehen, wenn sich das Tier in die Enge getrieben fühlt oder durch Anfüttern die Scheu verliert und dreistes Verhalten entwickelt. Aus einigen europäischen Ländern wurden Fälle von aggressivem Verhalten von Wölfen gegenüber Menschen berichtet. Jedoch gab es seit über 40 Jahren trotz zunehmender Wolfsbestände keinen Todesfall mehr. Die überragende Mehrheit von aggressivem Verhalten geht auf tollwütige Wölfe (vor allem in Osteuropa) oder Selbstverteidigung der Wölfe zurück.

Klar ist, dass die viele Menschen Angst vor Wölfen haben. Das negative Bild vom "bösen Wolf" ist stark verankert. Durch das Verhalten bei seinen Rissen wird dieses Bild weiter verstärkt. Der Wolf reisst anders als der Luchs in der Regel nicht ein einziges Tier und bewirtschaftet dieses, sondern gerät in einen regelrechten Blutrausch. Dies kann vielen Tieren aus einer einzigen Herde das Leben kosten.

Kurzporträt Wolf (Canis lupus)

Aussehen: Ähnelt in der Gestalt einem Schäferhund, jedoch hochbeiniger und schlanker, mit etwas kürzerem Schwanz und weniger spitzen Ohren. Beige-graues Fell mit heller Gesichtsmaske

Gewicht: in Mitteleuropa zirka 30 Kilo

Verbreitung: Ursprüngliche Verbreitung von Nordamerika bis Europa und Asien

Habitat: Sehr anpassungsfähig, kommt in der arktischen Tundra, Wäldern, Steppen, Wüsten und sogar stark zersiedelten Gebieten zurecht

Raum- und Sozialstruktur: Lebt in Rudeln in Territorien

Paarungszeit: Januar bis März

Tragzeit: zirka 63 Tage

Wurfgrösse: 3 bis 8 Junge, im Alter von 10 Monaten bis 2 Jahren Abwanderung über weite Strecken (bis 1500 km)

Nahrung: Hirsche, Rehe, Gämsen, in Südeuropa auch Wildschweine. Tötet gelegentlich Füchse, Nutztiere und Kleinsäuger

Status in der Jagdverordnung: geschützt mit Ausnahmen

 

 

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