3.09.2013 12:06
Quelle: schweizerbauer.ch - sda
Wallis
Der Gommer Wolf ist tot!
Berufswildhüter haben am Montagabend im Obergoms den vom Kanton Wallis zum Abschuss freigegebenen Wolf getötet. Vor dem Abschuss war der Wolf offenbar im Begriff, eine Schafherde anzugreifen. Er verletzte mindestens ein Schaf. Die Freigabe zum Abschuss war vergangene Woche erteilt worden.

Der Wolf hatte vom 21. Juli bis am 24. August insgesamt 39 Schafe getötet, wie der Kanton Wallis in einer Medienmitteilung vom Dienstag festhielt. Gemäss dem Konzept Wolf Schweiz wurde das abgeschossene Tier dem Tierspital Bern zur Analyse übergeben. 

Einwände gegen Abschuss

Der Wolf war vom Kanton am letzten Freitag zum Abschuss freigegeben worden. Der Bund hatte allerdings Einwände. Umstritten war die Zone, in welcher der Wolf geschossen werden soll. Denn der Wolf hat gleich an mehreren Orten zugeschlagen. Die meisten Tiere riss er auf Alpen, auf denen zurzeit keine Herdenschutzmassnahmen ergriffen werden können. Im Frühling riss ein Wolf aber auch zwei Schafe in tiefer gelegenen Landwirtschaftszonen. 

Der Kanton Wallis erteilte deshalb eine Abschussbewilligung sowohl für die Umgebung der nicht schützbaren Alpen als auch für die Landwirtschaftszone. Mit dem Wolfabschuss im Perimeter der nicht schützbaren Alpen war das Bundesamt für Umwelt (BAFU) einverstanden, mit dem Abschuss im Tal hingegen nicht. Ein solcher sei illegal, hiess es. 

Nun hat sich die Diskussion um den Abschussort erledigt, die Walliser Wildhüter schossen den Wolf im unumstrittenen, akzeptierten Gebiet. «Der Abschuss erfolgte im bewilligten, von der Interkantonalen Kommission beschlossenen Perimeter», hält der Kanton Wallis in seiner Medienmitteilung fest.

Die Freigabe zum Abschuss war vergangene Woche von den Umweltverbänden Pro Natura und WWF scharf kritisiert worden. Auch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) war mit dem Entscheid nur teilweise einverstanden. 

Mindestens 20 Wölfe leben in der Schweiz

In der Schweiz leben gemäss Schätzung des BAFU mindestens 20 Wölfe, die meisten davon im Wallis und im Bündnerland. Seit der Rückkehr des Wolfes in die Schweiz 1995 sind insgesamt 13 dieser Grossraubtiere zum Abschuss freigegeben worden. Acht Wölfe wurden erlegt, sieben im Wallis und einer in Graubünden. 

Ein Abschuss wird nur dann bewilligt, wenn ein Wolf in vier Monaten mindestens 35 Nutztiere oder in einem Monat mindestens 25 Nutztiere gerissen hat. Der Bund fördert Schutzmassnahmen wie etwa die Haltung von Herdenschutzhunden, um Konflikte zwischen Tierhaltern und Wölfen möglichst zu vermeiden.

Pro Natura will Gespräch

Die Umweltorganisation Pro Natura bedauert den Abschuss des Wolfs im Obergoms. Sie fordert ein Gespräch mit dem zuständigen Walliser Staatsrat Jacques Melly, um zu klären, was es in Zukunft für Alternativen gäbe. 

«Empfehlungen, wie dieses immer gleiche Ritual durchbrochen werden könnte, lagen schon vor der Alpsaison auf dem Tisch», schrieb Pro Natura am Dienstag. Im Auftrag von Melly seien die Strukturen der Walliser Schafalpen untersucht worden, um bessere Voraussetzungen für den Schutz der Schafe zu ermöglichen. 

«Aus dieser Alpplanung wurden für die betroffenen Alpen im Goms bereits im Sommer 2013 umsetzbare konkrete Empfehlungen abgeleitet.» Die Organisation suche in den kommenden Tagen das direkte Gespräch mit Melly, um Lösungen für Schaf und Wolf zu finden.

WWF kritisiert Abschuss

Die Umweltorganisation WWF hat den Abschuss des Wolfes im Goms am Dienstag als «kurzsichtig und falsch» bezeichnet. Der WWF fordert das Wallis dazu auf, die Schafhalter bei der Einrichtung von Herdenschutzmassnahmen gezielt zu unterstützen. 

«Im Wallis vertraut man offenbar noch immer auf die Flinte. Doch damit versperrt sich der Kanton nur den Weg für nachhaltige Lösungen», wird Kurt Eichenberger vom WWF Oberwallis in der Medienmitteilung zitiert. Dass es auch anders gehe, zeige gerade das Beispiel Goms. Seit wenigen Jahren würden dort die Schafe auf einigen Alpen mit Herdenschutzhunden oder Hirten geschützt. Auf diesen geschützten Weiden sei in diesem Jahr kein einziges Schaf vom Wolf gerissen worden. 

Ins Wallis wanderten Wölfe aus Italien, Frankreich und auch aus Graubünden ein, hielt der WWF fest. Diese natürliche Zuwanderung werde auch nach dem Abschuss nicht abnehmen.

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