18.05.2016 06:14
Quelle: schweizerbauer.ch - Samuel Krähenbühl
Grossraubtiere
Das Schweigekartell der Wolfsfreunde
Noch hat der Alpsommer längst nicht begonnen. Doch der Wolf schlägt bereits jetzt wieder zu. Immer häufiger auch in der Nähe von Siedlungen. Doch in den meisten Medien liest und hört man nichts davon.

«Es war bereits der sechste Angriff in diesem Frühjahr im Augstbord-Gebiet. Insgesamt töteten Wölfe dabei 24 Schafe.» Das schrieb der «Walliser Bote» am 7. Mai. Dies, nachdem von einem Esel geschützte Schafe bei Ergisch VS gerissen wurden. Bereits am 11. Mai vermeldete der «Walliser Bote» die nächsten Wolfsrisse. In einem elektrifizierten Gehege mit 16 Schwarznasenschafen nahe des Sportplatzes in Bürchen VS biss der Wolf drei Lämmer zu Tode.

Eine Recherche im Schweizer Mediendienst (SMD) zeigt, dass neben dem «Walliser Boten» nur gerade der «Schweizer Bauer» diese gehäuften Angriffe mitten im Siedlungsgebiet vermeldete. Selbst die grösste Schweizer Boulevardzeitung die immer wieder «Interesse» an der Landwirtschaft zeigt und  im letzten Monat nicht weniger als 34 Artikel zum angeblichen «Bauland-Skandal» von Bundesrat Guy Parmelin geschrieben hat, äussert sich nicht zu den gehäuften Wolfsattacken.

Auch in Zentralschweiz

Ähnliches Muster in der Zentralschweiz. Nur die regional verankerte «Neue Luzerner Zeitung» (NLZ) berichtete – zufällig ebenfalls am 11. Mai – über die mutmasslichen Wolfsrisse im Frohmattli in Buochs NW, wo ein Schaf getötet und zwei verletzt wurden. Eine interessante Parallele zu den Fällen im Wallis ist, dass auch in der Zentralschweiz der Wolf nicht nur während der Sömmerungssaison auf ungehüteten Hochalpen wildert, sondern im Talgebiet mitten im Siedlungsgebiet. Die Risse im Frohmattli erfolgten in der Nähe der Kirche gleich oberhalb der Autobahn. «Fakt ist: Noch nie wurden in Nidwalden so viele Sichtungen und Vorfälle mit dem Wolf gemeldet wie in den letzten Wochen», hiess es in der NLZ weiter. Neben dem Riss vom 6. Mai in Buochs werden ein Schafriss am 28. April in Emmetten NW sowie Rehrisse am 11. April in Seelisberg UR vermeldet.  Aber auch im Falle der Zentralschweizer Wolfsrisse berichten ausser der Lokalzeitung keine  Medien über die Vorfälle.

Nur Sichtung vermeldet

Einzig die Meldung, dass ein Wolf in Seelisberg UR in eine Fotofalle getappt sei, wurde am 15.April von mehreren Medien vermeldet. Das ist auch nicht weiter erstaunlich, denn die an und für sich harmlose Sichtung in Seelisberg, bei der allerdings die Rehrisse im gleichen Gebiet verschwiegen wurden, wurde von der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) vermeldet. Weder die Risse in Ergisch VS, noch die Risse in Bürchen VS, noch die Risse in Buochs NW, noch die Risse in Emmetten wurden von der SDA vermeldet. Weil die SDA schweizweit keine Konkurrenz hat, dominiert in  Newsportalen, Gratiszeitungen  und  bezahlten Tageszeitungen fast nur die Meinung der SDA.

SDA verschweigt Fälle

Dass in der Schweiz meist  nur noch Ereignisse aufgenommen werden, über welche  die SDA berichtet, zeigte sich an der letzten Meldung der SDA zu einem Wolfsriss. Am 14. April hatte die SDA vermeldet, dass einer der Wölfe der Augstbord-Region in Zeneggen «vermutlich» drei Schafe gerissen habe.  Und diese Meldung brachte es dann auch sogleich zu 25 Einträgen im Mediendienst.  «20 Minuten», «Blick», «cash Online», «Bündner Tagblatt», «Berner Zeitung», «Zürichsee-Zeitung», «Bieler Tagblatt» und so weiter und so fort brachten die Meldung. «Zum Angriff kam es in der Nacht auf Dienstag auf einer Wiese mit einem Zaun, der nicht elektrisch geladen war», schrieb die SDA damals wörtlich.

Der Fall in Ergisch VS, wo die Lämmer hinter einem  elektrischen Zaun gerissen wurden, passte dann  ideologisch nicht mehr ins Konzept und wurde wohl deshalb von der SDA — und mit ihr von fast allen Schweizer Medien — totgeschwiegen. Genau gleich wie die Risse in Bürchen, Buochs, Emmetten oder Seelisberg.

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