3.07.2013 16:00
Quelle: schweizerbauer.ch - blu/sda
Graubünden
Bündner Hirschbestand hat tragbare Grösse erreicht
Die Bündner Regierung will das stetige Anwachsen der Hirschpopulation im Alpenkanton stoppen. Jäger sollen dieses Jahr mehr Tiere schiessen. Primär will man so die Wälder entlastet. Gleichzeitig soll über die Hirschjagd die Grösse des Wolfsrudels am Calanda beeinflusst werden.

Mit 15'000 Tieren habe die Hirschpopulation im Frühjahr die für Schutzwälder gerade noch tragbare Grösse erreicht, sagte der Vorsteher des Amtes für Jagd und Fischerei, Georg Brosi, am Mittwoch in Chur vor den Medien. Die Wälder würden stark unter Verbissschäden leiden.

Aktuell sind gemäss Angaben der Bündner Regierung 14 Prozent der gesamten Waldfläche vom Wild so stark genutzt, dass die natürliche Verjüngung (Selbstregulierung) in einzelnen Gegenden nicht mehr möglich ist. Bei jungen Bäumen werden die Knospen abgeäst oder die Rinde so stark beschädigt, dass sie direkt oder langsam absterben. Deshalb soll der Hirschbestand stabilisiert und in einzelnen Regionen gar reduziert werden. 

Gleich viele Abschüsse wie 2012 bewilligt

Das Abschuss-Soll für die Jagd im Herbst wurde erneut erhöht. Bündner Jäger sollen 4645 Hirsche erlegen, 185 mehr als im Vorjahr. Die Abschuss-Vorgaben sind für nahezu alle Jagdregionen im erhöht worden. Die Erholung der Wildbeständehat auch zu weiteren neuen Jagdmöglichkeiten geführt. Im letzten Herbst wurde das 20'000ste Tier seit Einführung der Steinwildjagd (1977) erlegt.

Rund um das Calanda-Massiv im Churer Rheintal, wo seit letztem Jahr das erste Wolfsrudel der Schweiz lebt, wurden die Abschusspläne Angesichts der Wolfspräsenz zwar nicht erhöht, aber eben auch nicht gesenkt. Jäger sollen gleich viele Hirsche schiessen wie 2012, obwohl das Amt für Jagd damit rechnet, dass die Grossraubtiere eine beträchtliche Anzahl Hirsche reissen werden. 

Die Grösse des Wolfsrudels lenken 

«Wir sind nicht bereit den Wölfen unsere Hirsche zu überlassen», sagte Jagdinspektor Brosi. Man stelle sich der Konkurrenz. Mit der «doppelten» Jagd auf Hirsche im Wolfsgebiet wird zudem indirekt die Grösse des Wolfsrudels beeinflusst. Die Anzahl der Grossraubtiere werde von der Schalenwild-Population bestimmt, zu der die Hirsche zählen, erklärte Brosi. «Es wäre falsch, wenn die Wölfe freie Bahn hätten», meinte er. 

Der Hirsch ist eine sehr anpassungsfähige und fortpflanzungsfreudige Wildart. Die artgerechte Regulierung ist eine Nagelprobe für jedes Jagdsystem, heisst es im Communiqué der Regierung. Die Art sei intelligent, langlebig, robust, äusserst mobil und könne grosse Wanderungen unternehmen. Negative Erfahrungen werden unter den Tieren effizient weitergegeben. Der Hirsch hat sich im Laufe der Evolution zusammen mit dem Wolf entwickelt. Es sei deshalb nicht verwunderlich, dass er sich auch an den modernen Jäger anpassen könne, schreibt die Bündner Regierung.

«Die Konkurrenzsituation ist erwünscht», sagte der zuständige Regierungsrat Mario Cavigelli zur Nachrichtenagentur sda. Eine «vollkommen freie Reproduktion der Wölfe unter vollständigem Schutz» sei nicht gewollt. Laut dem Forstdirektor gilt die Gleichwertigkeit der Interessen, die der Interessen der Jäger an einer Nutzung des Wildes und die des Naturschutzes an einer breiten Biodiversität.

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