17.11.2017 08:20
Quelle: schweizerbauer.ch - Christian Lanz
Zürich
Biber macht Bauern zu schaffen
Nicht nur im Kanton Zürich hat sich in den letzten Jahren ein solider Biberbestand entwickelt. Eine zunehmende Herausforderung stellt der Umgang mit dem geschützten Nager in der Kulturlandschaft dar.

Obwohl der Biber um 1800 in der Schweiz ausgerottet wurde, leben heute schweizweit schätzungsweise wieder über 2800 Tiere. Die emsigen Nager sind wahre Meister ihres Fachs: Sie fällen Bäume und stauen Gewässer. Ihre Aktivitäten sorgen insbesondere bei den Bauern vielfach für Ärger, es kommt in der Folge zu Nutzungskonflikten.

Staut der Biber etwa einen Bach, kann das Wasser das angrenzende Ackerland überschwemmen. Mit andern Worten: Die meisten Landwirte haben mehr Probleme als Freude mit ihm. Wo ortet der Zürcher Bauernverband (ZBV) das grösste Konfliktpotenzial zwischen Landwirten und dem Biber?

«Grundsätzlich stellen wir zwei grössere Konflikte fest», sagt Ferdi Hodel, Geschäftsführer des ZBV. «Zum einen fliessen durch den Rückstau der Biberbauten Drainageleitungen nicht mehr ab, und die Böden vernässen. Dabei werden oft auch Infrastrukturbauten beschädigt. Zum anderen müssen sich die Biber durch das rasante Wachstum der Population zusätzliche Reviere suchen und stossen dabei in immer neue Gegenden vor, wo neue Konflikte entstehen.»

Um Schäden durch den Biber in vertretbaren Grenzen zu halten, gäbe es für Landwirte mehrere Optionen, hält Hodel fest. «Generell wurde der Schutz des Bibers gelockert, und es sind verschiedene Massnahmen möglich. Am besten nehmen die Landwirte mit den Gemeinden und der Biber-Fachstelle Kontakt auf, um die geeigneten Vorkehrungen zu treffen.»

Zahlreiche Probleme

Die Beziehung zwischen Mensch und Biber war seit je von Konflikten geprägt. Der wertvolle Pelz des fleissigen Nagers war begehrt, und das Fleisch, das in der Fastenzeit verzehrt wurde, war beliebt. Auch das Bibergeil, ein Drüsensekret, diente Anfang des 19. Jahrhunderts noch als Wundermedizin gegen Krankheiten. Die damals weit verbreitete Ansicht, der Biber sei ein Fisch- und Krebsfresser, trug auch nicht besonders zum positiven Image des vegetarisch lebenden Nagers bei.

1958 erfolgte die erste Aussetzung von Bibern in der Schweiz, weitere kamen später dazu. Doch das enge Nebeneinander von Mensch und Biber kann auch zu Problemen führen, etwa indem der Nager Bäume in Obstgärten und Forstbeständen fällt, Strassen und Wege unterhöhlt oder Schäden in landwirtschaftlichen Kulturen anrichtet. 

Wirkungsvolle Sperren

Im Konfliktfall wird deshalb heute rasch nach Lösungen gesucht. Als Schlichtungsstelle zwischen Mensch und Biber gibt es unterdessen im Kanton Zürich eine Biberfachstelle, die von der Greifensee-Stiftung geführt wird. Die Fachstelle ist in sämtlichen Biberfragen innerhalb des Kantons Zürich die erste Anlaufstelle. Zu den individuellen Massnahmen, die sie trifft, gehören beispielsweise die künstliche Tiefhaltung der vom Biber verursachten Stauflächen mittels Abflussrohren oder auch Bibersperren, um den Bau von Biberdämmen ganz zu verhindern.

Die Ausstellung «Baumeister Biber» im Naturmuseum Winterthur dauert bis 18. März 2018. Infos: www.natur.winterthur.ch.

SCHWEIZER BAUER
BEKANNTSCHAFTEN
DER SCHWEIZER BAUER AUF YOUTUBE