25.05.2019 15:06
Quelle: schweizerbauer.ch - Interview: Anja Tschannen
Swiss Silk
«Bestimmen Preis und Menge selber»
Ueli Ramseier ist Präsident von Swiss Silk (Schweizer Seide). Die Organisation feiert ihr zehnjähriges Bestehen und eröffnet am Sonntag die Jubiläumsausstellung "Renaissance der Seide" in Hinterkappelen BE. Mit Video.

«Schweizer Bauer»: Vor zehn Jahren wurde Swiss Silk gegründet, was hat sich seitdem getan?
Ueli Ramseier:Auf technischer Ebene konnte die ganze Verarbeitungskette -vom Maulbeerbaum bis zum fertigen Textil- aufgebaut werden. Wir haben den Markt erschlossen und können so zusätzliche Einkommen auf Bauernhöfen generieren. Vor allem aber haben wir das grundsätzliche Ziel, nämlich das Thema Seide wieder zu beleben sprich die Schweizer Seidenproduktion in die Köpfe der Menschen zu bringen, erreicht.

Wie viele Bauern halten Seidenraupen? 
Auf insgesamt 12 Betrieben werden Seidenraupen gehalten, 4 davon machen 80% der Produktion aus. 

Was muss ein Betrieb mitbringen um Raupen zu züchten?
Etwa 50 Aren Land für den Anbau der Maulbeerbäume (Futterpflanze für die Seidenraupen), ein freier, beheizbarer Raum und Zeit zum Lernen. Finanziell sind die Investitionskosten unbedeutend, aber es braucht Zeit um das Handwerk zu erlernen. Rund 3 bis 4 Jahre bis man es richtig kann. Zudem muss die Kapazität vorhanden sein, um die Arbeitsspitzen abdecken zu können. Produziert wird saisonal. Die letzten fünf Tagen des Raupenzykluses, welcher 1 Monat dauert, sind sehr arbeitsintensiv. Dies lässt sich jedoch mit einer guten Organisation gut handhaben. Im Schnitt werden pro Saison zwei bis drei Zyklen pro Betrieb durchgeführt. Wir warten jeweils bis die Spätfröste und die Spritzsaison durch sind, damit die einwandfreie Futterqualität für die sensiblen Raupen gewährt ist. Das heisst, dass in der Regel in der Zeit vom Juli bis September Seidenraupen gehalten werden.

Wie hoch ist der Stundenlohn?
Mit Führungen und Hofverkauf liegt der Stundenlohn bei 18 Franken. Bei reiner Kokonprodiktion kommt man auf einen Stundenlohn von 8 Franken. Beides ist ohne Direktzahlungen gerechnet. Führungen und Hofverkauf sind unabdingbar um auf einen guten Stundenlohn zu kommen. Wir sind sechs Betriebe die Führungen anbieten, wir haben jährlich zwischen 2000 bis 2500 Besucher.

Zu was wird die Seide verarbeitet?

Swiss Silk verarbeitet die Seide zu Meterware (Damast, Organza, Twill, Doppel-Jacquard), zu Foulards, Schals und Accessoires, wie Seidenportemonnaies. Unsere Geschäfts-Kunden (Business to Business) kaufen die Rohseide oder das Garn ein und verarbeiten sie dann selber weiter zum Beispiel zu Haute Couture-Kleidern. Wir verkaufen aber auch unverarbeitet Produkte (Seiden-Kokons, Kibiso, Fadengewirr und Rohseide) zum Basteln. 

Wer nimmt Schweizer Seide ab? 
Rund ein Drittel der Rohseide wird über die Hofläden und übers Internet verkauft, den Rest nehmen unsere insgesamt 12 Geschäftskunden ab.

Wie hat sich die Differenz von Schweizer Seide zum  Weltmarktpreis verändert?
Sie hat sich leicht verringert. Der Weltmarktpreis für ein Kilogramm Rohseide liegt bei 60 bis 70 Franken, der für Schweizer Seide bei 500 Franken. Der Weltmarktpreis ist in den letzten Jahren gestiegen, dies vor allem weil China, welches 60 Prozent der Weltproduktion abdeckt, auf den Höfen mit Überalterung und Umweltproblemen zu kämpfen hat. Der Weltmarktpreis ist aber für Swiss Silk nicht relevant, weil wir uns total ausserhalb dieses Marktes bewegen. Wir befinden uns in einer absoluten Mini-Nische und produzieren immer nur soviel wie der Markt hergibt. 

Wurden neue Sorten von Maulbeersträuchern eingesetzt? 
Weltweit gibt es über 2500 Varietäten von Maulbeerbäumen. Wir haben 36 Sorten ausprobiert und setzten heute auf unseren Anlagen hauptsächlich die Sorte morus alba kokuso21 ein. Seine Blätter haben sehr gute Futterwerte für unsere Raupen.

Wie viele Raupen waren für die Seidenproduktion von  125kg in den letzten 10 Jahren nötig?
Dafür wurden 322'000  Kokons verarbeitet. Ein Kokon ist übrigens 2 Gramm schwer, die Ausbeute davon beträgt rund 0,4 Gramm Seide.

Gibt es einen Zielwert für die jährliche Seidenproduktion aus?
Der Zielwert liegt bei 75 bis 150 kg Seide pro Jahr. Wir machen unsere Produktion aber vom Markt abhängig. Wenn wir mehr Geschäfts-Kunden gewinnen können, werden wir die Menge vergrössern.  Technisch gesehen, wäre das  kein Problem. Unser Ziel ist es eine grösser Wertschöpfung für die bestehenden Betriebe zu schaffen.

Was ist die Schwierigkeit in der Seidenproduktion?
Die Seidenraupenzucht erfordert ein etwas anderes Denken bezüglich Mast und Hygiene. Landwirte die bereits Erfahrungen mit Hühner- oder Schweinemast haben, haben die Seidenraupenhaltung meist schneller im Griff als andere, weil sie sich zum Beispiel gewohnt sind, dass man vor dem Betreten des Stalles die Kleider wechselt und durch eine Hygieneschleuse läuft. Wie bereits erwähnt, muss man die Arbeitsspitzen gut planen, das kann man aber steuern. Eine weiter Schwierigkeit sind die Spätfröste, unsere Maulbeerbäume sind leider Frostanfällig, Spätfröste können die Produktion nach hinten verschieben. Nicht zuletzt erfordert das Abhasplen des Seidenfadens grosses handwerkliches Können und muss zuerst erlernt werden.

Wie sollen die Schwierigkeiten gelöst werden?
Durch Aus- und Weiterbildung. Wir haben bereits ein Buch rausgegeben und tauschen uns ähnlich wie in Arbeitskreisen häufig aus.  Doch das wichtigste ist üben, üben und nochmals üben.

Suchen Sie noch weiter Produzenten?
Zurzeit nicht, Interessenten können aber jederzeit anfragen und sich informieren. Die Landwirte, die bereits produzieren und Erfahrung haben, sollen  gut verdienen. Sobald die Wertschöpfung noch grösser ist und weitere Geschäftskunden eingestiegen sind, können die Nächsten in die Produktion einsteigen. 

Hat Swiss Silk dank dem Agropreis einen Aufschwung erlebt?
Ja, die Anerkennung und Wertschätzung ist gestiegen! Wir sind immer noch wahnsinnig stolz darauf.

Wurde mit dem Agropreisgeld die Abhaspelmaschine gekauft?
Ja, Preisgeld (25'000 Fr.) plus 5000 Franken aus Eigenmittel wurden in die Abhaspelmaschine investiert. Dadurch konnte die Qualität unserer Seide noch einmal deutlich gesteigert werden. 

Wie will sich Swiss Silk weiter entwickeln, was sind die Ziele?
Wir wollen weitere Geschäftskunden-Kunden gewinnen und die Organisation personenunabhängiger machen. Ich bin der Initiator von Swiss Silk, deshalb hängt zurzeit noch viel mit  meiner Person zusammen. Damit die Organisation langfristig nachhaltig aufgestellt ist, muss das geändert werden. Ich darf nicht der Flaschenhals der Organisation sein. Wir haben das Privileg, unabhängig zu sein. Wir bestimmen die Menge und den Preis. Wir können die Weiterentwicklung der Organisation und Veränderungen in unserem Tempo durchführen

Beenden Sie die Sätze... 

Schweizer Seide ist... ein unvergleichliches Produkt und ein faszinierendes Beispiel, wie in einer Nische ein Teileinkommen erzielt werden kann.

Seidenraupen sind... Hochleistungstiere der Schweizer Landwirtschaft  und auf den zweiten Blick wunderschön.

Maulbeerbäume sind... vielseitig nutzbare Futterpflanzen, trockenresistent, eine Intensivkultur  und wie Reben oder Baumnussbäume leider frostanfällig! 

Landwirtschaft ist... unverzichtbarer Teil der Schweizer Volkswirtschaft. 

Jubiläumsausstellung "Renaissance der Seide"

Am Sonntag 26. Mai um 14:30 Uhr wird im Kipferhaus in Hinterkappelen BE die Jubiläumsausstellung "Renaissance der Seide" eröffnet.

Mit Foto- und Vido-Porträts werden die beteiligten Bauern, die Abhasplerinnen, die Verarbeiter und Marktpartner von swiss silk ins Zentrum gestellt.

So funktioniert Raupen-Mast

Swiss Silk gewinnt den Agropreis hier gehts zum Bericht und den Sigervideos

Hier geht es zu den Produktions-Videos

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