22.10.2018 07:03
Quelle: schweizerbauer.ch - AgE
Italien
Berglandwirtschaft vor Wolf schützen
Südtirol will sein neues Landesgesetz über Vorsorge- und Entnahmemassnahmen beim Großraubwild vor dem Verfassungsgericht in Rom verteidigen.

Wie die Regierung der norditalienischen autonomen Provinz am Dienstag vergangener Woche bekanntgab, geht es dabei nicht nur um die Rechtmässigkeit des Gesetzes, sondern vor allem auch um die Verteidigung der autonomen Zuständigkeiten des Landes Südtirol. Das von der Regierung in Bozen vorgelegte Gesetz zur Erfassung und Tötung von Wölfen und Bären war Anfang Juli vom Südtiroler Landtag verabschiedet worden.

Es ermächtigt die Landesbehörde zu Managementmassnahmen in Bezug auf die Raubtiere Bär und Wolf. Diese kann demnach über die Entnahme, den Fang oder Abschuss einzelner Bären oder Wölfe in bestimmten Ausnahmesituationen und unter Beachtung der staatlichen und europäischen Vorgaben sowie nach Einholen eines Gutachtens der Höheren Anstalt für Umweltschutz und Forschung (ISPRA) autonom bestimmen.

Schutz der Berglandwirtschaft

Im September hatte der Ministerrat in Rom beschlossen, das neue Landesgesetz zum Grossraubtiermanagement anzufechten, um die Frage der Verfassungsmässigkeit desselben zu klären. Damals hatte der italienische Umweltminister Sergio Costa erklärt, dass es sich um eine zu weit oben angesiedelte Entscheidung handele, die deshalb nicht an die „lokalen Behörden delegiert“ werden könne.

Costa hatte aber auch eingeräumt, dass Regelungsbedarf bestehe. Die Südtiroler Gesetzesmassnahme ziele in erster Linie auf den Schutz der Berglandwirtschaft ab, erklärte indes Südtirols Landeshauptmann Arno Kompatscher. Dies sei ein Bereich, in dem Südtirol die primäre Zuständigkeit habe. Kompatscher verwies auf die Regelungen in anderen Mitgliedstaaten, die unter bestimmten Bedingungen eine Entnahme von Wölfen oder Bären erlaube.

Da es diese für Italien nicht gebe, habe man den Spielraum der Autonomie genützt und mit dem betreffenden Landesgesetz EU-Recht unmittelbar umgesetzt, um die traditionelle Berg- und Almwirtschaft zu schützen. Sollte es, angesichts der vom Umweltministerium signalisierten Verhandlungsbereitschaft, zu einer einvernehmlichen Lösung kommen, „kann uns das nur recht sein“, so der Landeshauptmann. 

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