4.08.2020 09:53
Quelle: schweizerbauer.ch - mgt/mge
Fledermaus
Bereits 190 Fledermäuse abgegeben
Für Franziska Heeb sind ihre Fledermäuse fast ihre Babies. Flugstunden erhalten ihre Schützlinge bei ihr in der Stube. Sind sie flügge und fit genug, werden die kleinen Flugkünstler am Fundort wieder ausgesetzt.

Ganz sachte nimmt Franziska Heeb das kleine pelzige Tierchen aus der Schachtel und begutachtet es mit gekonntem Blick. „Es ist ein weibliches braunes Langohr“, sagt die Leiterin der Thurgauer Koordinationsstelle für Fledermäuse. Diese Fledermausart steht in der Schweiz auf der roten Liste und wird intensiv beobachtet. Ein braunes Langohr hält sie dieses Jahr bereits zum dritten Mal in den Händen. Franziska Heeb freut sich jedes Mal, wenn sie eine spezielle Art sieht. „Obwohl es mir eigentlich schon lieber wäre, sie würden den Weg zu mir erst gar nicht finden“, sagt sie und gibt der kleinen Dame Spezialfutter aus einem Dispenser. Aus Sicherheit vor unbekannten Ansteckungen muss bei Kontakt mit den Tieren immer Mundschutz und Handschuhe getragen werden.

Flugstunden in der Stube

Mit ihrem kleinen Züngli leckt die junge Fledermaus die weisse Flüssigkeit gierig auf. Sie frisst, und das scheint fürs Erste ein gutes Zeichen zu sein. Bis sie genügend stark und fit ist, wird sie beim Ehepaar Heeb in Obhut bleiben. Doch sie erhält nicht nur genügend Futter, zu Trinken und ein geborgenes Nest, nein - Heebs bieten in ihrem Wohnzimmer den nachtaktiven Tierchen auch die Möglichkeit ihre Flugübungen zu trainieren. „Erst wenn sie vom Boden aus starten können, ihre Flugmanöver richtig beherrschen und die Insektenlarven selbstständig fressen, setzen wir sie am Fundort wieder aus.“

Dieses Jahr sind bereits auffallend viele Fledermäuse bei der Koordinationsstelle in Bischofszell gelandet. «Wir haben mit über 190 Tieren jetzt schon so viel wie normalerweise in einem ganzen Jahr», sagt Heeb und beton, dass sie nur ein Pflegeplatz von sechs im Thurgau ist. Woran das liegt weiss sie nicht. Es seien aber auffallend viele Jungtiere.

Funde von Fledermäusen gehören in professionelle Hände

In ihrer Station sah Franziska Heeb schon fast alle der 20 nachgewiesenen Arten im Thurgau. Seit fünf Jahren leiten sie und ihr Ehemann Marius die Thurgauische Koordinationsstelle für Fledermausschutz und der Pflegestationen. Doch bereits seit über 14 Jahren setzt sich das Ehepaar zum Wohl der Fledermäuse ein. Dafür absolvierten sie bei der schweizerischen Fledermausstiftung in Zürich eine Ausbildung.

Immer wieder klingelt das Telefon mit verschiedensten Anfragen. Die einen wollen nur ein Sichtungsort mitteilen. Andere wollen die entdeckten Fledermäuse möglichst schnell loswerden. „Doch es sind geschützte Tiere“, sagt Heeb und versucht dann den Unmut ins Positive umzulenken. Doch nicht selten gibt es Meldungen von gefundenen Tieren, die nicht mehr wegfliegen können. Diese gehören in professionelle Hände, die wissen was zu tun ist. Dann landen sie oft beim Ehepaar Heeb.

Mit der Gründung des Vereins Fledermausschutz Thurgau wollen die Interessierten die Öffentlichkeitsarbeit rund um die Fledermaus im Thurgau fördern und das Interesse in der Bevölkerung wecken. „Willkommen sind alle, die Interesse an Fledermäusen und seinen Lebensgewohnheiten haben“, sagt Heeb. Der Verein will zudem mit Vorträgen, Exkursionen und Beratung rund um das fliegende Felltier auf sich aufmerksam machen.

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