8.02.2014 08:50
Quelle: schweizerbauer.ch - Robert Alder
Bern
Bald 30 Wölfe im Kanton Bern
Luchs und Wolf sind nicht überall gern gesehene Raubtiere. Nutztierhalter beklagen Verluste. Aber auch Jäger sind kritisch.

Friedlich sehen sie aus, der Luchs und der Wolf, die neben der Bühne aus der Ecke schauen. Anders als die beiden ausgestopften Exponate sorgten die grossen Räuber in der Natur für Gesprächsstoff. Der Jagd- und Wildschutzverein Thun und Umgebung lud am Mittwoch im Vorfeld des Pelz- und Fellmarktes zu einer Podiumsdiskussion.

Welchen Schwellenwert?

Wie viel Luchs und Wolf darfs denn sein? Wenn man den Berner Jagdinspektor Peter Juesy hört, wird eine maximale Dichte von 1,5 Luchsen pro 100 km2 angestrebt. Hansueli Sterchi von Pro Natura sieht dies anders: «2,5 Luchse sind problemlos. Solange er nicht im ganzen Alpengebiet verbreitet ist, ist umsiedeln besser als abschiessen.»

Ob man den Wolf «bewirtschaften» könne, will Moderator Christian Strübin wissen. Die Berner Konvention sehe vor, in begründeten Fällen regulieren zu können, sagt Juesy. Gleichzeitig müsse man aber damit rechnen, dass der Wolf bis in zehn Jahren wie in Graubünden Rudel bilden werde. Diese brauchen Nahrung. «Die Wolfsdiskussion ist noch lange nicht zu Ende», ist er überzeugt. Denn er rechne damit, dass 30 Wölfe in Berner Wäldern und ebenso viele im Wallis umherstreifen werden.

Wer soll bezahlen?

Lorenz Hess, Präsident der Berner Jäger, weist darauf hin, dass die Kantone beim Bundesamt für Umwelt Bafu Gesuche für Unterstützung beim Herdenschutz einreichen könnten. «Am wirkungsvollsten würden dies mehrere Kantone gleichzeitig tun», sagt der oberste Jäger. Bafu ist für Lobag-Präsident Hans Jörg Rüegsegger ein Reizwort: «Wenn das Bafu etwas will, soll es auch für die Finanzierung sorgen. Aber jetzt stellt dieses Forderungen – und das BLW, die Landwirtschaft soll bezahlen.»

Thomas Schwendimann, Vizepräsident der Berner Schafzüchter, gibt zu bedenken, dass Herdenschutz nicht überall möglich sei. Juesy gibt ihm recht: «Beispielsweise an der Nordflanke des Stockhorns.» Während Sterchi auf die Beiträge von 400 Franken für Umtriebsweiden mit Herdenschutz der Direktzahlungsverordnung hinweist, vermisst Rüegsegger die Berücksichtigung des Faktors Mensch. Erich von Siebenthal, Präsident der Berner Waldbesitzer, weist auf grosse Schäden durch zu hohe Wildbestände im Jungwuchs hin.

Lorenz Hess weiss: «Ein Luchs frisst so viele Gämsen, wie ein Jäger in seiner Karriere erlegen darf. Die Gämsen sind im Gegensatz zu Hirsch und Reh zahlenmässig zurückgegangen. Die Pro-Raubtier-Lobby sei sensationell organisiert und agiere viel zu emotional. Die Politik reagiere viel zu langsam und zu mutlos. Die ideale Lösung ist noch nicht gefunden. Alle Partner müssen sich arrangieren.

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