3.06.2020 11:53
Quelle: schweizerbauer.ch - sda/blu
Uri
11 Schafe bei Wolfsattacke getötet
Bei Angriffen auf zwei Schafherden in Realp sind in den letzten Tagen mindestens elf Schafe dem Wolf zum Opfer gefallen, das ist fast soviel wie im ganzen letzten Jahr. 22 Tiere werden noch vermisst. Die betroffenen Herden im Gebiet Steinbergen waren nicht geschützt.

Die mutmasslich drei Angriffe im Urserntal ereigneten sich zwischen vergangenem Mittwoch und Sonntag, wie der Urner Jagdverwalter Josef Walker auf Anfrage sagte. Er bestätigte eine Meldung der «Urner Zeitung» vom Mittwoch. Die beiden Herden mit insgesamt rund hundert Tieren gehören zwei Haltern. Diese hatten die Risse dem Wildhüter gemeldet.

Jeden Tag mit Angriffen rechnen

Eine solche Zahl getöteter Schafe innert kurzer Zeit sei eher hoch für Uri, sagte Walker. Letztes Jahr wurden im Kanton insgesamt zwölf Schafe vom Wolf gerissen. Walker gab aber zu bedenken, dass man mit den rund 80 Wölfen, die in der Schweiz leben, jeden Tag mit Angriffen rechnen müsse.

Die Herden im Urserntal waren weder durch einen Zaun noch durch einen Herdenschutzhund geschützt. «Wir gehen davon aus, dass die ersten Schafe in der Nacht auf Donnerstag gerissen wurden», sagte Walker zur Luzerner Zeitung. Die erste Meldung durch den Schafhalter habe die Jagdverwaltung aber erst am Freitagabend erhalten. «Es war daher nicht mehr möglich, eine DNA-Probe zu nehmen.»  Das Rissbild sei klar auf einem Wolf zurückzuführen. Ob bei den Angriffen mehrere Wölfe anwesend waren, ist ungewiss.

In den vergangenen Woche wurde ein Wolf bei Zumdorf UR beobachtet. Er wurde sogar gefilmt. «Wir vermuten, dass jener Wolf, der in Zumdorf gesehen wurde, für die Schäden verantwortlich ist. Es gibt keine Hinweise darauf, dass aktuell weitere Wölfe in der Region sind, aber auszuschliessen ist dies auf Grund der grossen Mobilität der Wölfe natürlich auch nicht», so Walker zur Luzerner Zeitung.

Entschädigung für Halter

Für einen möglichen Abschuss eines Wolfes müsste dieser Schafe aus geschützten Herden angegriffen haben oder aber Herden, deren Schutz etwa aus Gründen der Topografie nicht zumutbar ist. Auch müsste eine gewisse Anzahl toter Tiere in einem bestimmten Zeitraum vorliegen. Laut Walker wären es in dem betroffenen Gebiet 15 gerissene Schafe.

Die Halter werden für die getöteten Tiere entschädigt, auch wenn kein Herdenschutz vorhanden war. Dies würde sich mit dem neuen Jagdgesetz ändern, über das das Schweizer Stimmvolk im Herbst abstimmt.

«Wölfe müssen Herdenschutz lernen»

Auch auf der anderen Seite des Oberalppasses, in der Surselva GR, kam es in den vergangenen Wochen zu Schafrissen durch Wölfe. Obwohl dort mittlerweile von einer flächendeckenden Rudelpräsenz auszugehen sei, würden noch immer ungeschützte Schafe und Ziegen weiden, schreibt die Gruppe Wolf Schweiz in einer Mitteilung. Weil Wölfe so lernten, Nutztiere zu erbeuten, wirke sich das negativ auf die Kleinviehhaltung aus.

Dass zuletzt auch geschützte Herden von Wölfen angegriffen wurden, ist die Konsequenz der anhaltenden Präsenz ungeschützter Schafe und Ziegen, heisst es in der Mitteilung weiter. «Wölfe werden nicht mit dem Wissen geboren, wie man Herdenschutz umgeht, sondern sie müssen es lernen. Lernobjekt sind ungeschützte Herden», hebt Wolf Schweiz hervor. Die Anfangsphase der Rudelbildung sei die entscheidende Phase, wie sich ein Rudel entwickeln und auch in den Folgejahren verhalten wird. «Wer jetzt noch keinen Herdenschutz betreibt, gefährdet deshalb nicht nur seine eigenen Tiere und den Wolf, sondern auch alle anderen Schafe und Ziegen», mahnt die Organisation.

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