29.09.2020 16:00
Quelle: schweizerbauer.ch - sum
Tiergesundheit
«Ziel bleibt Ausrottung von BVD»
Im August 2020 gab es nur einen einzigen BVD-Fall. Seit 2017 sinken die Fallzahlen. 99,4 Prozent der Betriebe sind seuchenfrei. Ziel des Bundes ist es, die Seuche auszurotten.

Seit 2008 kämpfen die Rindviehhalter dafür, die Bovine Virusdiarrhoe (BVD) auszurotten. Damals waren viele Tiere Träger des Virus und knapp 1,4 aller neugeborenen Kälber persistent infiziert (PI). Diese PI-Kälber streuten den Erreger lebenslang, kümmerten oft und starben früh. Die Folge: jährlich direkte wirtschaftliche Verluste von rund 10 Millionen Franken.

Verminderte Wachsamkeit

Nach erfolgreichen Jahren und der Umstellung von Ohrstanz- auf Tankmilch- und Blutproben 2013 kamen Rückschläge. Doch nun scheint das  Ausrottungsprogramm des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) endlich auf der Zielgeraden.  

«Das Bewusstsein für BVD war nach dem Wechsel bei der BVD-Überwachung bei vielen Tierhaltern und auch bei Tierärzten tief», erklärt Claire Bussy vom BLV. «Für sie war BVD Vergangenheit, obwohl das Virus noch da war. Verminderte Wachsamkeit und der Tierverkehr führten dazu, dass sich BVD vereinzelt wieder ausbreiten konnte. Es kam zu grösseren regionalen Ausbrüchen mit Folgeinfektionen. Dies hatte eine starke Zunahme der BVD-Fälle 2014 bis 2017 zur Folge.»

389'638 Kälbergeburten

Danach seien die Bekämpfungs- und Überwachungs-massnahmen intensiviert worden. «Dies wirkt. Seit 2017 nehmen die BVD-Fälle ab, und die Fallzahlen liegen seither pro Quartal immer unterhalb derjenigen des Vorjahres. Diesen August gab es nur einen einzigen BVD-Fall. Wir sind auf dem richtigen Weg, das Ziel bleibt die Ausrottung von BVD.»

2020 wurden bis zum 31. August insgesamt 389'638 Kälbergeburten inklusive Totgeburten bei der Tierverkehrsdatenbank gemeldet. Bei nur noch 226 Kälbern oder 0,06 Prozent handelte es sich um PI-Tiere. Bussy präzisiert: «Heute sind 99,4 Prozent der Schweizer Rinderhaltungen BVD-frei. Bei den PI-Tieren handelt es sich meist um Folgeinfektionen aus bereits bekannten BVD-Fällen.»

Tankmilch- oder Blutproben beibehalten

Vorerst will das BLV die Überwachung der BVD-freien Betriebe mit Tankmilch- oder Blutproben beibehalten. Jeder Betrieb wird jedes Jahr getestet. Gibt es keine Neuinfektionen mehr, ist ein Wechsel auf Stichprobenkontrollen denkbar.

Dafür will das BLV laut Claire Bussy nun den Fokus auf die «Problembetriebe» legen: «In den meisten Ställen kann die Infektionskette zeitnah unterbrochen werden. Wo das nicht gelingt, braucht es eine  stärkere Betreuung. Deshalb werden zusammen mit dem Tierhalter individuelle Bekämpfungsmassnahmen getroffen.» 

BVD

BVD ist eine durch einen Virus verursachte bedingte Durchfallerkrankung. Während der Grossteil der BVD-Infektionen symptomlos, d.h. vom Landwirt unbemerkt abläuft, erkranken einige Tiere schwer an Durchfall, Fieber, Nasen- und Augenausfluss sowie Erosionen (nässende Substanzverluste) am Flotzmaul. Auch Fruchtbarkeitsstörungen und Fehlgeburten gehören zu den Symptomen. Betroffen sind Wiederkäuer, vor allem Rinder. Kälber, die sich im Mutterleib mit BVD -Viren anstecken, können persistent infizierte, sogenannte PI-Tiere werden. Sie streuen lebenslang Viren und stellen daher die Hauptansteckungsquelle dar. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich.

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