7.10.2018 11:08
Quelle: schweizerbauer.ch - blu
Schweinepest
Suisseporcs fordert Wildschwein-Abschuss
Die Afrikanische Schweinepest ist für die Hausschweine eine grosse Gefahr. Die Seuche breitet sich immer mehr aus. Suisseporcs fordert eine massive Reduktion des Wildschweinbestandes. Beim Bund sieht man (noch) keinen Handlungsbedarf.

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) kommt der Schweiz immer näher. Im September wurden erste Fälle aus Belgien bekannt. Bis jetzt sind rund 20 Wildschweine an der Krankheit gestorben. In einem 63'000 ha grossen Gebiet wurden in der Folge alle Nutzschweine gekeult. Betroffen waren 58 Schweinehalter mit über 4'100 Nutzschweinen. In der Risikozone leben immer noch rund 2'500 Wildschweine. 

Gravierende finanzielle Konsequenzen

Zuvor war das Virus bereits in östlichen EU-Staaten aufgetreten, betroffen waren etwa das Baltikum, Polen, Tschechien und Ungarn. Das deutsche Bundesland Niedersachsen hat zum Schutz der Nutzschweinbestände einen 20km langen Schutzzaun gekauft, der im Ernstfall um den Fundort eines verseuchten Kadavers aufgestellt werden soll. Auch andere Länder erwägen den Bau eines Zauns, unter anderem Dänemark oder Finnland. 

Ein Ausbruch der Krankheit hat für die Bauern gravierende finanzielle Konsequenzen. Nebst der Keulung des Tierbestandes wird eine Sperrzone errichtet. Frühestens sechs Monate nach dem letzten ASP-Ausbruch sieht die EU eine Aufhebung vor. In Rumänien sorgt die ASP für Panik unter den Bauern. Nach Schätzungen der Branchenvereinigung der Züchter und Exporteure von Rindern, Schafen und Schweinen (ACEBOP) belaufen sich die durch die Tierseuche verursachten Schäden in Rumäniens Landwirtschaft bereits auf viele Millionen Franken. Der Verbandspräsident der Schweinefleischproduzenten Rumäniens (APCPR), Ioan Ladosi, sagte, dass „unter den Bauern echte Panik herrscht“.

«Mit allen Mitteln bejagen»

Auch in der Schweiz wächst die Angst einer Einschleppung der Virusinfektion. «Es gilt, die Einschleppung unter allen Umständen zu verhindern», sagte Mediensprecherin Eva van Beek vom Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) gegenüber «Schweizer Bauer». Der Schweizerische Schweinezucht- und Schweineproduzentenverband Suisseporcs will vor allem bei den Wildschweinen ansetzen. 

«Wir fordern, dass die Wildschweinbestände massiv reduziert werden», sagt Suisseporcs-Präsident Meinrad Pfister gegenüber der «SonntagsZeitung». Eine Ausbreitung der hochansteckenden Krankheit in der Schweiz könne nur verhindert werden, wenn die Wildschweinbestände «mit allen Mitteln bejagt werden», fährt er fort. Die Einfuhr von erlegten Wildschweinen aus der Jagd im Ausland sei zu verbieten.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine schwere Virusinfektion, die für Wild- und Hausschweine in Europa fast immer tödlich verläuft. Der Erreger kann durch direkten Kontakt zwischen Tieren übertragen werden, aber auch durch Speisereste mit Fleisch von infizierten Tieren.

Bafu sieht keinen Handlungsbedarf

Pfister fordert aber noch weitere Massnahmen. So soll der Bau von Wildübergängen über die Autobahnen gestoppt werden, dies vor allem nördlich vom Kanton Luzern. Eine Ausbreitung der ASP in den Innerschweizer Kanton sei besonders gravierend, weil dort 28 Prozent der Schweizer Zuchtschweine leben. «Die Gefahr einer Übertragung ist hier besonders hoch», warnt Pfister.

Beim Bund sieht man noch keinen akuten Handlungsbedarf. Das BLV sagt gegenüber der «SonntagsZeitung», dass das BLV erst bei einem Ausbruch der Krankheit für die Bekämpfung zuständig sei. Das Amt schiebt den Ball dem Bundesamt für Umwelt (Bafu) zu. Dieses will nichts von umgehenden Reduktion der Wildschweinbestände wissen. «In der Schweiz sind diese viel kleiner als in Deutschland oder Frankreich. Sollte die Afrikanische Schweinepest die Schweiz erreichen, so müsste man allenfalls die Jagd gebietsweise intensivieren», erklärt der Bafu gegenüber der «SonntagsZeitung».

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